Der Biohof Küttigkofen hat auf 80 Aren Acker 23 Tonnen Kartoffeln produziert. Dazu ging der Biohof, wie Biobäuerin Claudia Zimmermann-Hildebrand erläutert, mit der Agrargenossenschaft Fenaco, welche auch Coop und Migros mit Kartoffeln versorgt, einen Anbauvertrag ein. Angebaut wurde in Bio-Produktionsweise die Kartoffelsorte Erika. Laut Anbauvertrag mussten marktgerechte Kartoffeln geliefert werden. «Beim Sortieren dürfen nicht mehr als 20 Prozent der Kartoffeln einen Makel haben», erklärt dazu Claudia Zimmermann. Zu den Makeln gehören etwa Abweichungen in Masse und der Form, braune Flecken oder Verletzungen.

Eine Kartoffel vom Biohof Küttigkofen mit Schäden des Drahtwurms.

Eine Kartoffel vom Biohof Küttigkofen mit Schäden des Drahtwurms.

«Wir hatten einen sehr trockenen Sommer. Der Drahtwurm, das heisst die Larven, haben Kühle gesucht und Löcher in die Kartoffeln gegraben», beschreibt Biobauer Matthias Zimmermann das Horrorszenario, das auf seinem Kartoffelfeld eingetroffen ist. «Gegen den Drahtwurm gibt es im Bio-Anbau kein Mittel.» Nach der Lieferung an die Fenaco sei er telefonisch informiert worden, dass es nicht gut aussehe, die Kartoffeln hätten zu viele Mängel. «Ich sagte, sie sollen eine zweite Stichprobe nehmen, und sie erklärten, da sehe es eher noch schlechter aus.»

Gegen 50 Prozent Befall

Für die Stichprobe werden die Kartoffeln gewaschen und taxiert. Der Ausfall bei der ersten Stichprobe lag bei gegen 50 Prozent. Die Larven des Drahtwurms, deren kleine Löcher kaum zu sehen sind, hatten gewütet. Für Fenaco sei der Aufwand, die guten Kartoffeln zu erlesen, zu gross, erklärt Biobauer Zimmermann. «Aber dass man 50 und mehr Prozent gute Kartoffeln in diesem Posten hat und diese allenfalls den Kühen verfüttern muss, das fällt mir schwer nachzuvollziehen.»

Matthias Zimmermann könnte den Schaden bei einem Ausfallsfonds anmelden. Dann würde ein Kontrolleur den Schaden werten, die Kartoffeln färben, damit sie nicht doch in den Verkauf gelangen, und der Landwirt erhielte etwa 15 Prozent des Ausfalls ersetzt. Die Kartoffeln dürfte er dann noch den Tieren verfüttern.

Mit Ausfällen wird gerechnet

Kommt hinzu, dass laut Matthias Zimmermann in diesem Jahr überdurchschnittlich viele Bio-Kartoffeln auf dem Markt sind. Die Rede sei von 37 Prozent Mehrertrag im Vergleich zum 5-Jahres-Durchschnitt. «Normalerweise führt Krautfäule, die mit dem feuchten Wetter kommt, beim Bioanbau zu Ausfällen. Aber wegen des trockenen Wetters gab es deswegen keine Ausfälle.» Er glaubt aber dennoch nicht, dass seine von den Larven des Drahtwurms besuchten Bio-Kartoffeln im Mangelfall angenommen worden wären.

Die Kartoffeln lagern jetzt in einer Scheune, sind aber akut bedroht vom Frost. «Ein Nachbarbauer hat noch einen Raum, wo ich einen Teil lagern könnte.» Der Verlust der Kartoffelernte würde dem Betrieb nicht das Genick brechen. «Wir sind relativ breit aufgestellt und müssen jedes Jahr mit Ernteausfällen rechnen. Ausfälle gehören für uns Landwirte zum Alltag.» Im letzten Jahr beispielsweise habe es gar keine Kartoffeln gegeben. Im aktuellen Fall ärgere es ihn aber besonders, weil er auf 23 Tonnen essbaren Kartoffeln sitzt. Die von den Larven hinterlassenen Löcher können weggeschnitten werden. Das Produkt ist deshalb nicht ungeniessbar.

Nun hat sich aber für die Familie Zimmermann eine Türe aufgetan. Ihre Praktikantin, Priska Arnold, hatte die Idee, die Problematik rund um die zurückgewiesenen Kartoffeln auf Facebook zu posten. «Sie wollte nicht akzeptieren, dass die Kartoffeln nicht gebraucht werden können. Das hat eine riesengrosse Welle ausgelöst. Viele Menschen haben die Notiz auf Facebook gesehen, weitergeleitet oder kurzerhand Kartoffeln gekauft.»

Zu den Ladenöffnungszeiten des Biohofs (www.biohof-kuettigkofen.ch) können die 25-Kilo-Kartoffelsäcke abgeholt werden, dies zum fast gleichen Preis, wie die Zimmermanns von der Fenaco erhalten hätten. «Das hilft uns, den Schaden zu verringern.» Aktuell ist die Familie fieberhaft damit beschäftigt, die Kartoffeln selber zu sortieren.

Bereits hat der Biohof für 3 Tonnen Kartoffeln Abnehmer gefunden. «Die Anteilnahme, der Umstand, dass es den Leuten nicht einfach egal ist, das finde ich sehr beeindruckend», sagen sowohl Claudia als auch Matthias Zimmermann. «Es hat wirklich ein Umdenken stattgefunden, zumindest von einem Teil der Konsumenten.» Derweil gibt die Kartoffel-Sortiermaschine im Hintergrund lautstark den Takt vor. Möglichst viele Kartoffeln sollen Abnehmer finden.