Porträt
«Warum nicht Musik zum Beruf machen?»: Wie der Gerlafinger Cedric Moos vom Bäcker zum Musiker wurde

Cedric Moos aus Gerlafingen hat als Gitarrist und Komponist im letzten Jahr zwei Alben eingespielt.

Vanessa Simili
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Cedric Moos in seinem Probenraum.

Cedric Moos in seinem Probenraum.

Hanspeter Bärtschi

Cedric Moos’ Weg zum Gitarristen und Komponisten war ein langer. Heute lebt der Gerlafinger von der Musik: Der gelernte Bäcker/Konditor verdient sich als Gitarrenlehrer seine Brötchen. Der Jazz ist zu seiner Passion geworden.

Die Anfänge seiner Musikaffinität liegen weit zurück in seiner Kindheit. Cedric Moos (37) ist teils bei seinen Eltern in Gerlafingen und teils in Oekingen, bei seinen Grosseltern, aufgewachsen. Musik war stets präsent.

In den ersten Jahren in Gerlafingen prägte ihn indirekt die Musikervergangenheit seines Vaters, der in den 70er- und 80er-Jahren ebenfalls Berufsmusiker war. «Ich erinnere mich, dass wir ein Zimmer hatten mit seinen Musikinstrumenten. Saxofone, Querflöten etc.», erzählt er. Diese übten auf ihn eine Faszination aus.

Als Schüler verbrachte Moos viel Zeit bei seinen Grosseltern. «Mein erstes Instrument war das Akkordeon», so Moos. Er habe viel geübt; das Musikspiel war ihm wichtig.

Am Anfang standen die Beatles

Ausschlaggebend für seinen Werdegang als Berufsmusiker waren jedoch die Beatles, die er als Sekundarschüler entdeckte. Er tauchte gänzlich ein in die Musik der 60er- und 70er-Jahre, hörte Jimi Hendrix, Rolling Stones, Pink Floyd, Led Zeppelin.

Dann folgte seine Lehre als Bäcker/Konditor in der Bäckerei Rihs in Deitingen. «Ich war etwa 19 Jahre alt, als ich begann, Gitarrenstunden zu nehmen. Klassische Gitarre.» Das Spiel auf der E-Gitarre hat er sich später selbst beigebracht.

2004 gründete Moos mit Dust’n’Air seine erste Band und schrieb eigene Lieder. «Wir haben viel, viel geprobt und Gigs gespielt.» Bis dann wieder jemand aufhörte. «Ich war in keiner Musikszene, so war es damals für mich schwierig, immer wieder neue Musikerinnen und Musiker zu finden.» Das sei nun anders.

Durch seine Ausbildung in Basel, Winterthur und Luzern, durch viele Konzerte in der ganzen Schweiz, etwa mit der Lucerne Concert Band im KKL in Luzern, und im Ausland sei er gut vernetzt. «Heute habe ich eine Liste mit zehn Bassisten und wenn es darum geht, ein Konzert zu spielen oder eine Aufnahme zu machen, kann ich jemanden anrufen.»

2020 erschienen zwei Alben von Cedric Moos

Zum Modern Jazz, wie er ihn pflegt, ist er über Blues und lateinamerikanische Musik gekommen. Gitarristen wie Wes Montgomery, Kenny Burrell und Pat Metheny gehören unter anderem zu seinen Idolen.

Nach seiner Lehre arbeitete Moos in einem Lager, bevor er in der Stiftung Solodaris in Langendorf eine Stelle annahm. «Während dieser Zeit habe ich die Ausbildung zur Fachperson Betreuung absolviert.» Und während eines Konzerts an einem Heimfest – das müsse 2010 gewesen sein – fragte er sich, im Publikum stehend, warum es andere wagen, die Musik zum Beruf zu machen und er nicht. Die Initialzündung seines Daseins als Berufsmusiker war gegeben.

Kurz darauf begann er seine musikalische Ausbildung an der Jazzschule in Basel. «Dort lernte ich die Ästhetik des Jazz kennen und konnte vertiefen, was ich in Ansätzen schon gelernt hatte.» Im Sommer 2020 hat er mit einem Master sein Jazzstudium abgeschlossen.

Vor einigen Wochen sind gleich zwei Alben erschienen, mit Kompositionen aus Moos’ Feder: Unter seinem eigenen Namen das Jazzalbum «Fields of Light» – es ist seine dritte Studioproduktion als Jazzgitarrist – und «A Flash in the Pan» mit der Rock-Band Ocean Room. «Die Reichweite des Publikums ist eine grössere, wenn ich auch andere Genres pflege», erklärt er sein Engagement im Rock.

Mit seiner Musik sei es ähnlich wie in seinem ersten Beruf als Bäcker und Konditor. «Ob Kuchen oder Brot, beides kommt aus der gleichen Backstube. Am Schluss ist es Musik.» Verständlich auch für einen Laien.

Und die Sache mit dem Jazz sei wie mit einer Schwarzwäldertorte: Aufwändig gemacht und am Schluss stelle man sich statt der Kirsche oben drauf ein Stück Banane vor. Leicht irritierend, aber interessant und erfrischend. «Jazz zu spielen ist technisch anspruchsvoll, es braucht tägliche Übung. Gleichzeitig beinhaltet die Musik neben dem ständigen Ausloten der Grenzen, zum Beispiel bei den Harmonien, auch ganz viel Freiheit, die ich persönlich sehr schätze.»

Neue Aufnahmen mit neuen Musikern

Für die bevorstehenden Konzerte, an denen er seine neuen Stücke vor Publikum hätte spielen wollen, hat auch ihm die Coronapandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht. Als Gitarrenlehrer aber verdient er ausreichend, sodass die Krise für ihn nicht existenziell wird.

Cedric Moos hat etwas erreicht. Angekommen aber sei er noch lange nicht. Zu weit sei das musikalische Feld des Jazz. Zu reizvoll, sich immer wieder weiterzuentwickeln und Neuland zu begehen. Moos arbeitet bereits wieder an neuen Aufnahmen, auch in neuen Zusammensetzungen. Genaueres wird das noch junge Jahr zeigen.

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