Der Gemeinderat befasste sich mit Tempo 30. Dieses soll auf Kriegstettens Quartierstrassen flächendeckend eingeführt werden. Bereits vor zwei Jahren haben 36 Einwohnerinnen und Einwohner in einem Brief darum gebeten. Nun wurde das Anliegen im Rahmen der Ortsplanungsrevision geprüft. Die Bau- und Werkkommission befürwortet die Einführung von Tempo 30 auf allen Quartierstrassen.

«Wegen der Autobahnausfahrt sind unsere Strassen durch sehr viel Fluchtverkehr geprägt», betonte Gemeindepräsident Simon Wiedmer und nannte einige Strassen, welche vor allem für Langsamverkehr gefährlich geworden seien. Dazu gehören etwa die Schulhausstrasse, die Sigriststrasse, die Obergerlafingenstrasse, die Kürzemattstrasse, die Grabackerstrasse oder die Büntackerstrasse.

Wenn, dann flächendeckend

Es wäre aber falsch, wenn man sich nur auf diese eher problematischen Strassen beschränken würde, so der Gemeindepräsident. «Wenn, dann gleich flächendeckend.» Ständig wechselnde Geschwindigkeitsbegrenzungen innerhalb des Dorfes würden für Unübersichtlichkeit sorgen. «Tempo 30 erhöht die Sicherheit für alle und sorgt für mehr Gleichberechtigung zwischen den verschiedenen Verkehrsteilnehmern», sagte Wiedmer. So werde die Verantwortung von der Gemeinde auf die Autofahrer verlagert. Zudem sei Tempo 30 auch in vielen umliegenden Gemeinden bereits erfolgreich umgesetzt worden. Das Vorhaben traf im Rat auf viel Zustimmung. Roger Schneider brachte sogar an, dass zusätzlich auch noch alle Quartierstrassen auf Zubringerdienst beschränkt werden sollten.

Zusätzlicher Risikofaktor?

Klar gegen die Einführung von Tempo 30 äusserte sich nur Ratsmitglied Rémy Wyssmann, und zwar in einem ausführlichen Plädoyer. Zum einen sei die Situation in Kriegstetten bereits verkehrsberuhigt, die Leute würden angepasst fahren, Tempo 30 sei folglich nicht wirklich nötig. Zum anderen berge die Tempo-30-Zone zusätzliche Risikofaktoren, weil nämlich die Stelen direkt bei den Einmündungen in die Quartierstrassen stehen müssten und Hindernisse bilden. «Damit würden wir einen zusätzlichen Risikofaktor schaffen», so Wyssmann, zumal nämlich ohnehin über 80 Prozent aller Unfälle an Einmündungen oder Kreuzungen entstehen. Auffahrunfälle durch abruptes Abbremsen wären vorprogrammiert. Auch die Schneeräumung würde durch diese Stelen behindert. Tempo 30 sei deshalb «unnötig, unverhältnismässig, kontraproduktiv und kostenintensiv», so Wyssmann.

Seine Argumente vermochten den Gemeinderat jedoch nicht zu überzeugen. Der Beschluss wurde mit nur einer Gegenstimme fast einstimmig gefasst. Das Projekt «Tempo 30 auf Quartierstrassen» soll folglich mit einem Kredit von 65 000 Franken ins Budget 2019 aufgenommen werden. Darin enthalten sind Kosten für Ingenieur, Studie, Messungen, Wirkungsanalyse sowie Montage und Markierung von etwa zwölf Stelen. Der beantragte Kredit entspricht den Projektkosten in Oekingen mit 14 Stelen. Da die Höhe des Kredits die Kompetenz des Gemeinderats überschreitet, wird das Volk allerdings das letzte Wort haben und kann an der Gemeindeversammlung im Dezember darüber beschliessen.

Vertrag mit AEK verlängert

Ausserdem hat der Gemeinderat beschlossen, den Vertrag mit der AEK zu verlängern. Die AEK, Pächterin des Niederspannungs-Verteilnetzes der Gemeinde Kriegstetten, hat die Strompreise erhöht. Der Gemeinderat hat deshalb die letzten Monate intensiv und unter Beizug von externen Beratern genutzt, um die Vertragsregelung zu prüfen. Dabei ist man zum Schluss gekommen, dass man den Vertrag mit der AEK verlängern möchte. Ein Wechsel wäre zu aufwendig, ausserdem fallen die Mehrkosten pro Privat-Haushalt insgesamt gering aus, die AEK-Netztarife sind vergleichsweise günstig.

Die AEK offeriert den Partnergemeinden ausserdem eine temporäre Mehrpachtentschädigung von 0.8 Rappen pro Kilowattstunde, welche als Preisabfederung wirkt. Diese Mehrpachtentschädigung soll den Einwohnern für die nächsten fünf Jahre direkt auf
der Stromrechnung in Abzug gebracht werden.