Brunnenthal
Warnung vor grässlichen «Beziehungskillern»: das A-cappella Quartett «Urstimmen» verzauberte sein Publikum

Auf dem Zieglerhof war das Ensemble «Urstimmen» zu Gast. Mehr als zwei Stunden schmunzelte, lachte und reflektierte das Publikum über den mitreissenden Auftritt des A-cappella-Quartetts.

Gundi Klemm
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A-cappella Quartett Urstimmen

A-cappella Quartett Urstimmen

ZVG/Daniel Koller

Draussen herrschte garstiges Regenwetter. Drinnen im mit kräftigen Strohballen gepolsterten Tenn des Bauernhofs von André Ziegler in Messen-Brunnenthal entstand in enger Sitzordnung sofort eine wohltuend anheimelnde Atmosphäre.

In diesem Klima traf «Beziehungsweise» als Thema des abendlichen Gastspiels auf offene Ohren, Augen und Herzen. Die vierköpfige Schauspiel- und Gesangstruppe «Urstimmen» bestehend aus Tiziana Sarro, Rita Bänziger, Balz Aliesch und Daniel Koller bezauberte gleich von Anfang an mit einer liebenswürdigen Aufwärmphase ihr – so wörtlich – «geliebtes Publikum».

Mit Professionalität und Ideenreichtum schuf das Quartett ein Wortspiel-Feuerwerk, dessen Verbal-Tiraden leichtfüssig und fast wie improvisiert zufällig daherkamen. Eingebaut ins «sturzbachartig» verlaufende Programm «Beziehungsweise» waren inhaltlich passende einheimische Lieder und international bekannte Kompositionen, die von der Gruppe mit ihren stimmlichen Möglichkeiten orchesterartig begleitet wurden.

Vielleicht wäre hier eine kurz eingefügte Übersetzung der Texte für Nichtenglischsprachige im Publikum hilfreich gewesen. Der Beatles-Hit «All you need is love» ist gewiss jedermann geläufig und wurde auch kräftig mitgesungen, doch viele andere der tollen Songs hätten mit knapper sprachlicher Erläuterung noch mehr zum lustvollen Verständnis beigetragen.

Beziehungsnähe aufbauen

Mit einem Dia-Projektor zeigten und kommentierten die vier Protagonisten unterhaltsam ihre eigene familiäre Herkunft und Geschichte, unternahmen eine breit angelegte Begriffssammlung zu «Be-Ziehen», an die sie die nähere Betrachtung der vielfältigen Formen menschlicher Beziehungen anfügten.

Auch das gegenseitige Umarmen, das in Mode gekommene «Free Hug», gehörte zum Aufbau von Beziehungsnähe. Beispiele dieser Art verliefen aber keinesfalls akademisch ernst, sondern angefüllt mit amüsanten dynamischen Gags und köstlichen Albernheiten, auf die das Publikum glücklich reagierte.

Im Geflecht von Monogamie, Polygamie, der von «Urstimmen» erfundenen «Poly- und Makroamorie» als Zuwendung zu allem Lebendigen, ergründeten sie die Liebe innerhalb und ausserhalb der ungezählten Lebensmuster.

In ihrem humorvoll aufgezogenen «Beziehungs-Ratgeber» warnten sie vor grässlichen «Beziehungskillern». Schädlich sei, wie schon die Psychologie festhält, sein Gegenüber auf ein einseitiges Bild, eine Projektion, festzulegen, nur Äusserlichkeiten wahrnehmen zu wollen, sich in der Zweisamkeit stets in die Opferrolle zu manövrieren, sich immer wieder durch übersteigerte Erwartungshaltung enttäuschen zu lassen, jedes Mass in einer Art Besessenheit zu verlieren und schliesslich: wichtige Spielregeln der Kommunikation zu vernachlässigen.

Jede dieser «Stolperfallen» schmückte die Gruppe mit humorvoll-satirischen Beispielen aus dem Alltagsleben aus. Aber immer dann, wenn sie sich szenisch die Köpfe heissgeredet hatten, klärten sie die Lage in einer durchaus nachahmenswerten «Befindlichkeitsrunde».

Und danach würzten sie das Ganze mit irgendetwas Deftigem, wie etwa der Aktivierung des persönlichen Wurzelchakra oder der Sexualität in verschiedensten Lebenslagen. Liebe könne eben mit einer Fülle wunderbarer Zutaten gelebt werden. Aber ehrlicherweise gestand die Gruppe auch ein, dass es kein wirkliches Rezept für dauerhafte menschliche Beziehungen gebe.

Seit 11 Jahren auf Tournee

Das Kulturprojekt «Hof-Theater» entstand aus der Zusammenarbeit des Schweizerischen Bauernverbandes mit dem 2007 gegründeten gleichnamigen Verein. Seit elf Jahren tourt «Hoftheater» von Mai bis September durch die deutsche Schweiz. In diesem Jahr bringt es die Organisation auf 40 Vorstellungen mit der Gruppe «Urstimmen».

Ziel der Veranstaltungsreihe ist es, Bauernhöfe zu Schauplätzen zu machen, um öffentlich Leben und Arbeit in der Landwirtschaft bewusst zu machen. Mit acht Helfern und Familienangehörigen hatte Landwirt André Ziegler seinen Gästen ein kulturelles und gastronomisches Vergnügen bereitet.

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