Halten/Hersiwil
Welchen Einfluss hat der Biber auf das Schnapshölzli?

Auswirkungen durch den Biber auf das Grenzgebiet zwischen Halten und Hersiwil sollen mit einem Monitoring erfasst und überprüft werden.

Rahel Meier
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Biber-Monitoring im Biberrevier in Halten/Hersiwil
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 Noch vor einem Jahr stand das Wasser weitaus weniger hoch.
 Zurzeit steht das Wasser auch im Landwirtschaftsland.
 Nach einem Jahr beginnt der Biber im Schnapshölzli die Landschaft umzugestalten
 Nach einem Jahr beginnt der Biber im Schnapshölzli die Landschaft umzugestalten
 Nach einem Jahr beginnt der Biber im Schnapshölzli die Landschaft umzugestalten
 Im Schnapshälzli findet der Biber einen reich gedeckten Tisch.
 Nach einem Jahr beginnt der Biber im Schnapshölzli die Landschaft umzugestalten
 Der Biber wandert ostwärts und sucht sich auch ausserhalb des Schnapshölzli Nahrung.
 Mit diesen Wellplatten werden die Reptilienarten untersucht, die im Biberrevier leben.
 Zurzeit steht das Wasser auch im Landwirtschaftsland.
Biberrevier Halten/ Hersiwil Zurzeit steht das Wasser auch im Landwirtschaftsland.
 Zurzeit steht das Wasser auch im Landwirtschaftsland.
 Zurzeit steht das Wasser auch im Landwirtschaftsland.

Biber-Monitoring im Biberrevier in Halten/Hersiwil

Rahel Meier

Seit rund einem Jahr darf sich der Biber am Weierbach austoben. Schon vor mehreren Jahren haben die Nagetiere im sogenannten Schnapshölzli, im Grenzgebiet zwischen Halten und Hersiwil, damit begonnen einen rund 50 Meter langen Damm und eine Burg zu bauen.

Pro Natura konnte dort im vergangenen Jahr zwei Waldparzellen, mit einer Gesamtfläche von rund 68 Aren, kaufen und so hat der Biber nun ein Revier, in dem er nicht nur geduldet wird, sondern sogar hochwillkommen ist. Tatsächlich hat er im letzten Jahr bereits damit begonnen, einen weiteren Damm zu bauen und die Landschaft umzugestalten. Aus dem aufgestauten Tümpel ist in der Zwischenzeit ein Teich geworden.

Fliessender Übergang

Aktion Biber & Co ist gestartet

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hat Pro Natura Ende 2017, nach 17 Jahren, die Aktion «Hallo Biber!» abgeschlossen. Mit «Hallo Biber!» hat sich Pro Natura von 2000 bis 2017 für mehr natürliche und naturnahe Flüsse vom Rhein bis zur Rhone eingesetzt. Denn nur wo genügend Gewässerraum für Flüsse und Bäche zur Verfügung stehe, würden Biber und andere Fliessgewässerbewohner ein Zuhause finden. Der Biber schaffe mit seinen Stau- und Grabarbeiten besonders vielfältige Lebensräume. Nicht nur für sich, sondern auch für Eisvögel und Libellen, Sanddorn oder Weidenröschen.

Doch nicht nur die Bibergewässer brauchen den Einsatz von Naturfreunden. Seit Anfang 2018 weitet Pro Natura deshalb die erfolgreiche Aktion «Hallo Biber!» mit der «Aktion Biber & Co.» auf weitere Gewässer-Lebensräume aus. Gewässer seien die bedrohten Lebensadern in der Landschaft. Pro Natura setze sich dafür ein, dass Auen und Fliessgewässer renaturiert, Feuchtgebiete aufgewertet und neue Tümpel, Teiche oder Feuchtwiesen angelegt werden. Zum Biber als dem bisherigen «Flaggtier» gesellen sich jetzt die Wasseramsel, die Quelljungfer, der Aal und der Laubfrosch. Sie sind Botschafter für die ganze Vielfalt der Gewässerlebensräume. Wo sie leben, ist die Welt der Wassertiere und -pflanzen in Ordnung, erklärt Pro Natura.

Pro Natura setzt sich mit der «Aktion Biber & Co.» für ein grosses, artenreiches Gewässermosaik aus bestehenden und neuen Feuchtgebieten ein. Wichtig sei dabei auch die Vernetzung zwischen den verschiedenen feuchten und nassen Mosaiksteinen. Um diese Ziele zu erreichen, arbeitet Pro Natura mit Gemeinden, Kantonen und weiteren Partnern zusammen. (rm/mgt)

Nachweis fehlt

Immer wieder wird in Diskussionen rund um den Biber darauf verwiesen, dass das Tier wertvoll für den Erhalt und die Förderung der Biodiversität sei. In der Schweiz fehlen aber Studien, die diese Aussagen beweisen. Pro Natura und «Aktion Biber & Co.» (siehe Kasten) wollen nun mit einem Biber-Monitoring im Schnapshölzli Daten sammeln, die diese These stützen. Die Erstaufnahmen, die dafür gemacht werden müssen, sind zurzeit am Laufen und das Projekt wird vom Lotteriefonds des Kantons Solothurn unterstützt.

Zu sehen und zu hören sind die ersten Folgen der Besiedlung durch den Biber schon jetzt. Dann beispielsweise, wenn man sich dem aufgestauten Teich nähert. Amphibien haben damit begonnen, ihn zu besiedeln und je nach Wetter sind laute Froschkonzerte zu hören.

David Gerke beobachtet die Biberfamilie am Weierbach schon seit Jahren. Anfang April hat er die Biber-Spuren für das Monitoring aufgenommen – und war selbst überrascht. «Nagespuren der Biber finden sich noch fast einen Kilometer weiter östlich, bei einem der Teiche, die neben dem Tunnel der Bahn 2000 angelegt wurde.» Westlich enden die Ausflüge des Bibers bei der Strasse, die durch den Wald von Halten nach Hersiwil führt. Zu Beginn der Besiedlung des Weierbaches durch den Biber, war dieser praktisch nur im Schnapshölzli anzutreffen. Wieso genau er nun so weit wandert, das kann Gerke allerdings auch nicht erklären.

Gesamte Flora und Fauna

Mit dem Biber-Monitoring sollen nicht nur Daten und Fakten zum Biber zusammengetragen werden. Konkret werden verschiedenste Fachleute und Spezialisten in den nächsten Tagen und Wochen im Wald rund um den Biberdamm anzutreffen sein. So wurden beispielsweise an über 20 Stellen Wellplatten ausgelegt, mit denen die Reptilien-Fauna untersucht werden soll. Hanspeter Aeschlimann, ein anerkannter Ornithologe aus Bolken, wird sich der Vogelwelt widmen.

Auch die Fischpopulation, die Libellen und Tagfalter, und die Gross- und Kleinsäuger, sollen miteinbezogen werden. Die Veränderungen der Flora und der Landschaft sollen zudem mit Fotos dokumentiert werden, die immer am genau gleichen Ort gemacht werden.
Das Erfassen der Daten dürfte bis in den Herbst hinein dauern. Dann habe man einen Überblick, so Gerke. «Wenn wir wissen wollen, was genau passiert, dann müssen wir aber in fünf Jahren erneut ein Biber-Monitoring durchführen. Denn was wir jetzt erfassen, ist nur der Ist-Zustand.»

Diese Tiere profitieren

Ohne die konkrete Erfassung von Beständen, gibt es Tiere, die bekannterweise von der Präsenz des Bibers profitieren.

Beispiel Wildbiene: Wenn der Biber Bäume fällt, schafft er Waldlichtungen. Die Sonne erreicht so den Boden besser und es entstehen trockene offene Flächen. So fördert der Biber wärmeliebende Tierarten, wie etwa die Wildbiene, die diese Flächen gerne als Nistplatz nutzt.

Beispiel Fledermaus: Die Aktivitäten des Bibers erhöhen das Totholzangebot. Spechte suchen nach Larven, die im Holz unter der Rinde leben. So entstehen Specht- und Fäulnishöhlen, die Fledermäusen als Tagquartier dienen.

Beispiel Geburtshelferkröte: Die Biberteiche mit ihren Flachwasserzonen eignen sich speziell zum Laichen für die Amphibien. Ausgewachsene Tiere nutzen das herumliegende Totholz als Tagesversteck. Die Geburtshelferkröte findet in einem Biberrevier ebenfalls wieder ihre ursprünglichen Lebensräume. (rm)

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