Biberist
Vor 25 Jahren war diese Frau mit ihrem Blumenfeld noch eine Pionierin

Das Blumenfeld von Käthi Kaiser im Bleichenberg-Quartier ist weitherum bekannt. Sie startete den Betrieb, als man über einen solchen bäuerlichen Nebenerwerb noch lächelte, als Selbstbedienung auf dem Acker noch nicht verbreitet war - vor 25 Jahren.

Urs Byland
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Dieses Plakat steht seit 1992 beim Blumenfeld und wirbt für das Angebot von Käthi Kaiser
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Käthi Kaiser betreibt im Bleichenberg-Quartier in Biberist schon seit 25 Jahren ein Blumenfald
Das Blumenfeld von Käthi Kaiser in Biberist gibt es schon seit 25 Jahren
Käthi Kaiser hat die Spitze des Schnitzers abgebrochen, so wird er nicht geklaut
Aktuell sind vor allem Sonnenblumen schnittbereit
Käthi Kaiser im Sonnenblumenfeld
Das Sonnenblumenfeld gleicht einem Labyrinth
Neben den Blumen betreibt Käthi Kaiser ein Bed & Breakfast
Das Bed&Breakfast betreibt sie in ihrem Wohnhaus neben dem Blumenfeld

Dieses Plakat steht seit 1992 beim Blumenfeld und wirbt für das Angebot von Käthi Kaiser

Urs Byland

1987 konnte die Familie Kaiser den Bauernhof im Quartier aufgeben und in den neuen rund 400 Meter entfernten Burghof aussiedeln. «Das war immer
der Traum meines Mannes», berichtet Käthi Kaiser. Das Blumenfeld betreibt sie nicht auf einem Acker sonder der früheren Hostet des alten Bauernhofes. «Als ich im Oberen Brüggli servierte, kam eines Tages der ‹Erdbeerimaa› aus Selzach und berichtete, dass er erstmals Gladiolen anpflanzte und das sei doch auch etwas für mich.»

1989 setzte sie im November Tulpenzwiebeln ein. «1000 Stück. Es war bitterkalt. Das war mein Einstieg», berichtet die gebürtige Emmentalerin. Eine Schachtel als Kasse und ein Rüstmesser genügten. «Die Tulpen waren im Frühling 1990 schnell weg.» In der Zwischenzeit pflanzte sie Gladiolen, mehrjährige Blumen wie Lupinen und Sonnenblumen. «Ich habe viel ausprobiert und geschaut, was den Leuten gefällt und was nicht.»

Bald setzte sie 5000, dann 10 000, dann 15 000 Tulpenzwiebeln. Die daraus wachsenden Tulpen konnte sie nicht alle verkaufen. « Aber es muss nach etwas aussehen. Es muss einfach blühen, dann kommen die Leute.»

Dani Fohrler berichtete

«1992 drohte Schnee im Frühling. Ich wusste nicht, ob die Tulpen dies überstehen würden. Für 10 Franken wollte ich im damals neuen Radio 32 mitteilen, dass auf dem Bleichenberg Tulpen zu schneiden seien, ansonsten diese wegen dem Schnee zerstört werden könnten. Der Sender verzichtete auf das Geld und verlangte einzig ein Blumenbouquet und später ein Interview. Am Morgen wurde der Beitrag gesendet. Quasi in einer halben Stunde waren die Tulpen geschnitten.»

Im heissen Sommer kam dann Dani Fohrler und interviewte Käthi Kaiser. «Ich sehe heute noch den jungen milchgesichtigen Dani Fohrler mit seinen schulterlangen Haaren im Schatten einer grossen Sonneblume. Ein unvergessliches Bild. Es war extrem heiss. Fohrler schwitzte und schwitzte. Danach ging er schnurstracks nach Grenchen, um sich seine Haare schneiden zu lassen.»

1994 lernte sie, dass Schnee den Tulpen wenig schadet. Sie lag im Frühling mit einem offenen Bruch im Spital. Draussen schneite es immer wieder. Eine Krankenschwester und Nachbarin von ihr brachte ihr jeden Tag eine Tulpe ans Spitalbett. «Schau sie halten noch, sagte sie jeweils. Es stehen noch alle.»

Konkurrenz kommt auf

Ihr Blumenfeld wurde weitherum bekannt. «Ein Besamer aus Attiswil wurde auf mein Angebot aufmerksam. Als er bei uns war, sah er das Feld und erkundigte sich.» Käthi Kaiser gab ihm freimütig Ratschlag, wie er das Geschäft mit dem Blumenfeld aufziehen könnte. Auch andere Bauern versuchten sich. «Zuerst lachten sie mich aus. Das zahlt doch keiner, sagten sie. Und dann machten sie es mir nach. Aber nach zwei, drei Jahren merkten sie, dass man auch jäten muss und nicht nur das Kässeli leeren.»

Abgesprungene Kunden seien schnell wieder zu ihr zurück gekommen. Käthi Kaiser hat den Service immer weiter verbessert. «Ich legte Papier zum Einpacken hin oder habe ein grosses Plakat aufgestellt, das mein Nachbarskind, damals 1992 eine angehende Kindergärtnerin gestaltete.» Beim Blumenfeld wirbt das Plakat der Kindergärtnerin noch heute.

Für diese Saison pflanzte sie im letzten September 20 000 Tulpenzwiebeln. Früher machte sie die Arbeit von Hand und brauchte dazu beinahe eine Woche. Heute sind die Zwiebeln in zwei, drei Stunden in der Erde. Ende Mai hat sie das Tulpenfeld umgehackt und für die Sonnenblumen vorbereitet. Die Samen der alten Sonnenblumen geben im kommenden Jahr die neuen. «Dann warte ich und schaue, was wächst. Heuer wuchsen sie mit dem Regen schnell und die Schnecken waren mit dem Fressen zu langsam. Zudem säe ich meistens noch andere, ganz frühe Sonnenblumen. Die überlass ich den Schnecken, damit die anderen wachsen können.»

Aktuell stehen auf dem Blumenfeld die Sonnenblumen in voller Blüte. Eigentlich hätten sie nur rund 1,2 Meter hoch werden sollen und nicht drei Meter. «Heuer ist es extrem. Das Sonnenblumenfeld ist ein Labyrinth.»

Kritik der Floristen

Gästehaus Käthi-Kaiser

Eigentlich meldete sich Käthi Kaiser, um in der Serie «Bed & Breakfast» dabei zu sein. In ihrem Gäste-Haus Käthi Kaiser können Zimmer gemietet werden. Angeboten werden ein Doppelzimmer mit separater Dusche/WC und zwei Einzelzimmer mit Gemeinschafts-Dusche/WC. Vom Doppelzimmer aus hat man einen Überblick über das Blumenfeld mit den riesigen Sonnenblumen.

Sie halte es einfach. Am Abend pflücke sie die Blumen, die vollreif sind, säubere diese kurz, nehme etwas Grünes hinzu, binde die Blumen zusammen und stelle sie in Gurkengläser bereit. «Das hält drei, vier Tage. Für einen Fünfliber.»

Blumen spenden ihr Kraft

Nicht alle zahlen die Blumen korrekt, aber das kümmert Käthi Kaiser wenig. «Die, die nicht zahlen, haben ein schlechtes Gewissen, nicht ich.» Die Kasse hatte noch ihr Mann zu Beginn in einem Fass einbetoniert. «Dafür habe ich Geld investiert und nicht einfach eine Blechkasse für 5 Franken hingestellt.» Es gab Versuche, die Kasse aufzubrechen, aber ohne Erfolg.

Den Verleider habe sie mit ihren Blumen nie verspürt. «Sie gaben mir viel Kraft.» Sie erinnert sich an die Zeit der schweren Krankheit ihres Mannes, der vor 15 Jahren starb. «Da ging ich oft am Abend zu den Blumen und konnte wieder Kraft tanken. Auch wenn ich den ‹Läckmer› habe, gehe ich ins Blumenfeld und erhole mich beim Blätter zupfen.»

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