Wie in vielen anderen Gemeinden wird in Feldbrunnen-St. Niklaus eine Ortsplanungsrevision durchgeführt. Diese gründet auf dem mit der Bevölkerung erarbeiteten Räumlichen Leitbild. Das Leitbild gibt die grossen Linien vor, beispielsweise in der Entwicklung der Bevölkerungszahl.

Aktuell zählt die Gemeinde 980 Einwohner. In der provisorischen Fassung des Leitbilds war die Rede von einem Anwachsen der Bevölkerung in den nächsten 15 Jahren auf 1200 Einwohner. In der Mitwirkung zum Räumlichen Leitbild wurde darauf gedrängt, nicht so stark zu wachsen wie in den letzten 20 Jahren. In der definitiven Fassung wurde konkret die Zahl auf 1150 Einwohnern reduziert. An der Gemeindeversammlung, an der das Leitbild angenommen wurde, sagte Gemeindepräsidentin Anita Panzer: «Nicht mehr allzu schnell wachsen und in den Quartieren nicht allzu stark verdichten», seien die wichtigsten Rückmeldungen gewesen.

Heute ergänzt sie: «Wir streben kein starkes Wachstum für Feldbrunnen an, weil wir insbesondere auch spüren, dass die Bevölkerung nach der Bautätigkeit der letzten Jahre etwas «bau- müde» geworden ist. Die hohe Lebensqualität im Dorf soll erhalten werden.»

Nur innere Verdichtung

Um 150 Zuzüger im Dorf «unterbringen» zu können, wurden im Räumlichen Leitbild unter anderem Einzonungen angeregt. Aber in der jetzt dem Kanton zur zweiten Vorprüfung vorgelegten Ortsplanungsrevision ist keine Neueinzonung mehr geplant. Theo Schnider, Präsident der Ortsplanungskommission erklärte im Gemeinderat: «Wir sind bei jedem möglichen Einzonungsversuch gescheitert.» Der Kanton hat die Einzonungsbegehren im Osten und Süden abgelehnt.

Die Gemeindepräsidentin ergänzte: «Ausweitungen des Siedlungsgebiets sind ja mit dem neuen Raumplanungsgesetz kaum mehr zugelassen. Ausserdem waren Argumente auch die Sicht, der Grüngürtel und die Schutzzonen.» Und: Im Westen habe der Landeigentümer einer Umzonung seiner Reservezone (Landwirtschaftszone) in Bauzone nicht zugestimmt, obwohl der Kanton dies zugelassen hätte. «Schade.»

Mit dem neuen Raumplanungsgesetz heisse das Gebot der Stunde Verdichtung nach innen, so Panzer. Man habe aber nur moderate Anpassungen vorgenommen, damit innerquartierlich kein «Dichtestress» aufkommt. Dazu gehören drei Punkte: geringe Erhöhung der Ausnützung in den Wohnzonen (5 Prozent in den Zonen W2 und W3), Aufhebung der Ausnützung in der Kernzone und Reduktion der Baulinien.

Spezielle Historie

Die innere Verdichtung ist in Feldbrunnen schon längere Zeit ein Thema, wie die Bauten im Südwesten und Süden zeigen. Dort dominieren in der W2-Zone fast nur dreistöckige Mehrfamilienhäuser. Das begründet Theo Schnider mit der besonderen Geschichte von Feldbrunnen. «Vor 30, 40 Jahren wurden Einfamilienhäuser auf grosse Grundstücke gebaut. Das führte zu einem Gefühl von grosszügigen Einfamilienhaus-Quartieren.» Auf diesen grossen Grundstücken könne man schon heute mit den geltenden Reglementen doppelt so viel und mehr hinstellen, «ohne dass wir mit der Ortsplanungsrevision einen Einfluss darauf haben».

Im Nordosten von Feldbrunnen prägen Einfamilienhäuser die Quartiere. Aber auch dort findet unweigerlich eine Veränderung statt, hin zu Mehrfamilienhäusern. «Wenn ein Grundstück mit Einfamilienhaus verkauft wird, entsteht aufgrund der hohen Quadratmeterpreise sehr schnell die Idee, dass man das Land besser auf mehrere Wohneinheiten aufteilt und Mehrfamilienhäuser erstellt», sagt Theo Schnider. Das wird aber von den Anwohnern nicht immer gern gesehen. Im Gebiet Steinenberg forderten Anwohner eine Planungszone, also ein befristetes Bauverbot, als ein Grundstückbesitzer die Villa mit einem 7-Familienblock ersetzen wollte. Der Gemeinderat stieg nicht darauf ein. Das Baugesuch widerspreche weder dem gültigen Zonenreglement noch der laufenden Ortsplanungsrevision.

«Ein Teufelskreis»

Aktuell läuft ein weiteres Baugesuch im Nordosten von Feldbrunnen. Dabei wird ein Haus mit mehreren Mehrfamilienhäusern ersetzt. Das Grundstück fällt durch seine Grösse von 5432 Quadratmetern auf. «Im Sinne der Ausnützung von stark unternutzten Grundstücken begrüssen wir das Baugesuch auf GB Nr. 76 sehr», erklärt dazu Anita Panzer. Trotz mehr Wohnungen mit den Neubauten, ist aber nicht davon auszugehen, dass Feldbrunnen von weniger betuchten Mitbürgerinnen und Mitbürgern überschwemmt wird.

Auf dem Grundstück 76 beispielsweise sind vier Mehrfamilienhäuser mit jeweils 3 Wohnungen vorgesehen. Zu jedem Block gehört eine eigene Einstellhalle. Das Auto wird per Lift in den Untergrund befördert. In der Anlage ist zudem ein Swimmingpool mit Poolhaus geplant. Diese Wohnungen werden teuer sein, eben Feldbrunnen-like.

Bauten mit günstigen Wohnungen seien schwierig zu realisieren, ist sich auch Theo Schnider bewusst. «Wir haben schon Projekte, aber diese scheitern meist am hohen Landpreis, das ist ein Teufelskreis.»