Flumenthal
Was die Vorfahren so alles hinterliessen

Die Baustelle in Flumenthal entlang der Aare bietet einige Tücken, was die richtige Entsorgung angeht.

Rahel Meier
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Die rote Farbe deutet auf mit Arsen belastetes Material hin. Didier Kreienbühl (ganz links, Vigier), Felix Hofer (Vigier) und Martin Moser (Amt für Umwelt) sehen sich die Bescherung an.

Die rote Farbe deutet auf mit Arsen belastetes Material hin. Didier Kreienbühl (ganz links, Vigier), Felix Hofer (Vigier) und Martin Moser (Amt für Umwelt) sehen sich die Bescherung an.

Oliver Menge

Mit der zweiten Juragewässerkorrektion und dem Bau des Flusskraftwerkes in Flumenthal, das 1970 in Betrieb genommen wurde, veränderte sich der Lauf der Aare und damit auch die Landschaft. Heute fliesst die Aare grösstenteils begradigt und in von Menschenhand erbauten Ufern, während sie sich früher dynamisch veränderte und auch oft über die Ufer trat und so Auen und Feuchtgebiete bildete.

Im August 2013 fand der offizielle Spatenstich für die neue Werkstrasse zwischen dem Kraftwerk und der ARA Flumenthal statt. Die Lastwagen, die ins Kieswerk Hobühl fahren, sollen künftig auf der Werkstrasse und nicht mehr durch die Quartiere der Gemeinde fahren. Verbunden mit dem Bau wird die Renaturierung der Aare auf einer Länge von rund 1,4 km. Damit soll ein Stück dieser ursprünglichen Natur wieder zurückkommen. Auf vier Hektaren sollen neue Stillgewässer und Trockenbiotope Platz finden.

Die Relationen: Einige Zahlen

Total Aushub für Strasse und Aufweitung Aareufer zirka 160 000 Kubikmeter (m3), davon:
- unverschmutzter Aushub zirka 145 000 m3 (wird weiterverwendet);
- schwach belasteter Aushub ca. 11 000 m3 (Ablagerung in der Inertstoffdeponie Attisholz);
- höher belasteter Aushub zirka 4000 m3 (wird je nach Zusammensetzung und Schwermetallgehalt in einer Reaktor-deponie abgelagert, in einer Bodenwaschanlage gereinigt oder per Schiff nach Holland in eine thermische
Bodenreinigungsanlage verbracht). (rm/mgt)

Baustelle sistiert, weil belastetes Material gefunden wurde

Im Oktober musste die Baustelle kurzzeitig sistiert werden, weil schadstoffbelastetes Material zum Vorschein kam. Das belastete Material dürfte vom Aushub des Kraftwerkes stammen und wurde wohl zur Aufschüttung des Terrains verwendet. Im Perimeter der neuen Werkstrasse sind zudem drei belastete Standorte bekannt. Es handelt sich um zwei Ablagerungs- und einen Betriebsstandort. Keiner der Standorte ist aber als sanierungsbedürftig klassifiziert und sie werden deshalb auch nicht speziell überwacht.

Rund zwei Wochen ruhte die Baustelle. In dieser Zeit wurde das aufgefundene Material analysiert. Teilweise ist es sehr stark verunreinigt. Darum wird zurzeit nur mit einem Bagger gearbeitet. Der Baggerführer wurde speziell geschult und muss eine ganze Reihe von Vorschriften beachten. «Die Entsorgung des belasteten Materials ist relativ teuer. Deshalb wird der Boden sehr sorgfältig abgetragen» so Felix Hofer (Unternehmensleiter Vigier Beton Mittelland). Ein Geologe ist täglich mindestens einmal vor Ort und bespricht mit dem Baggerführer genau, wo und wie viel Erde er wegbaggern soll. Das belastete Material wird auf dem Borregaard-Areal in einer Halle zwischengelagert. Dort wird es analysiert und danach getrennt nach den verschiedenen Kategorien entsorgt.

Problematisch ist, dass das verunreinigte Material im Voraus nur schlecht lokalisiert werden konnte. «Wir haben entlang der ganzen Strasse sogenannte Baggerschlitze gemacht und Proben genommen. Aber dabei haben wir nicht alle belasteten Stellen erfassen können», so Martin Moser (Amt für Umwelt). Das belastete Material findet sich vor allem in den obersten Erdschichten. Es wird vermutet, dass es sich um Abfälle der ehemaligen Cellulose-Fabrik Attisholz handelt. «Wir haben unter anderem Pyritabbrand, welcher mit Schwermetallen wie Kupfer, Blei, Zink und Arsen belastet ist, gefunden», so Moser.

Tatsächlich ist vor allem die Verunreinigung mit Arsen auf der Baustelle gut ablesbar. Rote Adern ziehen sich durch die Erdschichten, die freigelegt wurden. Je nach Schwermetallgehalt muss dieses Material nach Holland exportiert und dort thermisch behandelt werden, weil es in die höchste Belastungsstufe gehört. «Jedoch gehört nur ein sehr geringer Anteil des Aushubmatrials zur Kategorie, die verbrannt werden muss.»

Baumstämme weisen auf den Gebrauch von Lastschiffen hin

Daneben gibt es aber auch andere spezielle und nicht voraussehbare Funde. So kam eine ganze Reihe alter Baumstämme zum Vorschein. «Diese wurden früher dazu gebraucht, Fährschiffe anzubinden», weiss Felix Hofer. Nachdem das Terrain aufgeschüttet wurde, habe man die Stämme einfach stehen lassen, und so wurden sie konserviert. Sie werden wohl auch entsorgt oder teilweise in den Auenlandschaften genutzt, die zwischen Aare und neuer Strasse angelegt werden. Zudem soll in der Aare selbst wieder eine Kiesbank aufgeschüttet werden, um den Geschiebehaushalt des Flusses zu verbessern.