Flughafen Grenchen

Wegen Pistenverlängerung: Droht Altreu Aberkennung als Storchendorf?

Das wird international anerkannt: Altreu ist das Zentrum für die Wiederansiedlung der Weissstörche in der Schweiz. (Archivbild)

Das wird international anerkannt: Altreu ist das Zentrum für die Wiederansiedlung der Weissstörche in der Schweiz. (Archivbild)

Die Gegner der Pistenverlängerung am Flughafen Grenchen erhalten Schützenhilfe: Wird die Piste in Richtung Osten ausgebaut, könnte Altreu seinen Titel als «Europäisches Storchendorf» verlieren, droht die Stiftung Euronatur.

Beim Zwist um die Pistenverlängerung am Flughafen Grenchen gibt niemand so schnell klein bei. Da sind die Betreiber, die eine Pistenverlängerung nach Osten wollen. Da sind aber auch Umweltverbände, Landwirte und von Überflügen betroffene Gemeinden. Sie wollen den Ausbau verhindern. Manche um jeden Preis. In Altreu warnen die Gegner gar vor dem Verlust jahrzehntelanger Arbeit: Werde die Piste in Richtung Osten verlängert, könnte der Selzacher Weiler sein Label als «Europäisches Storchendorf» verlieren.

Doch was ist dran an diesem Szenario? Offenbar einiges. Die Gemeinde Selzach hat dicke Post aus dem deutschen Radolfzell erhalten: Zum ersten Mal könnte einem der «Europäischen Storchendörfer» die Auszeichnung aberkannt werden, droht die Umwelt-Stiftung Euronatur. Gemeindepräsidentin Silvia Spycher bestätigt entsprechende Informationen gegenüber dieser Zeitung. Sie spricht von weitreichenden Konsequenzen. «Altreu lebt stark von diesem Label», sagt Spycher. Fliegt der Ort aus der Liste der Storchendörfer, verliere die Region auch einen ihrer touristischen Pluspunkte.

Nur ein Dorf pro Land

Seit 22 Jahren vergibt Euronatur die Auszeichnung als «Europäisches Storchendorf» – und zwar nur einem Dorf pro Land. Damit ein Ort zum «Storchendorf» werden kann, muss er die meisten Brutpaare eines Landes ausweisen. Oder der Bestand an Weissstörchen nimmt dort besonders stark zu. Zudem muss sich die Gemeinde für den Storchenschutz einsetzen.

«Ein grosser Teil der schweizerischen Storchen-Population wäre gefährdet», befürchtet Euronatur-Sprecherin Katharina Grund. Immerhin: Sollte die Flughafen-Piste tatsächlich verlängert werden, will Euronatur das «Storchendorf»-Label nicht automatisch entziehen. Die Stiftung will jedoch «genau beobachten», wie sich die Storchenpopulation dann entwickeln sollte.

Flughafen beschwichtigt

Der Kampf um die Pistenverlängerung ist auch ein Kampf um die richtigen Fakten. Die Überflughöhe von Altreu würde nach der Verlängerung weniger als hundert Meter betragen, heisst es bei den Gegnern. Flughafen-Direktor Ernest Oggier weist dies zurück. Beim Anflug bleibe alles gleich, sagt er. «Die Maschinen fliegen nicht tiefer neben Altreu durch wie heute.» Die maximale Anzahl der Überflüge werde gar reduziert. Und trotz Verlängerung würden sich die Überflüge nicht nach Osten verschieben. Deshalb ändert sich laut Oggier auch nichts an der Situation der Altriger Störche. Diese Darstellung bezeichnen die Gegner um das Komitee «Gegen die Osterweiterung» als «bewusst verzerrend».

Vieles ist noch mit dem Vorbehalt des Angeblichen behaftet, gesicherte Zahlen fehlen oft. Klarheit wird wohl erst nach den Gesprächsrunden mit den Interessengruppen herrschen. Der Solothurner Regierungsrat wird im Sommer entscheiden, ob er grünes Licht für ein Hauptverfahren zur Piste auf Bundesebene gibt.

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