In den Drei Höfen wird jährlich eine Viehschau durchgeführt, obwohl nur noch vier Bauern dem Viehzucht-Verein (VZV) angehören. Heuer gibt es zudem ein Jubiläum zu feiern: Der Verein, der 1943 von damals noch 12 Landwirten als Genossenschaft gegründet wurde, wird 75 Jahre alt.

Im Wasseramt gibt es – ausser in den Drei Höfen – keine Viehschauen mehr, erklärt Hansueli Freudiger (Präsident VZV). Der Aufwand, einen solchen Anlass durchzuführen sei doch beträchtlich. Schon seit zwei Tagen ist man dabei, den Schauplatz in Winistorf herzurichten und das Festzelt aufzustellen. «Unsere Frauen kochen auch schon seit zwei Tagen Erbssuppe.» Traditionellerweise wird diese an der Höfer-Viehschau mit Gnagi serviert. «Es gibt sogar Besucher, die nur wegen des Essens kommen.»

Hansueli Freudiger und sein Sohn Christoph nehmen 14 ihrer 22 Kühe mit an die Viehschau. Diese Anlässe stehen bei Tierschützern öfter in der Kritik. «Bei einer so kleinen Schau wie bei uns in den Drei Höfen, werden die Kühe ganz normal präsentiert und nicht hergerichtet. Sicher nehmen wir die etwas schöneren Kühe mit. Vor allem aber die Jungen, die noch nie bewertet wurden.» Früher wie heute sei es interessant, sich das Urteil der Punktrichter über die einzelnen Kühe anzuhören.

«So lassen sie sich auch vom Roboter besser melken.»

Zwar verkaufen Freudigers keine Kühe. Aber wie andere Landwirt auch, achten sie darauf, gesunde Kühe zu züchten. Wenn die Kühe gesund und fruchtbar sind, dann geben sie gute Milch und auch viel Milch.

Vier Noten erhalten die Kühe an einer Viehschau. Wichtig ist ein schöner gerade Rücken und damit der Gesamteindruck der Kuh. Beurteilt werden auch die Beine und der Gang. «Nur eine Kuh mit gesunden Beinen wird alt. Wenn sie irgendwann ihr Gewicht nicht mehr tragen kann, ist dies problematisch.»

Drei Höfen Viehschau 2018

Drei Höfen Viehschau 2018

Wichtig für eine Milchkuh ist zudem logischerweise das Euter. Dabei zählt nicht nur die Grösse, wie Laien vermuten könnten, sondern auch der sogenannte Halt, konkret heisst dies, dass das Euter nicht hängen sollte. Auch die Striche oder Zitzen werden bewertet. Nicht zu lang, nicht zu dünn und möglichst gerade sollten sie sein. «So lassen sie sich auch vom Roboter besser melken.»

Experten küren die Missen

Nicht nur der Festplatz wird vorbereitet: Die Kühe, die mit an die Schau kommen, werden vorgängig gewaschen. «Eine Woche vor der Viehschau gewöhnen wir sie zudem daran, eine Glocke zu tragen. Während des Jahres ist das bei uns sonst nicht üblich.» Auch das Laufen mit dem Halfter müssen die jungen Kühe lernen, die sich daran gewöhnt sind frei draussen herumlaufen zu können.

Am Tag der Viehschau werden die Kühe kurz nach sieben Uhr vom Hof auf den Schauplatz geführt. Um 8.30 Uhr sind in der Regel alle Bauern mit ihren Tieren dort. Die Kühe werden, wenn nötig, erneut gewaschen. Dann wird der Platz eingestreut und alles vorbereitet für die Experten, die sich die Kühe ab 9.30 Uhr ansehen.

Um 11 Uhr werden die Miss Drei Höfe und die Miss Schöneuter von den Experten erkoren. Beide Kühe, oder besser gesagt ihre Besitzer, erhalten eine Glocke als Lohn.

«Früher hat man sich noch in der Käserei getroffen»

Die Viehschau sei nicht nur eine Leistungsschau, sondern vor allem auch ein Treffpunkt für die Bauern der Region und die Bevölkerung, erklären Hansueli und Christoph Freudiger. «Früher hat man sich noch in der Käserei getroffen. Heute sehen wir Bauern uns nicht mehr so häufig.»

Ob die Viehschau auch im 76. Vereinsjahr noch durchgeführt wird, weiss Hansueli Freudiger nicht. Er hat den Betrieb inzwischen seinem Sohn übergeben, und ist nun «nur noch» Angestellter.

Ein weiterer Betrieb in den Drei Höfen wird im nächsten Jahr die Milchwirtschaft voraussichtlich aufgeben. «Aber wir werden auch zu dritt versuchen, die Viehschau weiterhin durchzuführen.»