Machtlos mussten die Waldbesitzer das Ungemach der Natur im letzten Jahr hinnehmen. Die Nachwirkungen ziehen sich ins neue Jahr hinein. Es wird nicht besser werden. Dies ist den Ausführungen an der 6. Generalversammlung der Genossenschaft Aareholz Region Biel/Solothurn zu entnehmen, deren Kernaufgabe die Holzvermarktung ist. Gross war der Schock, als vor zwei Monaten Drohnenaufnahmen ein neues Phänomen der Wälder am ganzen Jurasüdfuss zeigten. «Die alten Weisstannen sterben ab», erklärt Genossenschaftspräsident Thomas Studer im Gemeindehaus Selzach den Anwesenden.

Die gestressten Bäume haben den Austrieb nicht geschafft. Das Tannensterben sei einen Folge der Sommertrockenheit 2018. «Wir hatten fast vier Monate keinen ergiebigen Regen.» Die Feinwurzeln seien dermassen geschädigt, dass sie die Feuchtigkeit nicht mehr aufnehmen können, das führt dann zum Absterben. Die geschädigten und absterbenden Bäume wurden und werden sofort gefällt. «Es waren bisher über Tausend, von den grössten und schönsten», so ein niedergeschlagener Studer. Die Schlagaktion war eine Notmassnahme. «Damit wir das Holz zu einem vernünftigen Preis verkaufen können. Jetzt ist das Holz noch hochwertig.»

Neues Käferholz

Geschäftsführer Meinrad Lüthi und Thomas Studer, Kantonsrat und Betriebsleiter des Forstbetriebs Leberberg, nannten in ihren Rückblicken das weitere Ungemach. Das Eschentriebsterben sorgt für einen Totalausfall dieser Baumart, Sturm Burglind bescherte der Genossenschaft grosse Mengen Windfallholz und der Borkenkäfer bescherte ab Juli weitere Ausfälle, wobei die Region diesbezüglich wegen Gewitterniederschlägen noch glimpflich davongekommen sei. Aber andernorts hat der Käfer grosse Schäden verursacht. «Wir haben einen völlig überfüllten Nadelholzmarkt.» Die Lager an den Waldwegen wuchsen an. Aber auch hier haben die tropischen Wetterverhältnisse für weiteren Schaden gesorgt.

Und im neuen Jahr geht es in ähnlichem Stil weiter. Neue Borkenkäferschäden müssen erwartet werden. Bezeichnend ist das von Studer zitierte Schreiben eines grossen Abnehmers an die Genossenschaft anfangs April unter dem Titel «Neue Wege». Damit dieser neues Käferholz abnehmen kann, will er, dass die Waldbesitzer die letztjährigen im Wald lagernden Burglind- und Käferholzbestände zurückziehen und einer anderen Verwertung zuführen.

Überwachung aus der Luft?

Damit zumindest dem Käferholz-Problem einigermassen begegnet werden kann, schlägt der Geschäftsführer mehrere Massnahmen vor. Eine liess er kurzfristig von einer österreichischen Firma an der Versammlung im Gemeindehaus demonstrieren. Das Start-up hat sich auf das Monitoring des Borkenkäfers mit Flugkörper spezialisiert. Dieses brüstet sich mit dem «weltbesten» Einzelbaumerkennungs-System. Die Trefferquote bei der Fichte wird mit 93 Prozent angegeben. Dazu sind zwei Überflüge mit Drohne oder Flugzeug nötig.

Danach sind die Waldbesitzer gefragt. Denn die Käfer vermehren sich rasend schnell. Aus einem werden in der dritten Generation über 30 000 Käfer. Im letzten Jahr gab es teilweise gar eine vierte Generation. Diese haben überwintert und werden nun zuschlagen, so die Befürchtung. «Da kommt eine Lawine auf uns zu», sagt Meinrad Lüthi.

Die befallenen Bäume müssen sofort geholzt werden, ebenso die befallenen in der Nachbarschaft, wenn der Schaden klein gehalten werden soll. Bleibt die Frage, ob die Waldbesitzer weiterhin in Kleinarbeit das Monitoring des Borkenkäfers selber erledigen wollen? Das Monitoring durch den Start-up kostet 7.50 Franken pro Hektare. Die Waldbesitzer in der Genossenschaft haben insgesamt 12'400 Hektaren Mischwald.

Nasslager als Lösung?

Als weitere Massnahme schlägt Lüthi die Einrichtung eines Nasslagers vor. «Das haben wir letztes Jahr klar verpasst.» So hätten Lagerschäden vermieden werden können. «Hier vergammelt Holz am Wegrand und gleichzeitig kauft die Schweiz 6 Millionen Tonnen Holz im Ausland ein.» Mit dem Nasslager könnte im Notfall das geschlagene Holz länger konserviert und später, wenn es der Markt zulässt, zu einem besseren Preis verkauft werden.

Lüthi hat sieben Plätze in der Region sondiert. Als am geeignetsten hat sich ein Platz in Meinisberg erwiesen. Doch haben die Verhandlungen mit dem Landbesitzer noch keinen Erfolg gebracht. Das Nasslager müsste im Notfall, sprich bei einem grossen Borkenkäferbefall, sofort in Betrieb genommen werden. Der Wasserverbrauch wird auf 1200 Kubikmeter pro Tag geschätzt. «Natürlich würde das etwas kosten, aber weniger als der Wertverfall ohne Nasslager.»

Hilfe erhalten die bernischen Waldbesitzer zusätzlich vom Kanton Bern. Er unterstützt die Waldbesitzer mit 50 Franken pro Hektare, aber nur bei intensiver Überwachung (10 Franken) und bei einer 90-prozentigen Bekämpfung (40 Franken). Der Wald muss zudem einen Fichtenbestand von 60 Prozent aufweisen. In Solothurn sei man am Überlegen. «Befürchtet wird, dass Massnahmen zu einem tieferen Holzpreis führen», so Studer. Der Kanton beteilige sich aber an der Wiederaufforstung von betroffenen Wäldern. Zudem wird das Monitoring vom Kanton nach Aufwand vergütet. Deshalb ist Studer auch skeptisch, dass das Monitoring des Start-up zum Zug kommt. «Wir haben Mischwälder. Ein solches Überwachen macht Sinn bei reinen Fichtenwäldern. Für uns dürfte es zu teuer sein.»