Wasseramt
Was tun wenn die Helfer selbst erkranken

Welche Belastungen entstehen durch familiäre Betreuungsaufgaben? Und wie können die Betreuenden unterstützt und entlastet werden? Im Wasseramt gehen Forscher nun genau diesen Fragen nach.

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Oft unterstützen Menschen ihre Verwandten mit grossem persönlichem Einsatz.Symbolbild/mgt

Oft unterstützen Menschen ihre Verwandten mit grossem persönlichem Einsatz.Symbolbild/mgt

SilviaJansen

Es ist eine Situation, wie sie in vielen Familien vorkommt: Herr Huber möchte seine 84-jährige Frau nicht in ein Pflegeheim geben, obwohl sie wegen ihrer Demenz zunehmend Pflege und Betreuung braucht. Er hatte vor Jahren versprochen, in guten wie in schlechten Tagen für sie da zu sein. Und dazu steht er auch heute noch.

Seine Tochter wohnt im selben Haus und bemerkt, wie ihr Vater zusehends an seine Grenzen kommt. Die Tochter übernimmt daher immer mehr Betreuungsaufgaben, vor allem für ihre pflegebedürftige Mutter, aber zunehmend auch für ihren Vater. Sie spürt, wie die stetige Betreuung der Eltern an ihren Kräften zehrt, und sie beginnt sich zu fragen, wie lange sie das noch durchhält.

Grosse Belastung für Familien

Hilfe für Betagte im Wasseramt

Das Ehepaar Emma und Heinrich Uehlein-Urben hat in einer letztwilligen Verfügung erklärt, es sei unter dem Namen «Jakob Urben Stiftung» eine Stiftung zu gründen. Diese soll den Zweck haben, Wohnraum sowie Pflege- und Begegnungsmöglichkeiten für Betagte zu schaffen und diesen kostengünstig zur Verfügung zu stellen. Ihre Einrichtungen sollen primär betagten Einzelpersonen und Ehepaaren der Gemeinden Kriegstetten, Halten, Oekingen und Drei Höfe zur Verfügung stehen. Wer ausserhalb dieser Gemeinden wohnt, kann nach Massgabe des verfügbaren Platzes berücksichtigt werden.

Daher rückt die Situation von Angehörigen, die Familienmitglieder betreuen oder pflegen, nur langsam ins gesellschaftliche und politische Bewusstsein. Oft unterstützten diese Menschen ihre Verwandten, Lebenspartner, Freunde und Nachbarn über Jahre hinweg und mit grossem persönlichem Einsatz.

Elsmarie Stricker vom Institut Alter der Berner Fachhochschule betont jedoch, dass die Betreuung nicht selten mit so hohen emotionalen, sozialen oder körperlichen Belastungen verbunden sei, dass die Helferinnen und Helfer dabei selbst erkranken können.

Regionales Altersleitbild

Die Gemeinden des Bezirks Wasseramt arbeiteten zusammen mit der Jakob Urben Stiftung ein regionales Altersleitbild aus. Dieses hat das Ziel, die Lebensqualität von älteren Menschen möglichst lange zu erhalten. Dies beinhaltet auch die Unterstützung von betreuenden oder pflegenden Angehörigen durch geeignete Angebote.

Um Bedarfslücken bei diesen Entlastungs- und Unterstützungsangeboten zu erheben, hat die Jakob Urben Stiftung nun das Institut Alter der Berner Fachhochschule mit einer Studie beauftragt.

In persönlichen Gesprächen haben Angehörige älterer pflegebedürftiger Menschen die Möglichkeit, ihre Erfahrungen und Bedürfnisse zu schildern. Was bedeutet diese Aufgabe für ihr eigenes Leben? Was würde ihnen helfen, um in belastenden Situationen durchhalten zu können? Wo brauchten sie Rat oder Informationen? Wichtig sei zudem die Frage, wo die Angehörigen bereits jetzt Hilfe finden und wie diese aussieht. (mgt)

Studie: Teilnehmer gesucht

Für die Studie der Berner Fachhochschule und der Jakob Urben Stiftung werden Personen aus dem Wasseramt gesucht, die über ihre Erfahrungen mit familiären Pflege- und Betreuungssituationen berichten. Die einstündigen Gespräche können an einem Ort nach Wahl durchgeführt werden. Interessierte Personen melden sich bei Elsmarie Stricker, Berner Fachhochschule, Telefon
031 848 46 31.