Werkprojekt
Wenn die Schule zum Atelier wird — Kinder lassen Kreativität freien Lauf

Aus Beton und Backsteinen entstehen Kunstwerke: 85 Kinder und 9 Künstler aus Deitingen lassen während 2 Schultagen ihrer Kreativität freien Lauf.

Raphael Karpf
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Werkprojekt Schule Deitingen
44 Bilder
Weitere Impressionen.
Der Künstler erklärt – die Kinder lauschen.
Der Fotograf Urs Amiet hilft beim Bau einer Lochkamera.
Noch entstehen Kunstwerke, im Juni werden sie ausgestellt.
Die Klassenzimmer sind zu richtigen Ateliers geworden – die Schüler zu Künstler.
Konzentration und Fingerspitzengefühl sind gefragt für persische Kalligrafien.

Werkprojekt Schule Deitingen

Hanspeter Bärtschi

Wenn Backsteine zertrümmert, in höchster Konzentration persische Kalligrafien gezeichnet und Armierungseisen zusammengeschweisst werden, dann sind die Schüler der Primarschule Deitingen am Werk. Die Schule hat ein gewaltiges Werkprojekt auf die Beine gestellt: 85 Kinder, die klassenübergreifend mit neun Künstlern an verschiedenen Projekten arbeiten.
In einem der Workshops werden Kunstwerke aus Lehm und Backsteinen gebaut. Mit Skibrillen auf der Nase und Hämmer in den Händen geht es den Backsteinen an den Kragen. In kleine Einzelstücke werden sie zerschlagen und dann mit Lehmverputz zu Ikea-Regalen, Wolkenkratzern oder Statuen geformt. Von der Baustelle in die Schreibstube. Es herrscht konzentrierte Ruhe, während die Kinder in absoluter Feinstarbeit persische Kalligrafien aufzeichnen.

«Bereits letzten Sommer haben wir angefangen zu planen», erzählt Stephan Tüscher, Lehrer und Mitorganisator. Denn ein Projekt dieser Grössenordnung sei nichts Alltägliches, ja nicht einmal Alljährliches. Bisher konnten die Kinder im Rahmen einer Kunstwoche extern bei Künstlern ihre Kreativität ausleben. Jetzt habe man den Spiess einfach umgedreht und einige dieser Künstler an die Schule geholt.

Neun Personen an zwei Halbtagen gleichzeitig vor Ort zu haben, dazu das ganze Material, und dann noch eine Vernissage, dies alles auf die Beine zu stellen: «Nicht ganz einfach. Und nur mit viel Teamwork machbar.»

Pause? Fehlanzeige

Im nächsten Raum wird gerade Beton angerührt und in einen Rahmen, der mit Sagex-Stücken gefüllt ist, eingegossen. Zuvor haben die Nachwuchstalente Figuren aufgezeichnet und das Sagex entsprechend ausgeschnitten. Ist der Beton trocken, werden die Sagex Teile entfernt. Ein grimmiges Beton-Gesicht starrt einem entgegen. Die Glocke klingelt. «Weit dir Pause mache», fragt Beat Wüthrich, der Künstler vor Ort. «Neeei», die einstimmige Antwort. Also wird fleissig weitergebastelt.

Es geht in den Keller hinab. Mit dem Fotografen Urs Amiet werden Lochkameras gebaut. Gerade werden kleine Löcher in die Hohlkörper aus Karton gebohrt. Amiet erklärt, wie man einen Akkuschrauber handhabt. Ein Knabe schnappt sich das Gerät und bohrt kurzerhand sein Loch. «Super, das geit ja wies Bisiwätter.»

Mit dem Auto geht es zwei Strassen weiter. Jonas Kaufmann hat sein Atelier in Deitingen . Im authentischen Umfeld bilden die Kinder Skulpturen aus Armierungsreisen. Blumen und Elefanten scheinen beliebte Motive zu sein. Auf Papier wird die Idee aufgezeichnet, dann werden die Eisenstangen in passend lange Stücke geschnitten, mit dem Vorschlaghammer zurechtgebogen und schliesslich zusammengeschweisst.
Atelier «Zweien»

«Wir wollten ein gemeinsames Projekt im Bereich «Werken» auf die Beine stellen», erklärt Tüscher. Klassenübergreifende Events würden sonst eher im Bereich der Musik, Mathematik, oder beim Lesen und Schreiben stattfinden. Das Schulhaus «Zweien» ähnelt bereits vor diesem Projekt einer Kunstausstellung. An jeder Wand und jeder Tür sind Bilder, bemalte Schuhe und Skulpturen zu sehen.

Die Vernissage des Werkprojekts findet am siebten Juni statt.