Leberberg
Wegkreuze und Bildstöcke als stille Wegbegleiter

Rund um die Wallfahrtskirche in Oberdorf sind die alten Kirchwege noch schön zu sehen.

Rahel Meier
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Wegkreuz (aus dem Jahr 1607) in der Busleten auf dem alten Kirchweg zwischen Oberdorf und Lommiswil
17 Bilder
Wegkreuz aus Kalkstein mit der Inschrift «C.L. 1834» im Zentrum von Lommiswil
Wegkreuze im Leberberg
Wegkreuze beim östlichen Dorfeingang in Selzach (Bellacherstrasse), vermutlich ein Bruderschaftskreuz
Wegkreuz aus dem 19. Jahrhundert an der T5 in Selzach
Dieser Brunnen stand bis 1911 in Solothurn. Das Kreuz ist die Kopie eines Wegkreuzes, das bei der Schulbrücke stand
Wegkreuz bei der Kapelle in Altreu mit der Inschrift «GEMEING ALTTREVW 1743»
Steinkreuz an der Dorfstrasse in Bellach aus dem Jahr 1895 mit einem bronzenen Kruzifix
Bildstock (vermutlich 19. Jahrhundert) südlich des Stalenhofes aus Solothurner Kalkstein mit einem Kreuzaufsatz und einer vergitterten Bildnische
Pestkreuz im Geissloch (Heimlisbergwald), erstellt um 1613, 1981 saniert
Barocker Bildstock aus weissem Kalkstein (1773), oberhalb der Brücke am Sagwackerweg in langendorf Wegkreuze auf den historischen Verkehrswegen im Leberberg, Langendorf Nr. 2 im Zentrum
Bildstock aus Kalkstein (Sagackerweg Langendorf) mit einer Bildnische mit dem verblassenden Bild eines kreuztragenden Christus (spätes 19. Jahrhundert)
Bildhäuschen (Oberdorf) auf einem achteckigen Sockel, mit Halbwalmdach und einer vergitterten Bildnische.
Die Bildnische enthält an der Rückwand ein verblassendes Marienbild, das aus dem 19. oder evtl. frühen 20. Jahrhundert stammen dürfte.
Am Ortsrand von Oberdorf ein Bildstock mit Bildnische auf niedrigem Sockel. Er ist zur Wetterseite hin orientiert und enthält ein völlig verblasstes Bild
Bildstock beim Eingang zum Pfarr- und Kirchhof von Oberdorf, die Bildnische enthält ein Bild der Heiligen Urs und Viktor aus dem 18. Jahrhundert
Wegkreuz an der Kreuzung von Kirchgasse und Hälegärtlistrasse in Oberdorf

Wegkreuz (aus dem Jahr 1607) in der Busleten auf dem alten Kirchweg zwischen Oberdorf und Lommiswil

Hanspeter Bärtschi

Im Umkreis von Wallfahrtsorten – wie es Oberdorf war – sind entlang der historischen Verkehrswege viele Zeichen der früheren katholischen Volksfrömmigkeit zu finden. Jede Reise wurde so unter den Schutz Gottes gestellt. Es sind vor allem Kreuzsteine, Wegkreuze und Bildstöcke, die entlang der Wege zu finden sind. Sie markierten Abzweigungen und Kreuzungen, sowie teilweise auch Grenzen. Im Verlauf der Reformation wurden in den protestantischen Gebieten viele dieser religiösen Wegmarken beseitigt. In den katholischen Gegenden sind sie zu Bestandteilen der Kulturlandschaft geworden, die oft bis heute sichtbar sind. Waren die Wegkreuze früher noch aus Holz, wurden sie im Lauf der Jahre meist durch steinerne Kreuze ersetzt. Der grösste Teil der heutigen Wegkreuze stammt aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Kirchweg von Lommiswil her

Kirchgang und Marktfahrt waren wichtiger als Transit

Das Inventar der historischen Verkehrswege (IVS) wurde zum Schutz der historischen Verkehrswege in der Schweiz ins Leben gerufen. Das Herzstück ist das Bundesinventar, in dem alle Wege von nationaler Bedeutung erfasst sind, die noch sichtbare historische Wegsubstanz aufweisen. Für den Kanton Solothurn gibt es insgesamt 20 Einträge im IVS. Für die Erfassung der Wege von regionaler oder lokaler Bedeutung sind die Kantone zuständig. Der Kanton Solothurn hat diese Wege ebenfalls inventarisieren lassen. Die Verkehrswege lassen sich rund 2000 Jahre in die Römerzeit zurückverfolgen. Zu den Wegen gehören auch wegbegleitende Elementen wie Distanzsteine, Kapellen, Wegkreuze oder Gaststätten. So findet man im Inventar auch Informationen zu baulichen Elementen am Wegrand und Fotos der Objekte.
Der Kanton Solothurn ist verkehrsgeschichtlich stark von lokalen und regionalen Bezügen geprägt. Weite Teile des Kantonsgebietes hatten am Transitverkehr durch die heutige Schweiz hindurch keinen oder nur bescheidenen Anteil. Eine weitaus grössere Rolle spielten Bewirtschaftung, Kirchgang und Marktfahrt. Dementsprechend hatten Feld- und Forstwege, Mühlewege, Kirchwege und Marktwege eine viel grössere Bedeutung als die Landstrassen. Noch bis ins 19. Jahrhundert war die Verkehrsintensität bescheiden. Auf dem Land wurden vor allem die Fusswege oder im Jura Saumwege genützt. Dazu kommen schmale Fahrstrassen, Karr- und Forstwege. Viele dieser Wege sind heute verschwunden. Andere wurden ausgebaut. Auch heute noch unübersehbar sind die zahlreichen religiösen Wegbegleiter der katholischen Sakrallandschaft – Wegkreuze, Bildstöcke, Kapellen und Kirchen.

Quelle: Historische Verkehrswege im Kanton Solothurn

Von Oberdorf aus sind die alten Kirchwege teilweise dank Wegkreuzen heute noch sichtbar. Ein gutes Beispiel ist der alte Kirchweg von Lommiswil her, der über die Busleten führte. Er ist in Plänen aus dem 18. Jahrhundert ausdrücklich als «Lomiswyller Kirch weeg» bezeichnet. Es handelt sich dabei um einen mit Juramergel geschotterten Weg. Laut Inventar der historischen Verkehrswege (IVS) müssten zwei religiöse Wegbegleiter anzutreffen sein. Auffindbar ist aber nur noch der Bildstock nahe des Busletenhofes. Dieser stammt aus dem Jahr 1607. Er ist aus Findlingsgranit und besitzt eine grosse und ungewöhnlich flache Bildnische, die ursprünglich wohl vergittert war, wie einige Löcher zeigen. In Lommiswil selbst steht nahe der heutigen Haupt und Dorfstrasse ein Kalksteinkreuz mit der Inschrift «C.L. 1834».

Kreuze entlang der Hauptstrasse

Über das Bäriswil geht es in Richtung Selzach. Die Wegverbindung zwischen Selzach und Lommiswil wird um 1450 zum ersten Mal erwähnt. Im Bäriswil findet sich ein Wegkreuz, das nicht datiert ist. Im IVS sind die Angaben dazu widersprüchlich. Einmal ist die Rede davon, dass es «einige hundert Jahre alt ist» und bis 1926 etwas weiter nördlich, in der Weggabelung der Strassen Richtung Chänelmoos und Lommiswil stand. Die zweite Beschreibung, die zu finden ist, sagt, dass das Wegkreuz aufgrund der grobkantig ausgeführten Voluten, welche die Flanken seines Sockels bilden, aus dem späteren 17. oder dem 18. Jahrhundert stammen dürfte.

Im Dorf selbst stehen innerhalb von wenigen Metern gleich drei Wegkreuze. Eines von Bellach herkommend am Dorfeingang auf der rechten Strassenseite (Solothurnstrasse). Es dürfte aus dem 19. Jahrhundert stammen. Mehr ist im IVS nicht zu erfahren. Ein weiteres Wegkreuz findet sich auf der alten Leberbergstrasse (Bellacherstrasse) von Bellach herkommend beim östlichen Dorfeingang. Dieses ist bereits in Plänen aus den Jahren 1821/22 aufgeführt. Es dürfte sich dabei um ein Bruderschaftskreuz handeln, das einige hundert Jahre alt ist. Auf der Bettlacherstrasse am westlichen Dorfausgang ist ein Brunnen aus dem Jahr 1629 zu finden, der ein Kreuz als Brunnenstock trägt. Der Brunnen stand bis 1911 in Solothurn. Das Wegkreuz ist eine Kopie aus dem Jahr 1948 eines Kreuzes das ursprünglich bei der Schulbrücke stand. Weiter findet sich südöstlich der Kirche von Selzach ein Bildstock aus Kalkstein. Er ist mit 1605 datiert und wurde wohl an seinen heutigen Platz versetzt. Die Bildnische wurde erneuert und zeigt ein Brustbild Christi aus Bronze. Auch in Altreu steht ein Wegkreuz und zwar bei der Kapelle. Es trägt die Inschrift «Gemeing Altrevw 1743».

Pestkreuz im Heimlisbergwald

Mitten in Bellach steht, nahe bei der Dreifaltigkeitskapelle, entlang der alten Verbindung zwischen Solothurn und Biel ein Steinkreuz von 1895 mit einem bronzenen Kruzifix. Seit 1514 diente die Fusswegverbindung von Bellach nach Oberdorf auch als Kirchweg. Sie führte in zwei Ästen von Ober- und Niederbellach auf den Hubel und von dort in einem Weg vereinigt durch den Heimlisbergwald. Das Wegkreuz westlich des Hubels ist nicht mehr aufzufinden. Hingegen steht auf der Höhe des Geisslochs ein renovierter Bildstock. Er wurde in der Pestzeit um 1613 erstellt und 1981 renoviert. In den drei Bildnischen stehen Darstellungen des heiligen Rochus, des Schutzheiligen gegen die Pest, die von Cäsar Spiegel (Bildhauer aus Kestenholz, 1998 verstorben) ausgeführt wurden. Nach dem Neubau der Kirche in Oberdorf (1604) wurden auf dem dortigen Friedhof auch die Toten aus Bellach bestattet. Aus desem Grund dürfte der Kirchweg mit den beiden steilen Steigungen aufgegeben und weiter nach Osten über Gärisch verlegt worden sein. Erst im 19. Jahrhundert wurde der Bildstock südlich des Stalenhofes aufgestellt.

Ungewöhnliche Häufung

Seit 1375 diente ein Fussweg als Kirchweg zwischen Langendorf und Oberdorf. Dieser führte in etwa dem heutigen Sagackerweg nach. Deshalb sind dort auch mehrere Wegkreuze und Bildstöcke zu finden. Als Erstes ist ein barocker Bildstock aus weissem Kalkstein mit geschweiftem Stamm und vergitterter Bildnische mit verblassendem Muttergottesbild zu finden. Er ist mit einem Kreuz gekrönt und auf 1773 datiert. Vermutlich aus dem späten 19. Jahrhundert stammt der Bildstock kurz vor dem Ortsrand. Er ist aus Kalkstein. Auf seinem Hals steht eine grosse, vergitterte und mit einem Kreuz gekrönte Bildnische mit dem verblassenden Bild eines kreuztragenden Christus. Am Ortstrand von Oberdorf findet sich ein Bildhäuschen auf einem achteckigen Sockel, dessen steinernes Halbwalmdach mit einem Kreuz gekrönt ist. Seine vergitterte Bildnische enthält an der Rückwand ein verblassendes Marienbild. Nicht weit davon entfernt steht talwärts ein Bildstock mit grosser, vergitterter, mit einem Kreuz gekrönter Bildnische mit einem völlig verblassten Bild. Beim Eingang zum Pfarr- und Kirchhof von Oberdorf steht ein weiterer Bildstock. Seine vergitterte rechteckige Bildnische enthält ein Bild der Heiligen Urs und Viktor aus dem 18. Jahrhundert und ist mit einem kleinen Kreuz gekrönt.

Geoportal Kanton Solothurn https://geo.so.ch

Neubau der "Läbergergstrasse" 1836

Wer sich mit den historischen Verkehrswegen beschäftigt, stösst auch auf alte Ratsprotokolle in denen es um den Neubau der Strasse von Solothurn bis Biel, der heutige T5 geht. Diese Strasse wurde erst 1836 gebaut und 1839 eröffnet, nachdem die nordufrige Bielerseestrasse gebaut wurde. Denn «schon lange fühlte man die Notwendigkeit einer Korrektion der Läberbergstrasse, die in allen möglichen Krümmungen über Hügel auf 7, 10, 13 und 17 Prozent ansteigt.» Die neue Strasse sollte «in schnurgerader Richtung» geführt werden und zwar so, dass «die höchste Steigung und zwar nur auf eine Strecke von 995 Schuh (ein Schuh = rund 30 Zentimeter) beträgt nicht mehr als 2 Prozent, die Gesamtlänge der alten Strasse wird um 6219 Schuh, also über ein Drittel Bernstunde verkürzt, die Breite der Strasse sammt den erforderlichen Seitengräben und Abweissteinen auf 30 Schuh gesetzt, der daherigen Kosten für Fr. 137’400 voranschlagt.» Kaum eröffnet erhöhte sich auch die wöchentliche Frequenz auf der Strasse «itzt schon von 2 Güterwagen auf 6 bis 8 und von 120 Pferden auf 580 bis 600.»