Drei Höfe

Was zwei Kunstschaffende unter «Wechseljahren» verstehen

Therese Rickenbacher (links) und Barbara Fluri mit dem vieldeutigen Ausstellungs-Titel «Wechseljahre».

Therese Rickenbacher (links) und Barbara Fluri mit dem vieldeutigen Ausstellungs-Titel «Wechseljahre».

Unter dem Motto «Wechseljahre» zeigen Barbara Fluri (Malerei, Zeichnungen) und Therese Rickenbacher (Malerei, Skulpturen, Zeichnungen) im NäijereHuus Hersiwil, in wie vielen Bereichen sie ihre Interessen teilen.

Die beiden Kunstschaffenden Barbara Fluri (Bolken) und Therese Rickenbacher (Langendorf) verstehen ihr Motto «Wechseljahre» in jeder möglichen Hinsicht. In erster Linie stehen die Wechsel der Lebensalter, der Jahreszeiten, dann der zyklische der Natur.

Mit ihrer gemeinsamen Liebe und Mitarbeit zum und am Sommertheater Selzach sind auch Rollenwechsel im Alltag gewissermassen analog, sodass es nicht erstaunt, dass die beiden Künstlerinnen die Einführung in die Vernissage in einem temperamentvollen Dialog selbst an die Hand nahmen.

Bekleidete Schaufensterpuppen

Mit diesem Hintergrund liegt es nahe, wenn Barbara Fluri in ihren figürlichen Arbeiten verschiedene Themen malerisch mit Kostümwechseln darstellt. Sie verwendet hiezu mit Vorliebe nicht menschliche Gestalten, sondern kopflose Schaufensterbüsten und thematisiert damit mit einer Dreiergruppe den Alterswechsel der Frau vom Mädchen bis zur Greisin. Neben dem profanen Kostümwechsel im Alltag sind einige Beispiele als konkrete Skizzen für die Rollenbekleidungen am Theater gedacht.

Zu diesen grossformatigen Arbeiten, Acryl auf Leinwand im Dachraum, zeigt Barbara Fluri auch Blumenbilder als Ausdruck ihrer grossen Liebe zur Natur. Ein Wechsel innerhalb eines Bildes hält fest, dass für die Künstlerin auch ein Neben-, Hinter- und Übereinander möglich ist. Im kleinen Nebenraum setzt sich die Reihe in kleinformatigen Aquarellen fort. Hier wechseln kaleidoskopartig auserlesene Blumen in den Jahreszeiten. Raum- und Garten-Szenen spielen auf Erinnerungen an.

Ringform inspiriert

In einem vielfältigen Themenkreis und mit Arbeiten in verschiedenen Techniken bewegt sich auch Therese Rickenbacher. Das formale Leitthema ist die Ringform, das bereits im Dachraum in ihrer ersten malerischen Ausstellung abgewandelt wird.

Diese Form symbolisiert für die Künstlerin das Markbein, den Knochen per se als Inbegriff von Kraft und Lebenszentrum. Im Untergeschoss wird diese Form installationsartig in verschiedenen rostbraunen Blechtechniken variiert. In die dritte Dimension gesteigert zeigt sie Therese Rickenbacher im Garten als imposante Skulptur. Einen Kontrapunkt setzt die Miniaturenreihe «Jeder trägt sein Köfferchen».

Ein weiterer Wechsel zu figürlichen Arbeiten überrascht den Besucher im kleinen letzten Raum. In einer Reihe von Aktzeichnungen befasst sich die vielseitige Künstlerin explizit mit der menschlichen Gestalt. Sowohl die Zeichnungen mit Grafit wie jene in Pastell auf Papier sind gerahmt. Letztere sind auf dunklem Grund weiss erhöht und von besonderem Reiz. Mit dem Thema Mensch befasst sich Therese Rickenbacher auch in ihren keramischen Arbeiten. Mit hohen schlanken Rauchbrandskulpturen werden ganze Szenen als letzte Reise dargestellt.

Bis 30. August, Wechseljahre, Barbara Fluri & Therese Rickenbacher, Näijere-Huus, Öffnungszeiten: Sa/So 14 –17, Mi 15–20 und Fr 18–21 Uhr

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