Subingen-Aeschi
Von Strassburg nach Subingen: Wie war der erste Monat als Pfarrerin, Frau Garruchet?

Bis vor kurzem arbeitete der als «Drogen-Pfarrer» bekannt gewordene Pfarrer A.W. im Pfarrkreis Subingen-Aeschi. Seit dem 1. August ist Monika Garruchet die neue Pfarrerin. Sie ist aus Strassbourg hergezogen.

Agnes Portmann-Leupi
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Monika Garruchet hält die Türen des Pfarrhauses für alle weit offen.

Monika Garruchet hält die Türen des Pfarrhauses für alle weit offen.

Agnes Portmann-Leupi

Die Schweiz gefiel Monika Garruchet schon immer, das Land genoss sie bisher jedoch nur in den Ferien. Seit dem 1. August ist sie nun die neue Pfarrerin vom Pfarrkreis Subingen-Aeschi. Zusammen mit ihrem aus dem Burgund stammenden Ehemann und dem 15-jährigen Sohn ist sie von Strassburg ins Wasseramt gezogen, während die drei erwachsenen Töchter im Elsass blieben.

Aufgewachsen ist Monika Garruchet im Schwarzwald. Der Liebe wegen zog es sie einstmals nach Strassburg, wo sie mittlerweile 20 Jahre als Pfarrerin amtete. Eine Neuausrichtung wurde nötig, weil dort die Amtsdauer auf ein- und derselben Pfarrstelle auf 16 Jahre beschränkt ist. Pulsierende elsässische Hauptstadt versus ländliches Subingen. «Diese Entscheidung ist unter dem Aspekt ‹Aufbrechen zu neuen Ufern› entstanden», erzählt die 52-Jährige.

Nicht nur Schulnoten wichtig

«Ich fühle mich hier sehr willkommen», sagt sie. Sie habe den Eindruck, dass der reformierte Pfarrkreis sich wünscht, neue Brücken zwischen Kirche und Dorf, zwischen Menschsein und Christsein zu schlagen.

Pfarrerin Garruchet freut sich auf ihre Aufgabe, nämlich an den entscheidenden Stellen des Lebens dabei zu sein: Taufe, Konfirmation, Hochzeit, Beerdigung sowie die Menschen in Krankheit und Trauer zu begleiten. «Die Leute müssen wissen, dass sie ins Pfarrhaus kommen dürfen und dass ihnen jemand zuhört», sagt sie. «Das ist in unserer Welt etwas Kostbares.» Sie hoffe auf einen offenen Dialog und dass ihr die Leute diejenigen Fragen stellen, die sie auch wirklich beschäftigen.

Religionsunterricht nimmt bei der Pfarrerin einen wichtigen Platz ein. Die Kinder müssten erfahren, dass im Leben nicht nur Noten und Wissen wichtig sind, sondern auch Herz und Mensch. Dass die Ökumene gelebt wird, ist für sie selbstverständlich. Ihr Studium absolvierte sie im württembergischen Tübingen und in Münster/Westfahlen, teilweise auch an der katholisch-theologischen Fakultät.

Nur noch das Fahrrad fehlt

Viele Leute seien der Meinung, die Kirche sei von gestern, stelle sie fest. Modernität schliesse aber Gläubigsein nicht aus. «Die biblischen Texte sind sehr aktuell und keineswegs verstaubt, in ihnen liegt eine grosse Kraft», betont Monika Garruchet, und sie freut sich, diese wieder in ihrer Muttersprache lesen zu dürfen.

Auf ihren unter dem Namen «Drogen-Pfarrer» bekannt gewordenen Vorgänger angesprochen, äussert sie sich lobend über die Gemeinde: «Niemand spricht im Bösen über ihn, das finde ich sehr schön.»

Dass nun in der Pfarrgemeinde mit der offenen, kontaktfreudigen und herzlichen Frau wieder Normalität einkehrt, ist unschwer nachzuvollziehen. Hell begeistert zeigt sich die neue Pfarrerin von der Landschaft und den Leuten im Wasseramt. «Mir fehlt nur noch das Fahrrad», sagt sie lachend.

Damit will sie nämlich ihren Pfarrkreis Subingen-Aeschi mit den Gemeinden Bolken, Drei Höfe, Etziken und Horriwil bis in den hintersten Winkel kennen lernen. Die definitive Pfarrwahl findet dann im Juli 2017 statt.