Im Sommer 2016 gab die Wyss Samen und Pflanzen AG ihre Baumschule in den Drei Höfen auf. Hans Walter Müller (Leiter Bereich Detailhandel) erklärte damals, dass es «denkbar ist, das Areal an einen Gartenbetrieb zu vermieten. Es gibt zudem Interessenten für die Kulturflächen». Es dauerte nun aber mehr als zwei Jahre, bis sich konkret etwas auf dem rund 6 Hektaren grossen Areal in den Ortsteilen Heinrichswil und Hersiwil tut.

Auf dem «Chrützfeld» in Heinrichswil soll eine Weihnachtsbaumkultur angesiedelt werden. Betreiberin ist die Wyss Weihnachtsbaumkulturen GmbH aus Härkingen. Familie Wyss will nicht von Härkingen wegziehen, sondern vergrössern. Das Areal in Heinrichswil sei ideal dafür. «Es ist nicht einfach, Land zu finden, das wir für unseren Zweck nutzen können», erklärt Peter Wyss (Wyss Weihnachtsbaumkulturen GmbH). Da seine Firma Weihnachtsbäume in die Filialen von Wyss GartenHaus liefert, sei man auf das Land in den Drei Höfen aufmerksam geworden.

Passt zusammen

«Die Weihnachtsbäume in Härkingen werden ökologisch produziert, und der Betrieb würde gut zu uns passen», meint Müller. Er denkt dabei an Führungen durch die Weihnachtsbaumkultur oder an Kurse der Gartenakademie, die in Zusammenarbeit mit der Wyss Weihnachtsbaumkulturen GmbH durchgeführt werden könnten. Familie Wyss aus Härkingen sei zudem an einer langfristigen Pacht des Geländes interessiert. Das macht Sinn, denn bis ein Weihnachtsbaum geschlagen werden kann, muss er mindestens sechs Jahre lang wachsen.

Bis das Baugesuch publiziert werden konnte, war aber der Gang durch alle möglichen kantonalen Ämter angesagt. Ein Teil im «Chrützfeld» ist Gewerbezone, die Nutzung ist aber begrenzt und es ist nur «Gartenbau» zugelassen. Die ehemaligen Gewächshäuser und ein Teil der Ökonomiegebäude sind zurzeit vermietet. «Wir verlängern den Mietvertrag bewusst nur von Jahr zu Jahr, damit wir, falls wir eine Gesamtlösung für das Areal finden, schnell handeln können.»

Der grössere Teil des Areals der ehemaligen Baumschule der Wyss Samen und Pflanzen AG liegt aber in der Landwirtschaftszone. Das Landwirtschaftsland in den Drei Höfen ist zu einem schönen Teil drainiert. Ein Teil der Drainagen liegt auf dem Wyss-Areal. «Wir haben die Drainagen schon von mehreren Jahren von der Flurgenossenschaft übernommen und sorgen selbst für ihren Unterhalt», so Müller. Das Amt für Landwirtschaft wollte aber sicherstellen, dass die Drainagen erhalten bleiben und auch weiterhin unterhalten werden. Und das Amt für Raumplanung forderte ein Baugesuch für die Weihnachtsbaumkultur. «Für uns war das zu Beginn nicht ganz einsichtig», so Müller. «Die Nutzung verändert sich ja nicht. Auch wir haben vorher Bäume und Sträucher auf dem Areal gezogen.»

Durchmischte Kultur

Zwischenzeitlich wurden alle nötigen Unterlagen eingereicht. Dem Raumplanungsbericht ist zu entnehmen, dass die Wyss Weihnachtsbaumkulturen GmbH ihre Weihnachtsbäume, wie sie das auch in Härkingen macht, in naturnaher Umgebung kultivieren will. Dazu werden die Bäume nicht alle gleichzeitig geerntet, sondern immer wieder durch neu gepflanzte Tannen verjüngt. Somit entsteht nach einiger Zeit eine in Grösse und Alter der Bäume durchmischte Kultur. Diejenigen Bäume, welche die nutzbare Grösse übersteigen, werden gefällt und abtransportiert. Des Weiteren sollen Hochstammbäume gepflanzt und Ökoinseln mit Ast- und Steinhaufen sowie kleine Heckenelemente angelegt werden. Die Bewirtschaftung erfolgt grösstenteils manuell. Nur zum Pflanzen werde ein Pflanzlochbohrer verwendet und der Bodenbewuchs werde mit Freischneidern tief gehalten. Ein Teil des bestehenden Wegnetzes soll auch künftig genutzt werden, ebenso die Umzäunung.

Mit diesem Konzept könnten in sechs Jahren die ersten Weihnachtsbäume vermarktet werden. Der Absatz soll primär über die bestehenden Kunden der Wyss Weihnachtsbaumkulturen GmbH erfolgen. Auf der Gewerbefläche der Wyss Samen und Pflanzen AG könnten rund 10 Parkplätze für die Kundschaft zur Verfügung gestellt werden.

Strategische Überlegungen

Gegen das Baugesuch ist keine Einsprache eingetroffen, wie Brandon Miller (Gemeindepräsident Drei Höfe) erklärt. Auf Anfrage bestätigt er zudem, dass die Gemeindebehörden im Rahmen der laufenden Ortsplanung Überlegungen zum Gelände der Wyss Samen und Pflanzen AG machen. «Langfristig gesehen ist der Teil, der der Gewerbezone zugeordnet ist, wohl das einzige Gewerbeland, das wir in den Drei Höfen künftig nutzen können. Strategisch gesehen, könnte es deshalb Sinn machen, wenn die Gemeinde einen Teil dieses Landes kaufen würde.» Konkrete Gespräche seien allerdings noch keine geführt worden, so Miller deutlich.