Doppelbürgerin
«Vor allem mein amerikanisches Herz hat Mühe mit Trumps Wahl»

Bernita Bush ist Gospel-Sängerin und pensionierte Dentalhygienikerin. Für die amerikanisch-schweizerische Doppelbürgerin, die seit 36 Jahren in der Schweiz lebt, war es erschreckend, als sie von der Wahl Donald Trumps erfuhr.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Bernita Bush trinkt derzeit lieber Tee als Kaffee. Allerdings nicht wegen Trump.

Bernita Bush trinkt derzeit lieber Tee als Kaffee. Allerdings nicht wegen Trump.

Fränzi Rütti-Saner

Treffpunkt ist das «Lamm» in Lommiswil. Im Leberberg lebt die gebürtige Amerikanerin Bernita Bush (66) seit 1988. Sie fühle sich wohl am Jurasüdfuss, betont sie und nimmt einen Schluck Tee. «Vor zwei Tagen war ich krank. Ich muss jetzt viel trinken, denn Gospel-Konzerte stehen an».

Als sie vor 36 Jahren zum Arbeiten von Amerika in eine Zahnarztpraxis nach Grenchen kam, war das kein Kulturschock für sie. «Auch in meinem Heimatort Minneapolis, Minnesota lebte ich nicht mitten in der Grossstadt, sondern in einem Aussenbezirk, der einen kleinstädtischen Charakter hatte.»

Auf einen Kaffee mit...

Auf einen Kaffee mit...

Designer_Andrea - Fotolia

So habe sie sich von Anfang an in der Region sehr wohl gefühlt und nie irgendwelche Probleme gehabt. Obwohl sie zu Beginn noch kein Deutsch sprach. «Heute verstehe ich jeden Schweizer Dialekt», freut sich die amerikanisch-schweizerische Doppelbürgerin.

Und jetzt kommen wir zum Thema: Donald Trump. «Es ist erschreckend», sagt sie, «niemand hat diese Wahl erwartet. Ich auch nicht. Ich bin am Boden zerstört», und sagt aber: «Es ist vor allem mein amerikanisches Herz, das Mühe mit dieser Wahl hat. Ich lebe ja schon so lange in der Schweiz. Mein Kopf denkt ‹schweizerisch›. Zwar zahle ich in Amerika auch noch Steuern. Doch meine Heimat ist die Schweiz. Auch wenn ich meine prägenden ersten dreissig Jahre in Amerika lebte.»

Leben wie im Reality-TV

Sie stelle sich natürlich die Frage, warum dieser Millionär die Wahl schaffen konnte. «Sein persönliches Ziel war wohl immer, amerikanischer Präsident zu werden», sinniert sie. «Er ist ein Machtmensch.» Bernita Bush ist überzeugt, dass Trump fast instinktiv die Probleme anzusprechen weiss, welche die Leute beschäftigen und für die er einfache, unreflektierte Lösungen anbietet. Solche Leute wählten ihn: Die Waffenlobby, die Unzufriedenen. «Die Leute sahen in den vergangenen Jahren im TV immer wieder, wie er scheinbar erfolgreich war. Wie er trotz Konkursen immer noch reich ist – zu Lasten anderer natürlich. Er konnte ihnen wohl weismachen, dass in Amerika Unmögliches möglich ist – wie im Reality-TV.»

Die Zeit werde weisen, dass dann die Wähler, die diesen Versprechungen glaubten, leer ausgehen. Nicht «unschuldig» an Trumps Wahl seien auch die amerikanischen Medien. Viele seien manipuliert, vor allem von der republikanischen Partei. «Ich telefoniere oft mit meiner Familie in den USA; wir sind traditionell Demokraten. Es ist eine Katastrophe für sie. Insbesondere meine jüngere Schwester war als Wahlhelferin der Demokraten für Hillary Clinton am Klinkenputzen. Für Barack Obama hat sie das auch schon gemacht.»

Dass die Umfrageergebnisse diese Wahl nicht vorhersahen, dafür gibt es für Bernita Bush nur eine Erklärung: «Die Menschen sind nicht ehrlich, wenn man sie nach ihrer Wahl fragt.» Eine Tatsache, die man ja in der Schweiz auch schon zur Kenntnis nehmen musste. «Keine Ahnung, wie das weitergeht mit Trump», sagt Bush zur künftigen Politik des neugewählten Präsidenten. «Ich denke, dass er in seinen Ansichten schon gedrosselt wird. Alles kann er sich nicht erlauben.»

Barack Obama habe sehr viel Gutes für Amerika getan, das werde die Geschichte sicher später zeigen, ist Bush überzeugt. «Die Krankenversicherung für viele Leute und vor allem für alle Pensionierten; die Arbeitslosigkeit hat er stark gesenkt. Und er hat den Schwarzen Leuten viel Selbstwertgefühl gegeben.» Doch das scheinen viele Amerikaner heute bereits vergessen zu haben.

Leben mit Gospel

Bernita Bush, die heute noch als Referentin für Nachwuchs-Berufsleute gefragt ist – auch im Ausland –, hat seit ihrem AHV-Eintritt ihre Gesangeskarriere wieder intensiviert. «Ich habe wieder mehr Zeit zum Proben, Organisieren und Singen. Dabei kann es auch schon mal ein etwas grösseres Projekt sein», freut sie sich.

Erst in der Schweiz habe sie begonnen, mit ihrem Gesang öffentlich aufzutreten. «Zu Hause in Amerika sang ich einfach in der Kirche». Gospel gehörte ganz selbstverständlich zu ihrem Leben. «Es ist in der Regel die erste Art, wie Leute wie ich mit Musik in Verbindung kommen». Jedoch war es nie ihr Wunsch eine Vollprofi-Sängerin zu werden. Doch ist sie sich sicher: «Auch wenn ich in USA geblieben wäre, hätte ich weiter gesungen.»

Die Weihnachtszeit steht vor der Türe, die wichtigste Auftritts-Zeit von Bernita Bush. «Momentan probe ich mit meiner Band und Sängerinnen und Sängern aus Lommiswil, Langendorf und Selzach für ein Gospelkonzert an einem ökumenischen Gottesdienst am 20. November.» Und am 17. Dezember stehe ein Gospel-Konzert mit dem «Gospel-Quartett» in der Heiliggeistkirche in Bern auf dem Programm. Die Welt hat sich also für Bernita Bush trotz Trumps Wahl nicht verändert. Zum Glück!