Gerlafingen
Was bringen zwei Parlamentarier in Bern einem Dorf im Wasseramt?

Gleich zwei Parlamentarier aus Gerlafingen vertraten das Dorf vier Jahre im National- und im Ständerat in Bern. Was konnten Roberto Zanetti und Philipp Hadorn auf dem Bundesparkett für ihren Wohnort herausholen?

Christof Ramser
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Im Sommer besuchte Roberto Zanetti zusammen mit der Wirtschafts- und Abgabekommission des Ständerates und Bundesrätin Widmer-Schlumpf das Stahlwerk.

Im Sommer besuchte Roberto Zanetti zusammen mit der Wirtschafts- und Abgabekommission des Ständerates und Bundesrätin Widmer-Schlumpf das Stahlwerk.

Hansjoerg Sahli

Es kommt selten vor, dass eine mittelgrosse Schweizer Gemeinde mit zwei Bundesparlamentariern in Bern vertreten ist. Im Kanton Solothurn ist nur gerade die Zeit Ende der 1980er-, Anfang der 1990er-Jahre in Erinnerung, als für die Stadt Solothurn Ernst Leuenberger und Urs Scheidegger im Nationalrat sassen und Rosmarie Simmen gleichzeitig Ständerätin war.

In den vergangenen vier Jahren portierte nun Gerlafingen mit den Sozialdemokraten Roberto Zanetti und Philipp Hadorn einen Ständerat und einen Nationalrat gleichzeitig. Gemeindepräsident Peter Jordi (SP) frohlockte nach der Wahl. Es sei ein Erfolg für das Standortmarketing der Wasserämter Gemeinde.

Nun befasst sich die Bundesversammlung als oberste Gewalt im Staat mit Bundesgesetzen. Trotzdem zeichnet sowohl Hadorn wie Zanetti eine ausgeprägte Gerlafinger DNA aus. Nicht zuletzt, weil sie sich jahrelang auf kommunaler Ebene für das Dorf eingesetzt haben – Zanetti als Gemeindepräsident, Hadorn als Gemeinderat.

Kürzlich wurden die Bern-Fahrer am Dorffest gar als herausragende Köpfe gefeiert. Doch was haben sie auf dem Bundesparkett für ihren Wohnort herausgeholt?

«Für das Ansehen Gold wert»

«Nur weil wir einen Stände- und einen Nationalrat haben, ist niemand nach Gerlafingen gezügelt», sagt Peter Jordi. Trotzdem zieht er nach einer Legislatur eine positive Bilanz. «Natürlich hat sich in der Region herumgesprochen, dass zwei Bundesparlamentarier aus Gerlafingen kommen.»

Für das gebeutelte Ansehen Gerlafingens sei es Gold wert, wenn die «wohlgelittenen» Zanetti und Hadorn in den Medien präsent seien. Das Dorf werde als sympathischer Wohnort wahrgenommen.

Für Jordi, der sich seit Jahren für das Standortmarketing abrackert, sind es willkommene Botschafter. «Sie polieren das Dorfimage», ist er überzeugt. Schliesslich sei Gerlafingen noch immer ein Büezerdorf, zumindest aufgrund der Bevölkerungszusammensetzung. Und Zanetti wie Hadorn verstehen sich als ausgesprochene Büezer-Vertreter.

Für Stahlwerk geweibelt

Arbeiter findet man auch heute noch viele im Stahlwerk. Und tatsächlich hatte zumindest Roberto Zanetti damals als Gemeindepräsident und heute als Präsident der ständerätlichen Kommission für Wirtschaft und Abgaben den Industriebetrieb besonders im Auge.

Diesen Sommer hatte er die Kommission zusammen mit Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf durch das Werk geführt. «Die Existenz von Stahl Gerlafingen AG ist mit der politischen Karriere von Roberto Zanetti verbunden», sagt Stahlwerk-Sprecherin Linda Krenn. Der Geschäftsführer der Stahl Gerlafingen, Daniel Aebli, und Zanetti tauschen sich auch heute noch regelmässig aus.

«Erreichen konnten wir mit seiner Unterstützung verbesserte Rückerstattungsbedingungen in Zusammenhang mit der kostendeckenden Einspeisevergütung KEV ab diesem Jahr», sagt Krenn.

Neben Zanetti machte sich auch Ständerat Pirmin Bischof für den Solothurner Werkplatz stark. Aufgrund seines Antrags vergangene Woche wurde eine Industriesteuer für energieintensive Betriebe wie das Stahlwerk vom Ständerat abgelehnt.

Gar eine Schicksalsfrage?

Dass sich zwei Gerlafinger vier Jahre lang direkt im Bundeshaus einbringen konnten, hat der Gemeinde, zumindest in einem Fall, also vor allem als Werkplatz geholfen. Hinter dem Schicksal des Stahlwerks, sagt Gemeindepräsident Jordi, stehe nicht zuletzt auch das Schicksal Gerlafingens. Ein anderer konkreter und spürbarer Nutzen der Gerlafinger Parlamentsabordnung für das Dorf ist aber schwierig zu finden.

Umfrage in Gerlafingen

Kennen Sie Philipp Hadorn und Roberto Zanetti?

Charlotte Tschopp, 84, Rentnerin:
Ich kenne beide Herren, wenn auch nicht persönlich. Die Plakate sieht man ja überall. Sie werden ihre Sache in Bern schon recht gemacht haben. Wichtig ist das Auftreten der Politiker. Unsere Generation schaut eben noch stark auf das Äussere.

Mevlude Halimi, 27, Pflegeassistentin
Der Name Roberto Zanetti sagt mir etwas. Philipp Hadorn habe ich jedoch noch nie gehört. Ich weiss auch nicht, in welcher Partei die beiden sind. Ich werde im Herbst natürlich wählen, allerdings nicht nach dem Wohnort der Kandidaten. Wichtig ist, was sie vertreten.

Terry Siegenthaler, 44, Koch
Roberto Zanetti? War das nicht der Chef der Perspektive? Natürlich, wer kennt ihn nicht, der ist ja im Ständerat und oft in den Medien. Als Gerlafinger werde ich Zanetti natürlich wählen. Der Name Hadorn sagt mir irgendetwas. Ist der nicht auf den Wahlplakaten?

Antonia Viscek, 63, früpensionierte Sachbearbeiterin und Dolmetscherin
Ja sicher kenne ich die beiden. Die kommen aus Gerlafingen und sind im Parlament in Bern. Aber nur weil jemand aus Gerlafingen kommt, wähle ich ihn nicht. Zanetti hat sich aber schon als Gemeindepräsident stark für Gerlafingen eingesetzt. Ihn werde ich wählen.

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