Es ist eine Situation, wie sie in vielen Familien vorkommt: Herr Huber möchte seine 84-jährige Frau nicht in ein Pflegeheim geben, obwohl sie wegen ihrer Demenz zunehmend Pflege und Betreuung braucht. Er hatte vor Jahren versprochen, in guten wie in schlechten Tagen für sie da zu sein. Und dazu steht er auch heute noch.

Seine Tochter wohnt im selben Haus und bemerkt, wie ihr Vater zusehends an seine Grenzen kommt. Die Tochter übernimmt daher immer mehr Betreuungsaufgaben, vor allem für ihre pflegebedürftige Mutter, aber zunehmend auch für ihren Vater. Sie spürt, wie die stetige Betreuung der Eltern an ihren Kräften zehrt, und sie beginnt sich zu fragen, wie lange sie das noch durchhält.

Grosse Belastung für Familien

Die meisten Menschen wünschen sich im Alter möglichst lange zu Hause, in der vertrauten Umgebung bleiben zu können. Und in vielen Fällen wird dieses Anliegen durch die Unterstützung innerhalb der Familie auch erfüllt. Vielerorts gilt dies als selbstverständliche familiäre Aufgabe, über die nur selten gesprochen wird.

Daher rückt die Situation von Angehörigen, die Familienmitglieder betreuen oder pflegen, nur langsam ins gesellschaftliche und politische Bewusstsein. Oft unterstützten diese Menschen ihre Verwandten, Lebenspartner, Freunde und Nachbarn über Jahre hinweg und mit grossem persönlichem Einsatz.

Elsmarie Stricker vom Institut Alter der Berner Fachhochschule betont jedoch, dass die Betreuung nicht selten mit so hohen emotionalen, sozialen oder körperlichen Belastungen verbunden sei, dass die Helferinnen und Helfer dabei selbst erkranken können.

Regionales Altersleitbild

Die Gemeinden des Bezirks Wasseramt arbeiteten zusammen mit der Jakob Urben Stiftung ein regionales Altersleitbild aus. Dieses hat das Ziel, die Lebensqualität von älteren Menschen möglichst lange zu erhalten. Dies beinhaltet auch die Unterstützung von betreuenden oder pflegenden Angehörigen durch geeignete Angebote.

Um Bedarfslücken bei diesen Entlastungs- und Unterstützungsangeboten zu erheben, hat die Jakob Urben Stiftung nun das Institut Alter der Berner Fachhochschule mit einer Studie beauftragt.

In persönlichen Gesprächen haben Angehörige älterer pflegebedürftiger Menschen die Möglichkeit, ihre Erfahrungen und Bedürfnisse zu schildern. Was bedeutet diese Aufgabe für ihr eigenes Leben? Was würde ihnen helfen, um in belastenden Situationen durchhalten zu können? Wo brauchten sie Rat oder Informationen? Wichtig sei zudem die Frage, wo die Angehörigen bereits jetzt Hilfe finden und wie diese aussieht. (mgt)