Selzach
Von 10 Eschen zeigt eine noch keine Krankheitssymtome

Am Waldgang der Bürgergemeinde Selzach wurden die Probleme des Waldes und dessen Nutzung thematisiert.

Paul Kocher
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Die Eschenwelke war Thema des Rundgangs. (Archiv)

Die Eschenwelke war Thema des Rundgangs. (Archiv)

Bürgerpräsident Eduard Fluri hofft bei der Begrüssung, dass der Waldgang den Teilnehmern aufzeigt, welche Nutzen und Anforderungen der Wald erfüllen soll. Der Betriebsleiter des Forstbetriebes Leberberg Thomas Studer erklärt beim Postenlauf, dass die Forstbehörde den Wald ganz anders erlebt als Wanderer, Jogger, Biker und viele andere mehr. «Beim ersten Posten können wir Schafe beobachten welche das Gras in der Weihnachtsbaum-Plantage ausweiden, anderseits aber die Bäume nicht anfressen.» Die Pflege der Kulturen erfolge ohne chemische Hilfsmittel.

Beim nächsten Posten wird der Waldbau nach dem Dauerwaldprinzip erklärt. Die Struktur des Waldes sei von der Art und Weise der Bewirtschaftung abhängig. Der Wald könne mit einem Haus verglichen werden, das von einem Architekten entworfen und von Fachleuten gebaut wird. Im Wald übernehmen diese Rolle die Förster und Forstwarte, indem durch anspruchsvolle Holzernten der Wald geformt wird, was im Bürgerwald von Selzach seit 20 Jahren der Fall ist.

Mischwald soll vital und möglichst wertvolles Holz produzieren. Im bewirtschafteten Wald von Selzach wachsen täglich acht Kubikmeter Holz nach. Das Holz wird in der Region und im Umkreis von zirka 100 Kilometer verkauft. Anhand eines Schnitzelholzlagers erklärt Studer, dass mit diesem Holz 28'000 Liter Öl eingespart werden. Die Verwendung von einheimischen Holz bringe einen wesentlichen Beitrag zur Energiewende.

Eschensterben und Neophyten

An einem weiteren Posten war das Eschensterben (Eschenwelke) ein Thema. Die Eschenwelke wurde erstmals im Jahre 2008 in der Schweiz beobachtet. Der Pilz ist heute in ganz Europa verbreitet. Der Pilz entwickelt sich im Laub am Boden und die Sporen befallen die Äste der Eschen und diese sterben ab. Förster Studer erklärt, dass auf einer dreijährigen Versuchsfläche im Brühlwald von anfänglich zehn gesunden Eschen noch ein Exemplar ohne Befallssymptome ist. Nach heutigem Wissensstand, wird die Esche in der Schweiz bis auf einen kleinen Prozentsatz verschwinden.

Hans Haas zeigt das Problem der Neophyten auf. Diese gebietsfremden, unkontrolliert und invasiv ausbreitenden Pflanzenfinden sich im Bürgerwald an diversen Standorte so unter anderem der Japanische Staudenknöterich, die kanadische Goldrute, das einjährige Berufskraut, der Kirschlorbeer und andere mehr. Diese invasiven Pflanzen bedrohen und verdrängen die heimische Pflanzenwelt.

An einem weiteren Posten orientiert die Jagdgesellschaft Selzach-Stalflue über ihre Tätigkeiten als Heger und Pfleger des Wildbestandes. Im Selzacherwald werden vor allem Rehe, Gämsen, Wildschweine und Füchse erlegt. Der Rehbestand ist seit einigen Jahren auch auf dem Speiseplan des Luchses. Ein ausgewachsener Luchs frisst wöchentlich ein Reh. Um die jagdlichen Aufgaben zu erfüllen sind Jagd- und Schweisshunde unentbehrlich. Nebst der normalen Jagd haben sich die Jäger auch um das Unfallwild (20 bis 30 Tiere pro Jahr) entlang der öffentlichen Strassen zu kümmern.

In Bezug auf den Strassenunterhalt orientiert Betriebsleiter Thomas Studer das der Forstbetrieb Lebern 136 Kilometer Waldstrassen zu unterhalten hat. Im Herbst werden die Strassen mit einem Laubgebläse vom Laub befreit. Diese Massnahme sei wichtig, denn sonst würde das Laub auf der Strasse zu Humus und für Lastwagen nicht mehr befahrbar. Der laufende Strassenunterhalt diene vor allem dem Wasserhaushalt. Das Wasser müsse auf kürzestem Weg von der Strasse weggeleitet werden.

Am letzten Posten wird ein stufig aufgebauter Waldrand vorgestellt. Stufige und artenreiche Waldränder sind eine wichtige Verbindung zwischen dem Wirtschaftswald und dem Landwirtschaftsland. Waldränder sind eine Art Knautschzone und Rückzugsort für viele Tiere und Pflanzenarten.