Wasseramt
Wohncontainer als Lösung gegen Obdachlosigkeit? Das sagte die Gemeindepräsidienkonferenz dazu

Die Perspektive möchte Obdachlosen die Möglichkeit geben, in Wohncontainern Unterschlupf zu finden. «Housing first» heisst das Prinzip, das andernorts erfolgreich angewandt wird. Die Verantwortlichen haben das Projekt in der Wasserämter Gemeindepräsidienkonferenz vorgestellt.

Rahel Meier
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So könnten Wohncontainer für Obdachlose aussehen.

So könnten Wohncontainer für Obdachlose aussehen.

zvg/Perspektive

«Es gibt auch bei uns Leute, die durch alle Maschen fallen, wenn es ums Wohnen geht und die wir nicht unterbringen können.» Es sei zwar nur eine Handvoll, aber der Bedarf an alternativen Wohnformen sei da, erklärte Etienne Gasche an der Gemeindepräsidienkonferenz Wasseramt (GPKW). Gasche muss es wissen, er ist nicht nur Gemeindepräsident in Oekingen, sondern auch Leiter des Sozialdienstes Wasseramt. Er hat darum mit der Perspektive Kontakt aufgenommen.

Obdachlosigkeit gibt es auch in der Region

Die Perspektive hat sich des Themas angenommen und ist auf das Prinzip «Housing first» gekommen. «Es gibt immer wieder Klienten, die wir nicht in einem Wohnheim oder in einer Sozialwohnung unterbringen können», erklärte Karin Stoop (Geschäftsführerin). Obdachlosigkeit sei ein Randphänomen in der Region Solothurn, aber doch eine Realität.

Viele dieser Obdachlosen hätten ein Suchtproblem, psychische oder gesundheitliche Probleme - oder alles gleichzeitig. «Sie sind nicht in der Lage sich regelkonform zu verhalten und finden darum auch keinen fixen Platz zum Wohnen.» Das würden auch die Sozialregionen spüren, die Bedarf an niederschwelligem Wohnraum anmelden. Und weiter:

«Wir brauchen keine neue Notschlafstelle.»

Diese würde in Solothurn zu wenig ausgelastet und es gebe die Möglichkeit in Biel zu übernachten.

Viele Betroffene stabilisieren sich

Man gehe heute von einem neuen Ansatz aus. Dieser heisse: Zuerst biete man eine Wohnung, oder eben einen Wohncontainer, an und erst danach gehe man die weiteren Probleme eines obdachlosen Menschen an, erklärte Mario Straub (Sozialarbeiter Perspektive). So könne oft auch der Drogen - oder Alkoholkonsum stabilisiert werden. «‹Housing first› ist kein Allheilmittel, aber die Praxis zeigt, dass das Prinzip häufig gut funktioniert und sich die Situation der Betroffenen verbessert.»

Dringend gesucht: Ein Standort

Die nötigen Wohncontainer würden über eine Stiftung finanziert. Was noch fehle sei ein Ort, an dem ein solcher Container aufgestellt werden könnte. «Es braucht dort Wasser und Strom.». Stoop rief die Gemeinden dazu auf, sich zu melden, wenn ein Grundstück bekannt sei, dass in einer ersten Phase für ein Jahr genutzt werden könnte. Man suche dezentrale Standorte, die temporär genützt werden könnten.

Etienne Gasche betonte die Notwendigkeit des Pilotprojektes.

«Ich bin überzeugt vom Nutzen.»

Zwar werde zuerst etwas investiert. «Aber das Geld kommt später wieder zurück, wenn eine Person bis zu einem gewissen Punkt wieder integriert werden kann», erklärte er.

Buslinie Nr. 18 bleibt ein Thema

Die Einführung der Bus-Tangenziallinie von Gerlafingen bis Deitingen bleibt ein Thema im Wasseramt. 55'000 Franken pro Jahr müssten eingeschossen werden, um einen Testbetrieb zu finanzieren. «Wir Gemeinden dürfen das Geld nicht sprechen. Es muss explizit von privaten Sponsoren, also beispielsweise von Firmen kommen», erklärte Hardy Jäggi (Recherswil).

An der GPKW wurde beschlossen, das Thema auf der Agenda zu behalten, gleichzeitig aber auch in der laufenden Vernehmlassung zum Gesetz über den öffentlichen Verkehr Ideen einfliessen zu lassen, die einen Probebetrieb vereinfachen würden.