Urs Nyffeler ist sauer. Er öffnet einen Ordner und zeigt verschiedene Blätter, die seine «unendliche Geschichte» dokumentieren sollen. Unendlich lange dauert sein Frust über das Sozialamt zwar nicht. Doch seit über einem Jahr wartet Nyffeler vergeblich auf Unterlagen seiner Vormundschaft. Seit seine Frau vor einigen Jahren verstorben ist, kümmert er sich um ein Mündel aus Recherswil, verwaltet sein Einkommen und Vermögen.

Im Februar 2014 hatte er bei der Sozialregion Wasseramt Süd den erforderlichen Verlaufsbericht über seine Vormundschaft sowie den Rechnungsabschluss eingereicht. Die Dokumente werden verlangt, um die vormundschaftlichen Tätigkeiten zu überprüfen. Nach einigen Wochen schickt das Sozialamt die überprüften Unterlagen zurück.

So jedenfalls funktioniert es auf dem Sozialamt in Solothurn, wo Nyffeler ebenfalls ein Mandat betreut. «Dort erhalte ich die revidierten Unterlagen jeweils nach fünf Wochen zurück. Zuvor kriege ich eine Bestätigung, dass die Unterlagen eingetroffen sind.» Aus Gerlafingen, dem Standort der Sozialregion Wasseramt Süd, kamen jedoch weder eine Bestätigung noch Dokumente.

Mündel leide darunter

Nyffeler intervenierte bei der Sozialregion, schliesslich bei den Gemeindepräsidenten von Gerlafingen und Recherswil. Bis heute erfolglos. «So lange ich die Berichte und Rechnungen nicht zurückerhalte, kann ich die Steuererklärungen nicht einreichen.» Viel schlimmer sei aber, dass sein Mündel darunter leide. «Ist man noch bereit, solche Aufgaben wahrzunehmen, wenn auf dem Amt eine solche Schlamperei herrscht?»

Nyffeler, der sechs Jahre für die Freiheits-Partei und für die SVP im Kantonsrat sass, ist empört. Der 61-Jährige sagt, er akzeptiere die gesteigerten Anforderungen und bilde sich weiter. Doch er hat den Eindruck, dass seine soziale Tätigkeit amtlich behindert wird. Und er behauptet, auch andere Vormundschaften würden torpediert. «Ich bin kein Einzelfall.»

Altlasten abarbeiten

Etienne Gasche, Leiter der Sozialregion Wasseramt Süd, kann aufgrund des Persönlichkeitsschutzes keine Angaben zum konkreten Fall machen. Er wolle sich aber nicht verstecken und nichts schönreden: «Wir sind mit der Arbeit im Rückstand.» Dies betreffe mehrere Fälle. Grund sei unter anderem die im letzten Jahr aufgelöste Leistungsvereinbarung mit der Treuhandstelle. Darauf wurde eine neue Revisionsstelle gesucht. Und aufgrund eines schwerwiegenden Falls habe das Dossier nicht erste Priorität gehabt. Zudem habe man neue kantonale Auflagen erhalten. «Wir arbeiten die Altlasten derzeit ab.» Gasche gelobt Besserung: Die Fälle aus dem letzten Jahr bearbeite man wieder innert normaler Frist. Man sei bestrebt, dass die Unterlagen künftig wieder innerhalb von drei bis sechs Monaten revidiert werden.

Dass dem einen oder anderen die Lust vergeht, sich für schutzbedürftige Menschen zu engagieren, bezeichnet Gasche als denkbar schlecht. «Wir sind auf diese privaten Mandatsträger angewiesen.» Sollte es bei Vormundschaften Probleme geben, stehe er gerne für Auskünfte zur Verfügung.