Luterbach
Wenn das Militär kommt, geht die Nachtruhe flöten

Anwohner der Truppenunterkunft im Luterbacher Werkgebäude leiden in der Nacht unter Lärmemissionen. Nun erhielten sie Gelegenheit, im Gemeinderat zu informieren.

Urs Byland
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Die Truppenunterkunft ist mehr belegt. Das stört die Nachbarn des Werkgebäudes. (Symbolbild)

Die Truppenunterkunft ist mehr belegt. Das stört die Nachbarn des Werkgebäudes. (Symbolbild)

Keystone

Im Ton sehr freundlich aber inhaltlich mit Nachdruck berichteten die beiden Anwohner im Gemeinderat über ihre Erfahrungen. Grund für die Information sind Lärmemissionen im Zusammenhang mit Militärbelegungen im Luterbacher Werkgebäude. Dort vermietet die Gemeinde im Untergeschoss Teile der Zivilschutzanlage.

«Wir haben nach der Borregaard-Schliessung eine Zunahme der Belegungen», erklärte Bauverwalter Bernd Schultis. Auf dem Gelände Attisholz Süd könnten die Truppen viele Fahrzeuge parkieren, und gleichzeitig eigne sich das ehemalige Industrieareal für Übungen. «Genie-Truppen kommen besonders gerne. Vor der Schliessung hatten wir durchschnittlich einmal Truppen im Werkgebäude. Aktuell sind es 4 bis 5 Belegungen jährlich.» Rekrutenschulen bleiben jeweils für vier Wochen. Die Truppen der Wiederholungskurse mieten sich für 2 bis 3 Wochen ein. Das kann dann gut und gerne 15 Wochen im Jahr Militär in Luterbach bedeuten.

Geschrei am Morgenappell

«Am Morgen zwischen 6 und 7 Uhr erfolgt der Morgenappell. Regelmässig werde ich durch das Geschrei der Truppen geweckt. Ich stehe im Bett», berichtete eine Anwohnerin. «Dann kommt der Kommandant und gibt den Tagesablauf bekannt. Auch wenn ich alle Türen schliesse, höre ich noch, was er schreit. Anschliessend werden die Lastwagen gestürmt. Die alten LKWs tschätteren. Unmöglich.»

Schlimmer seien Nachtübungen, wenn die Truppen zwischen 2 und 4 Uhr nachts zurückkommen. Das Metall knalle, wenn die Soldaten von den LKWs runterspringen. Wieder werde gebrüllt. «Wir sind längst wach, auch die Kinder.» Das Schlimmste sei aber das Aufstellen der Absperrgitter jeweils am Anfang und Ende der Belegung. Da werde gehämmert bis tief in die Nacht. «Und am Morgen geht es um 6 Uhr wieder los.»

Gegen Gemeinde vorgehen

Der zweite Anwohner unterstützte sie mit Nachdruck, auch wenn er sagte: «Militär lärmt, das ist absolut unvermeidlich.» Weil der Lärm nicht mit üblichen Mitteln bekämpft werden könne, müsse man gegen den sogenannten Zustandsstörer vorgehen. Dieser sei die Vermieterin der Anlage, die Gemeinde. «Sie ist dafür verantwortlich, dass die Bewohner schlafen können.» Doch die Anrufung des Gerichts sei keine Option, so der Anwohner, der selber Richter ist. «Ich will nur in Ruhe schlafen können.» Die Zwei fordern weniger Vermietungen und dass der Parkplatz beim Werkhof nicht genutzt werden dürfe.

Zudem schlagen sie vier Punkte vor, welche den Lärm verringern sollen: Den Morgengruss abstellen oder innerhalb der Zivilschutzanlage ausrichten, ebenso den Tagesbefehl. Nachtübungen nicht in Luterbach, sondern in der Kaserne durchführen. Metallgitter nicht mehr nachts, sondern tagsüber aufstellen.

«Den Lärm kann man nicht verhindern, auch nicht die Nachtübungen», sagt Bauverwalter Bernd Schultis. Er könne sich aber vorstellen, dass mit der Überbauung des Areals Attisholz Süd, die Situation in den kommenden Jahren entschärft wird. Die Gemeinderäte sind aufgefordert, sich eine Meinung zu bilden. Dazu wird der eine oder andere auch an die Gemeindekasse und die lokale Wirtschaft denken. Die Gemeinde budgetierte für 2015 Einnahmen von 50 000 Franken dank Belegungen.