Eine der vielen Mieterinnen im geschichtsträchtigen Emmenhof-Gebäude in Derendingen ist die gerade gestartete Firma Colti GmbH. Im Gebäude wurden schon Baumwollgarn produziert, später Mädchen Fabrikarbeit und Hauswirtschaft beigebracht und bis 1973 Teigwaren hergestellt. Die zwei Gründer der Firma, Sabrina Coppe und Pascal Wälti (Co-lti), knüpfen an die Tradition der Nahrungsmittelproduktion an. Sie setzen auf Haferbrei oder, internationaler, Porridge, den sie auf der anderen Seite der Erdkugel kennen- und schätzen gelernt haben.

Ihre fantastisch anmutende Geschichte, was es braucht, ein Start-up zu gründen, würden Fremde vielleicht mit typisch schweizerisch umschreiben – wagemutig und innovativ. Die 27-jährige Sabrina Coppe arbeitete sieben Jahre als Bankangestellte und Pascal Wälti ist mit seinen 28 Jahren bereits seit elf Jahre im Sozialversicherungswesen unterwegs. Längst Zeit also, finden sie, auch mal etwas anderes zu erleben. Im Frühjahr 2018 nehmen sich die beiden eine dreimonatige Auszeit.

Porridge, Porridge, Porridge ...

Eigentlich beginnt die Geschichte schon viel früher – in Diskussionen über die Selbstständigkeit. Die von ihnen immer wieder gewälzten Gedanken sollten sich plötzlich auf dieser Weltreise konkretisieren. «Wir reisten in Neuseeland und Australien und assen zufälligerweise immer wieder Porridge. Das stand dort praktisch jeden Tag auf unserem Speisezettel, sei es als Snack oder als schnell gekochte Mahlzeit», erzählt Sabrina Coppe, deren Vater aus Venedig stammt. «Wir waren viel mit dem Auto unterwegs, haben halt eine geeignete Zwischenmahlzeit gesucht und Porridge gefunden», erklärt Wälti seine Sicht der Dinge. «Plötzlich begann es in unseren Köpfen zu rotieren. Warum nicht etwas wagen, etwas Neues ausprobieren», beschreibt sie. Der dort sehr zuckerhaltige Snack hat sie auf die Idee gebracht, das Produkt in der Schweiz anzubieten. «Das ist totales Neuland für uns», erzählt Coppe, «obwohl ich auch Betriebswirtschaft studiert habe mit dem Ziel, mal etwas auszuprobieren. Aber eher beispielsweise in der Finanzbranche und nicht in der Nahrungsmittelindustrie.»

Vieles sei «learning by doing», findet ihr Geschäfts- und Lebenspartner. Sie begannen, neben ihren Anstellungen diese Idee zu verwirklichen. «Irgend einmal merkten wir, dass es mit einer 100-Prozent-Anstellung nicht mehr geht, nebenbei ein Start-up umzusetzen», erzählt sie. Es stecke viel mehr Arbeit dahinter, als sie gedacht habe, gerade mit den Zertifizierungen. «Das pure Porridge ist Bio-Suisse zertifiziert. Und alle haben das EU-Bio-Zertifikat und sind auch für die vegane Küche zertifiziert.» Ihre verrückte Geschichte spielt auch bei der Gestaltung der Beutel eine Rolle. Zu sehen sind die beiden als Comicfiguren auf einer Vespa mit Seitenwagen durch eine tropische Welt sausend.

Rezepturen ausprobiert

Die Bio-Vollkornhaferflocken kommen aus einer Schweizer Mühle und werden nach einer speziellen Rezeptur gemischt. Die Früchte beziehen sie über einen europäischen Lieferanten von Kleinbauern aus der ganzen Welt. Es sei eine intensive Zeit gewesen, seit ihrer Weltreise. «Wir waren Tag und Nacht dran, die verschiedenen Komponenten für unser Produkt zu finden.» Sie habe beispielsweise von über 40 Lieferanten im In- und Ausland Früchte bezogen und in der Küche Rezepturen ausprobiert. «Meine ganze Verwandtschaft, Kollegen und Freunde haben mitgetestet», erzählt sie. So habe sie ihren Fruchtlieferanten gefunden, der ein breites Sortiment mit Fairtrade-Produkte anbieten kann. «In einer sozialen Institution werden die Tüten von Hand für uns abgefüllt.» Sabrina Coppe und Pascal Wälti bemühen sich nicht nur ein «faires» und «soziales» Produkt anzubieten, sie schauen auch auf die Vermeidung von Ressourcenverbrauch. Die Beutel bestehen aus Kraftpapier und haben einen wiederverschliessbaren Verschluss.

«In der Mischung hat es ganze Flocken und beispielsweise Kleie. Porridge wird traditionell warm gegessen oder man lässt es über Nacht quellen und isst es dann kalt», beschreibt Sabrina Coppe ihr Porridge, das dem Müesli ähnle. «Viele Leute meiden den Haferschleim, aber unsere Zusammensetzung ist ganz anders. Unser Porridge ist kerniger und hat mehr Biss.» Das in Halten lebende Paar verkauft sein Produkt in fünf Geschmacksrichtungen: Nature, mit Bananen, mit Melonen, mit Kokos und Lucuma sowie mit Beeren. Finanziell haben sie nur eigenes Geld investiert, das sie nun, so hoffen sie, mit dem Verkauf zurückerhalten.

«Megagut angelaufen»

Seit gut einer Woche werden die 400 Gramm-Porridge-Beutel der Colti GmbH verkauft, die jeweils für acht Portionen gerechnet sind. Das ergibt ungefähr einen Franken pro Portion. Vorerst sind sie nur online erhältlich über www.colti.ch. «Wir wurden etwas überrascht. Es ist megagut angelaufen. Gestern habe ich über 40 Pakete auf die Post gebracht», erzählt Coppe. Ziel sei es, Vertriebspartner zu finden, die das Produkt in ihr Sortiment aufnehmen, beispielsweise Reformhäuser. Dazu erklärt Coppe: «Wir müssen zuerst die richtige Strategie festlegen. Aber wir sind natürlich froh um alle, die Interesse zeigen.»