Zuchwil

«Was die Schüler mich lehren, ist ein hervorragender Schatz»

Die Kinder haben auch die Lehrerin viel gelehrt.

Die Kinder haben auch die Lehrerin viel gelehrt.

Monika Rubeli, Lehrerin in Zuchwil, geht nach 41 Jahren Unterricht in Pension.

Es ist die Ehrlichkeit der Kinder, die sie schätze, sagt Monika Rubeli bei einem Treffen im Schulhaus Unterfeld in Zuchwil. In der Aula ist eine Bühne aufgebaut, eine Insel mit einer Schatzkiste darauf, die Publikumsbestuhlung steht coronakonform bereit. «Die Schülerinnen und Schüler haben für ihre Eltern und Geschwister die Plätze bereits vorbereitet», kommentiert sie. Hier wird gearbeitet und geprobt, für den Abschluss der Primarschulzeit von 16 Schülerinnen und Schülern. Dafür hat sie ihre Pensionierung um ein halbes Jahr nach hinten verschoben. Denn es war ihr ein Anliegen, die Schülerinnen und Schüler bis zum Schluss zu begleiten.

Mit einem Theaterstück aufzuhören, das war nicht vorgesehen. «Es war die Idee eines Schülers, das Thema Glück in ein Theater zu packen», berichtet sie. Darauf hat sie ein Theaterstück geschrieben, mit dem Thema «Du bist der Kapitän/die Kapitänin deines Lebens». Das ist, was Rubeli ihren Schulkindern mitgegeben hat. Die Sicherheit und die erprobte Erfahrung, dass Lösungen selber gesucht und gefunden werden können. Was Rubeli mehrmals betont: Sie habe nicht nur viel gegeben, sie habe noch viel mehr erhalten. «Was die Kinder mich lehren, ist ein hervorragender Schatz. Inzwischen ist es eine volle Schatztruhe geworden», so Rubeli.

Die Zöglinge fit fürs Leben machen

Dankbarkeit und Respekt habe sie immer wieder in der Schulstunde zum Thema gemacht. Denn im Wesentlichen ginge es ihr darum, die Kinder fit zu machen für ihr Leben. Ihr Selbstwertgefühl zu stärken. Ihre zentrale Aufgabe sah Rubeli darin, die Kinder in der Frage zu unterstützen und begleiten: «Wo und wie kann ich meine Persönlichkeit entfalten, damit ich im Leben bestehen kann?»

In der Praxis bedeute das eine grosse Präsenz im Unterricht. «Ich sitze nie am Pult, habe das Material parat und beobachte die Kinder gut», so Rubeli. «Wir haben Kinder mit riesigen Problemen, mit tonnenschweren Steinen im Rucksack», weiss sie. Dort laute ihr Credo: Hinschauen und sich Zeit nehmen. Die Dinge nicht unter den Tisch kehren.

Sie wird die Kinder vermissen

«Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist manchmal nicht einfach gewesen. Doch geben die Eltern alle ihr Bestes», ist sie überzeugt, «die einen können mehr geben, die anderen weniger.» Umso wichtiger sei es, den Kindern Wertschätzung zu vermitteln und Vertrauen entgegenzubringen. «Ich zeige den Kindern, dass ich zu ihnen Vertrauen habe.» Das stärke die Beziehung. Und die sei ihr ganz wichtig. So sei denn die grösste Herausforderung ihrer Laufbahn die Coronakrise gewesen, in der sie für den Fernunterricht viel Zeit am Computer verbringen musste. «Ich habe keine Beziehung zum Computer, ich habe eine zu den Kindern.» Diese wird Rubeli zukünftig am meisten vermissen.

41 Jahre lang hat Monika Rubeli im Unterfeld unterrichtet. Zwanzig Jahre lang hat sie sich im Jobsharing mit ihrem Mann eine Stelle geteilt. Gleich um die Ecke wohnt sie mit ihrer Familie. «Seit 40 Jahren sind wir in diesem Quartier», präzisiert sie. Ob das manchmal nicht zu nah gewesen sei? «Ich würde es nicht anders wollen.» Privates und Beruf sind eng verwoben, und genau das sei für sie der Schlüssel für das Verständnis der Schüler gewesen.

Lehren und lernen ist für sie Lebensinhalt. So hat sie ihr Berufsleben lang Weiterbildungen besucht, in denen sie persönlich gelernt hat. «Ganz viel davon konnte ich in den Unterricht einfliessen lassen», berichtet sie. Vor drei Jahren war es dann die Weiterbildung Schulfach Glück, für das sie bis heute Feuer und Flamme ist. «Gefühle bestimmen das ganze Leben», sagt sie. «Wenn ich merke, dass ich meine Gefühle beeinflussen kann, fällt vieles leichter.»

Lehrtrainerin für das Schulfach Glück

Rubeli ist auf dem Weg zur Lehrtrainerin des Schulfaches Glück. In den laufenden Weiterbildungen hat sie einen lehrenden Part übernommen und zeigt für die Kursteilnehmenden Beispiele aus der Praxis. «Wir haben vor, diese Weiterbildung nach Solothurn zu holen», verrät sie. Von Ruhestand also keine Spur. Auch was ihre Hobbys angeht, bleibt Bewegung ein starkes Element in Rubelis Leben. «Ich bin schon länger daran, meinen Abschied von der Schule willkommen zu heissen.» Die Marathonläuferin will dann wieder mehr joggen, zeichnen und sich ihrem Hobby Line-Dance widmen.

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