Verunreinigt

Wasser in Schnottwil weist zu viel Chlorothalonil auf – Gemeinde fordert Massnahmen vom Bund

Seit den 70er-Jahren wird Chlorothalonil in der Landwirtschaft eingesetzt.  (Symbolbild)

Seit den 70er-Jahren wird Chlorothalonil in der Landwirtschaft eingesetzt. (Symbolbild)

Die Gemeinde Schnottwil muss Chlorothalonil-Rückstände im Trinkwasser reduzieren. Mit den vom Bund vorgeschlagenen Massnahmen ist der Gemeinderat allerdings nicht einverstanden.

Der Gemeinderat hat Post von der Eidgenössischen Lebensmittelkommission erhalten. Wasserproben ergaben, dass die Chlorothalonil-Rückstände im Trinkwasser den zugelassenen Höchstwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter überschreiten. In zwei Monaten seien Massnahmen umzusetzen, um den Missstand zu beheben, in zwei Jahren soll die Gemeinde Schnottwil das Problem im Griff haben, heisst es im Schreiben der Kommission. Bis Ende Oktober ist eine Stellungnahme gefordert.

Der Gemeinderat verwirft die vorgeschlagenen Massnahmen. «Die Aufbereitung des Wassers ist keine Lösung», meinte Gemeindepräsident Stefan Schluep. Die Stilllegung der Fassung schon gar nicht, da keine Alternative vorhanden sei. Die Mischung mit Wasser von Nachbargemeinden sei eine Möglichkeit, die es noch genauer abzuklären gelte, führte Schluep weiter aus.

Der Gemeindepräsident kritisierte den kurzen Zeitraum, in der die Massnahmen umgesetzt werden sollen. «Müssen Änderungen an der Infrastruktur vorgenommen werden, ist diese Frist völlig unrealistisch», merkte er an. Zudem stellt er die Zuverlässigkeit der gemessenen Resultate infrage. «Es treten Messfehler von plus/minus 30 Prozent auf», bemängelte er. Und es gebe Schwankungen, weil Pflanzenschutzmittel mit diesem Wirkstoff nicht ganzjährlich ausgebracht würden.

«Der Bund soll das Gift verbieten»

Stefan Schluep findet es absurd, dass der Bund von den Gemeinden verlangt, die Rückstände zu eliminieren und dafür Geld für Anpassungen der Infrastruktur in die Hand zu nehmen. Doch derselbe Bund bringe es nicht fertig, den Wirkstoff zu verbieten, wie die EU dies bereits getan hat. Schluep fordert einen sofortigen Anwendungsstopp. Chlorothalonil wird seit vielen Jahren in diversen Pflanzenschutzmitteln eingesetzt. «Ob das Gift für die Menschen gefährlich ist, ist nicht erwiesen», sagte Schluep. Auch die Auswirkungen auf das Grundwasser seien unbekannt.

Die Hälfte des Budgets ist fremdbestimmt

Die erste Version des Budgets 2020 sah einen Aufwandüberschuss von 350'000 Franken vor. Nachdem der Finanzausschuss die einzelnen Budgetposten durchgekämmt hat, bleibt noch ein Verlust von 234'800 Franken. Die fremdbestimmten Kosten in den Bereichen Bildung und Soziale Sicherheit machen 48 Prozent der Ausgaben aus, zeigte Stefan Schluep auf. Erfreulich sei, dass der Beitrag aus dem Finanz- und Lastenausgleich um 70'500 Franken höher ausfällt als letztes Jahr. In diesem Jahr geplante Investitionen wurden teilweise verschoben. Somit belaufen sich die Nettoinvestitionen im nächsten Jahr auf 684'500 Franken. Ausgaben, die nicht vollständig aus Eigenmitteln finanziert werden können und eine Neuverschuldung nach sich ziehen.

Der Finanzplan für die nächsten vier Jahre sieht Nettoinvestitionen von rund 4,7 Mio. Franken vor. Damit würde die Nettoschuld von 856 Franken pro Kopf im Jahr 2020 bis in vier Jahren auf 3500 Franken ansteigen. Obwohl mit einem Wachstum der Bevölkerung von fünf bis zehn Einwohnern pro Jahr gerechnet wird, seien keine besseren Ergebnisse zu erwarten. «Ein Wachstum bringt nicht zwingend mehr Erfolg», stellte Schluep fest. Es freue ihn aber trotzdem, dass sich viele junge Familien in der Gemeinde niederlassen, auch wenn sich dies nicht auf das Ergebnis auswirkt. Schluep prognostizierte, dass der Steuerfuss von 130 Prozent bis zum Ende des Finanzplanes nicht angehoben werden müsse.

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