Flumenthal

Was die Gräber mit den Glasurnen über die beiden Toten verraten

Die Glasurnen aus Flumenthal und eine Auswahl der Beigaben aus den beiden Brandgräbern.

Die Glasurnen aus Flumenthal und eine Auswahl der Beigaben aus den beiden Brandgräbern.

2013 und 2018 wurden 200 Meter südlich von Ausgrabungen einer römischen Villa zwei römische Brandgräber entdeckt. Wer war in der Scharlenmatte in Flumenthal begraben?

Grabungen in der Scharlenmatte in Flumenthal haben bedeutende Funde ans Tageslicht gebracht. In einem längeren Bericht werden sie im aktuellen Jahrbuch der Archäologie und Denkmalpflege, Kanton Solothurn, detailliert beschrieben. Wer waren die beiden Menschen, deren Asche in der Scharlenmatte bestattet wurde? Dort waren noch bis in die Neuzeit die Ruinen einer römischen Villa aus dieser Zeit sichtbar.

Erste dokumentierte Grabungen gab es 1754 und weitere im 19. Jahrhundert. Südlich des Gutshofes entsteht seit 2007 am Scharlenweg eine kleine Industriezone. Bauprojekte werden dort seither jeweils von der Kantonsarchäologie begleitet. 2013 und 2018 wurden 200 Meter südlich der römischen Villa zwei römische Brandgräber entdeckt.

Kremation auf dem Scheiterhaufen

Die Gräber von Flumenthal sind beide vom gleichen Typ: Beide sind Brandschüttungsgräber mit Urne. Bei diesem Typ wird der oder die Verstorbene auf einem gemeinschaftlichen Scheiterhaufen verbrannt. Nach der Kremation füllen die Hinterbliebenen die Knochenreste, den sogenannten Leichenbrand, in eine Urne. Diese wird in eine Grabgrube gestellt, und anschliessend wird die Grube mit den Resten der Asche des Scheiterhaufens, verbrannten Beigaben und Speiseresten – aufgefüllt.

Als Urne wurde in Flumenthal ein grosser gläserner Vorratskrug gewählt, und die Grabgruben waren möglicherweise mit Holz ausgekleidet und mit grösseren Steinen an der Oberfläche markiert. Bei den Toten handelte es sich wahrscheinlich um eine Frau und einen Mann. Als geschlechtsspezifische Beigaben passen die Perlen, die Nadelfragmente und der Armring aus Elfenbein gut zur anthropologischen Bestimmung einer weiblichen Person in Grab 1. Ebenfalls dem Klischee entsprechend wurden der Frau in Grab 1 mehr pflanzliche Speisen mitgegeben, während der Mann in Grab 2 wahrscheinlich mehr tierische Nahrungsmittel mit auf den Weg ins Jenseits bekam. Sowohl in der Urne als auch in der Grabgrube des Mannes dominieren klar die Schweineknochen. In der Urne fanden sich zudem zahlreiche Überreste von Schweinsfüsschen, die in römischer Zeit eine beliebte Delikatesse waren.

Bei den Beigaben fällt auf, dass in Grab 2 gut die doppelte Stückzahl an Fragmenten mit dem vierfachen Gewicht vorliegt. In Grab 2 lagen also nicht nur mehr Scherben vor, sondern sie waren auch in grösseren Fragmenten erhalten, als es in Grab 1 der Fall war. Das lässt sich zum Teil mit der niedrigeren Brenntemperatur des Scheiterhaufens von Grab 2 erklären: Glas und Buntmetall sind nicht so stark verschmolzen, die Keramik weniger stark zerscherbt. Deswegen sind auch mehr und vor allem grössere, schwerere Fragmente in die Grabgrube eingefüllt worden. Zum anderen sind tatsächlich auch mehr Gefässe in Grab 2 beigegeben worden.

Die Toten dürften eher vermögend gewesen sein

Bei zwei so reich ausgestatteten Gräbern liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei den Bestatteten nicht um einfache Bewohner, sondern um Angehörige der Besitzerfamilie des Gutshofes handelte. Die Ernährung der beiden Toten war eher einheimisch geprägt, obwohl sich viele importierte Objekte unter den Grabbeigaben befanden. Die Beigaben sprechen in beiden Fällen für eine Bestattung im frühen 2. Jahrhundert nach Christus.

Für diese Annahme sprechen die Münzenfunde. Die Münze von Grab 2 ist recht gut erhalten und kaum verbrannt. Es ist darum gut möglich, dass die Münze als einziges Objekt aus den beiden Gräbern erst nach dem Verbrennen beim Einfüllen der Grube ins Grab deponiert wurde und nur noch Restwärme des Brandschutts erfuhr. Die Münze gibt einen weiteren Anhaltspunkt für die Datierung des Grabes: Es handelt sich um einen As des Kaisers Vespasian, der zwischen 72 und 78 n. Chr. geprägt wurde. Da beide Verstorbenen relativ alt wurden, hatten sie sich wohl gekannt. Vielleicht waren sie verwandt oder sogar ein Ehepaar.

Bei der Untersuchung der Leichenbrände wurden auch Reste von anderen Individuen im Brandschutt von Grab 1 festgestellt. Es gab demnach noch weitere Tote, die auf dem gleichen Verbrennungsplatz kremiert und in der näheren Umgebung beigesetzt wurden. Wo der gemeinschaftliche Verbrennungsplatz mit dem Scheiterhaufen und wo die Gräber der anderen Bewohner des nahen Gutshofes lagen, ist jedoch nicht bekannt. In der Umgebung der beiden Gräber sind auf jeden Fall keine weiteren Bestattungen mehr vorhanden.

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