Der Wald gilt gemeinhin als Erholungsraum, wird aber auch in der Freizeit genutzt. Schon seit 40 Jahren rennen die Mitglieder der OL-Gruppe Biberist Solothurn durch den Oberwald. «Das ist seit Anbeginn unser Trainingswald», meint Martin Gygax.

Am 5. November soll die Team-OL-Schweizer-Meisterschaft in eben diesem Wald, rund um den Buechhof, durchgeführt werden. Gegen 500 Teams in über 20 Kategorien und damit rund 1500 Läuferinnen und Läufer werden erwartet.

Um einen solchen Grossanlass durchzuführen, braucht es gutes Kartenmaterial, eine passende Infrastruktur und das Einverständnis der kommunalen und kantonalen Behörden. Schon seit Jahren sitzen die OL-Läufer deshalb ein Mal pro Jahr mit den Behördenvertretern zusammen und zeigen auf, wann sie welche Anlässe wo planen. «Dieses Vorgehen hat sich bewährt», sagt Gygax. Er war viele Jahre Präsident und technischer Leiter der OLG Biberist Solothurn, arbeitet heute als Leiter der Geschäftsstelle von Swiss Orienteering und ist im Organisationskomitee der Team-OL-Schweizer-Meisterschaft.

Zwei Jahre Vorbereitungszeit

Wer eine Schweizer Meisterschaft durchführen will, hat rund zwei Jahre Vorbereitungszeit. Swiss Orienteering, der Schweizerische Dachverband, schreibt vor, dass ein Laufgebiet für eine Schweizer Meisterschaft neu kartiert werden muss. Aus diesem Grund wurde die bestehende Karte des Oberwaldes durch die OLG Biberist Solothurn überarbeitet und auf den neusten Stand gebracht. «Die Karte wird vom nationalen Verband kontrolliert. Sie wird aber auch durch diverse Bundesfachstellen oder beispielsweise die Schweizerische Vogelwarte Sempach überprüft.»

Nicht jeder Wald eignet sich für den Orientierungslauf. Nationale Schutzgebiete beispielsweise sind tabu. Da im Oberwald schon lange OL gelaufen wird, waren die Voraussetzungen einfacher. Vor der Vergabe der Schweizer Meisterschaft lag das Einverständnis für die Durchführung des Anlasses durch die Behörden vor. «Die eigentliche Anlassbewilligung konnten wir erst später einholen.» Ebenso habe man die Details, vor allem mit den Jägern, erst vor rund einem Jahr besprochen.

Wild braucht Ruhegebiete

Wenn 1500 Menschen fast gleichzeitig durch einen Wald rennen, dann ist die Belastung für Flora und Fauna höher als üblich. Speziell müssen Organisatoren und Läufer Rücksicht auf das Wild nehmen. Deshalb werden vor einem Anlass in Zusammenarbeit mit der örtlichen Jagdgesellschaft Ruhegebiete, sogenannte «Wildeinstandgebiete», ausgeschieden. Diese werden auf den OL-Karten deutlich markiert und sind für die Läufer tabu. «Der Bahnleger versucht zudem, die Bahnen so zu konzipieren, dass die Läuferinnen und Läufer möglichst immer nur in eine Richtung rennen und sich nicht kreuzen.»

In aller Regel funktioniere dieses Vorgehen gut. «Die Tiere werden durch die Laufenden gestört und sozusagen automatisch in die Ruhezonen gezwungen. Sind sie dort, verlassen sie diese in aller Regel bis zum Abend nicht mehr.»

Gygax windet den Solothurner Behörden ein Kränzchen. «Meiner Meinung nach funktioniert die Zusammenarbeit mit dem kantonalen Amt für Wald, Jagd und Fischerei hervorragend.» Dank dieser Zusammenarbeit und dem gegenseitigen Vertrauen sei es im Kanton Solothurn immer wieder möglich, OL-Läufe durchzuführen.

Das sei nicht selbstverständlich, wie Beispiele aus anderen Kantonen, in denen die Bewilligung verweigert wurde, zeigen würden. Weil der Vollzug der Waldgesetzgebung Sache der Kantone ist, sei dies in Solothurn ein Vorteil. Auch die Jagd sei nicht in jedem Kanton gleich organisiert.