Nach der Reformation, also vor mehr als 400 Jahren, wurde die damals bestehende Kapelle in Lüterkofen abgerissen. Der Dorfplatz, der heute noch «Kappeliplatz» genannt wird, erinnert noch an das Gebäude. Das Türmchen, das zur Kapelle gehörte, wurde erst 1863 abgebrochen. Die Glocke blieb erhalten und hängt heute in einem neuen Türmchen auf dem Schulhausdach. Der Wunsch, wieder eine Kirche im Dorf zu haben, blieb über die Jahrhunderte bestehen. Lange Jahre feierte man den Gottesdienst im Schulhaus und Abdankungen fanden draussen statt. Erst im Jahr 1970 wurde die Planung einer neuen Kirche in Lüterkofen an die Hand genommen.

Auch ein Saal fehlte

Architekt Antonio Schlup erinnert sich gut. Im Herbst 1973 fand eine Orientierungsversammlung im «Kreuz» statt, bei der es um den Kirchenneubau ging. Schlup wohnte gerade mal ein halbes Jahr im Dorf und besuchte die Zusammenkunft. «Nach der Vorstellung der Ideen wurde die Diskussion freigegeben. Und so stellte auch ich eine Frage.» Schlups Idee war es, nicht einfach nur eine Kirche zu bauen, sondern ein kirchliches Gebäude, das nicht nur für den Gottesdienst, sondern auch für ein Konzert oder eine Theatervorstellung genützt werden könnte. Denn nicht nur eine Kirche, auch ein Saal fehlte in Lüterkofen. «Ich machte mir damit nicht nur Freunde», erinnert sich Schlup zurück. Die Hauptverantwortlichen der Kirchgemeinde aber fanden die Idee gut. Und so wurde 1974 ein Wettbewerb ausgeschrieben, zu dem auch Antonio Schlup eingeladen wurde. Dass er gewann, erscheint heute schon fast als logische Folge.

Das Flachdach, das Schlup für den Bau vorsah, stiess aus verschiedenen Gründen auf grosses Misstrauen. Allerdings nur so lange, bis sich die Denkmalpflege dazu äusserte und der damalige Denkmalpfleger Gottfried Lörtscher, nach einer intensiven Auseinandersetzung und Besichtigung vor Ort, das Dach als machbar einstufte. «Man darf nicht vergessen, dass die Kirche in die Juraschutzzone zu stehen kam», erklärt Antonio Schlup. Der Bau selbst wurde aus Backstein, Holz und Glas erstellt. Materialien, die bewusst ausgewählt wurden, damit sich der Bau in die Landschaft einpasst. Auch der freistehende Glockenturm war für einige Bucheggberger gewöhnungsbedürftig.

Kostendach zementiert

Bevor der Auftrag effektiv an Architekt Schlup vergeben wurde, musste dieser noch beim damaligen Gemeindepräsidenten antraben. 736 000 Franken waren für den Neubau budgetiert. Die Verantwortlichen befürchteten, dass das Projekt die vorgegebenen Kosten übersteigen werde. Schliesslich war Schlup ein noch junger und unerfahrener Architekt und hatte noch nie eine Kirche gebaut. «Ich war aber vom Projekt überzeugt und wusste, dass wir das schaffen», so Schlup. Und so war es auch. Die Abrechnung lag knapp 5000 Franken unter Budget.

«Die Kirche wird heute wieder vermehrt als Mehrzweckraum genützt», erklärt Kirchgemeindepräsidentin Irene Isch-Hofer. Eine Musiklehrerin würde ihren Unterricht in der Kirche erteilen, es gebe Konzerte und auch die Schulen nützen den Raum ab und zu. Die Kirchgemeinde wiederum führt ihre Seniorenanlässe abwechselnd in der Pfarrscheune in Lüsslingen und in der Kirche in Lüterkofen durch.

Eines betont Irene Isch gerne: «Die Kirche wurde zwar in Lüterkofen gebaut. Der Bau wurde aber von der ganzen Kirchgemeinde unterstützt.» Die Kirche in Lüterkofen ist für alle Kirchgemeindemitglieder offen. Ebenso sind die Räumlichkeiten in Lüsslingen auch für die Lüterkofer jederzeit da. «Manchmal ist es ein Mehraufwand, alle unsere Räumlichkeiten zu verwalten und die Nutzung zu koordinieren. Aber noch können wir uns das, auch finanziell, leisten», freut sich Irene Isch.

Gottesdienst mit Festakt Sonntag, 12. November, 10 Uhr, Kirche Lüterkofen. Musikalische Umrahmung und Konzert mit Klavier, Klarinette und Orgel, Rollenspiel der Jungschar, Baugeschichte erzählt von Architekt Antonio Schlup. Anschliessend Apéro und Mittagessen in der Mehrzweckhalle mit Fotoausstellung.