Schnottwil/Messen

«Was da so alles über den Tisch des Gemeindepräsidenten flattert»

Stefan Schluep, Schnottwil (links) und Bernhard Jöhr, Messen.

Stefan Schluep, Schnottwil (links) und Bernhard Jöhr, Messen.

Die Gemeindepräsidenten Stefan Schluep (Schnottwil) und Bernhard Jöhr (Messen) beantworten Fragen.

Was waren die prägendsten Erfahrungen in Ihrem neuen Amt?

Schluep: «Schon kurz nach Amtsantritt wurde mir die Verantwortung dieses Amtes so richtig bewusst. Es reicht nicht, sich nur mit dem eigenen Ressort und den damit verbundenen Aufgaben und Pflichten zu identifizieren und vertraut zu machen. Die Erwartungshaltung der Einwohnerinnen und Einwohner ist viel grösser. Eine transparente und offene Informationspolitik ist der Schlüssel zum Erfolg. Mit dieser gewinnt man das Vertrauen und den entsprechenden Rückhalt.»

Jöhr: «Es ist der enorme Einsatz der ehrenamtlichen Behördenmitglieder, namentlich der Mitglieder in den neu gebildeten Kommissionen. Diese haben nach kurzer Anlaufzeit in neuer Zusammensetzung und mit neuer Aufgabenzuteilung eine lösungsorientierte Arbeitskultur entwickelt und damit einen nahtlosen Übergang von der alten zur neuen Organisation sichergestellt.»

Was haben Sie nicht erwartet?

Schluep: «Den Arbeitsaufwand habe ich unterschätzt. Das vielschichtige, ressortübergreifende aber grundsätzlich sehr interessante Tagesgeschäft nimmt viel Zeit in Anspruch. Für viele Fragestellungen ist der Gemeindepräsident die erste Anlaufstelle. Der Gemeindepräsident als Vertrauensperson in politischen, gesellschaftlichen und sogar wirtschaftlichen Fragestellungen.»

Jöhr: «Was da so alles über den Tisch des Gemeindepräsidenten flattert. Wahrscheinlich haben die Absender der Informationsflut keine Ahnung, was einen ehrenamtlichen Gemeindepräsidenten einer Landgemeinde im Alltag umtreibt. Dementsprechend wandert sehr viel bedrucktes Papier meist ungelesen in den Abfall.»

Was konnten Sie in dieser kurzen Zeit in Ihrer Gemeinde bewirken?

Schluep: «Bei dieser Frage möchte ich nicht nur auf die Dauer der laufenden Amtsperiode zurückblicken. Die prägendsten und nachhaltigsten Geschäfte werden von langer Hand vorbereitet und bearbeitet. So steht Schnottwil nach langer und intensiver Arbeit kurz vor dem Abschluss der Ortsplanungsrevision. Ein spannendes und strategisch wichtiges Instrument für die Entwicklung der Gemeinde.»

Jöhr: «Die Messlatte, welche die Vorgängerin im Präsidium an den Service public gestellt hatte, konnte – auch nach der auf Beginn der neuen Legislatur in Kraft getretenen Strukturreform – erreicht und teilweise sogar übertroffen werden. Namentlich in der Bauverwaltung ist eine deutliche Steigerung der Effektivität und der Effizienz zu verzeichnen.»

Diese Fragen haben die Kandidaten einander gestellt:

Frage von Bernhard Jöhr an Stefan Schluep: Was hältst Du vom plötzlich aufflammenden Steuerwettbewerb unter den Gemeinden bei den Steuern für juristische Personen?

«Eine Steuersenkung kann wichtig für eine Gemeinde sein, aber nicht entscheidend. Denn in dieser Frage sind zudem folgende Aspekte zu berücksichtigen: Gibt es attraktives Industrie- und Gewerbeland? Was kostet eine allfällige Erschliessung? Die Vorteile von Schnottwil sind zum Beispiel: kurze Distanzen nach Bern, Lyss, Biel, Grenchen und Solothurn, dies entweder per Auto oder öV. Zudem wird aufgrund der Ortsplanungsrevision attraktives Bauland erhältlich.»

Frage von Stefan Schluep an Bernhard Jöhr: Wo siehst Du zukünftig die grössten Herausforderungen einer ländlichen Gemeinde?

«Vielerorts ist ein schleichender gesellschaftlicher Wandel im Gang, welcher zu einer Veränderung der Identität der Gemeinde führt. Die heutige Vielfalt an infrastrukturellen und kulturellen Einrichtungen droht teilweise zu verschwinden. Ein Beispiel ist das Lädelisterben. Was kann dagegen unternommen werden, und wie gelingt es zu verhindern, dass die Gemeinde zu einer Schlafgemeinde wird?»

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