«Als ich ein Kind war, hatten wir zuhause nicht viel Geld. Deshalb bekamen wir jeweils zu Weihnachten Papier und Farbstifte. So habe ich mit dem Zeichnen angefangen.» So beschreibt Ernst Mattiello den Ursprung seiner Zeichnertätigkeit. Und er ist den Stiften treu geblieben, ja er sagt sogar: «Ich bin wohl ein Besessener. Ich zeichne jeden Tag. Es ist meine Art, mit der Welt und über die Welt zu kommunizieren. Wenn mich etwas beschäftigt oder ich etwas nicht verstehe, zeichne ich.»

Mit den Cartoons habe es etwa ums Jahr 1963 begonnen, als er zusammen mit Lehrerkollege Peter Bichsel unterrichtete und hin und wieder eine Zeichnung für die damals erscheinende Zeitschrift «Neutralität» schuf. Ab 1968 zeichnete er für die AZ.

Mattiello stand damals der 68er-Bewegung nahe. Schliesslich wurde er – nebst anderen – als Lehrer zum Zeichner des Schulblattes. «Ich habe die Menschen gern, will, dass es allen gut geht», sagt er. Mit seinen Cartoons will er Missstände anprangern, Dinge auf die Spitze treiben. «Manchmal mit einer Portion Sarkasmus und Ironie. Aber bestimmt will ich niemanden verletzen. Ein Cartoon darf aber auch nicht zu harmlos sein.»

Ideen-Überfall im Schlaf

Seine Ideen überfallen ihn, sagt er. «Manchmal kommen sie im Traum. Ich skizziere sie dann, solange ich sie noch weiss.» An mehreren Orten in seinem Haus liegen Skizzenbücher auf, damit er gleich festhalten kann, was ihm durch den Kopf geht. Findet er eine solche Skizze gut, fertigt er davon eine Reinzeichnung an.

Weiter gehts dann am Computer, wo die Zeichnung eingescannt, fein ausgearbeitet, korrigiert und koloriert wird. Seine Themen seien in all den Jahren fast immer die gleichen geblieben, meint Mattiello. «Beziehungen zwischen Menschen interessieren mich. Zwischen Mann und Frau, Lehrer und Schüler, Arbeitgeber und Arbeitnehmer und natürlich auch die internationale Politik.»

Ausgewählte Arbeiten von Cartoonist Ernst Mattiello, die vor 1974 entstanden sind:

«Ich zeichne aber keine Personen mit Merkmalen. Sie haben nicht einmal Gesichter, nur grosse Nasen und massige Figuren.» Betrachtet man Mattiellos Cartoons über all die Jahre, erkennt man, dass er die Figuren immer mehr reduziert. «Ich will möglichst karg bleiben, in einer möglichst einfachen Kulisse», ist sein Credo. «Mein kleines Welttheater füllt sich auch so.»

Jeden Tag sitzt der 75-Jährige in seinem Atelierraum im Haus in Lüterkofen und zeichnet. «Ausser am Mittwochnachmittag. Da gehts zum Wandern mit Kollegen.» Er lebt gerne im Bucheggberg. Besonders gefreut habe es ihn, als ihm 2010 der Bucheggberger Kulturpreis verliehen wurde. «Der Prophet im eigenen Land zählt also doch etwas», lächelt er.

Die Cartoonisten-Szene sei sehr lebendig und gut vernetzt. Hin und wieder werde er zu Ausstellungen eingeladen, nicht nur in der Schweiz. In ganz Europa kennt man Mattiellos spitze Feder. «Aber ich mache noch lange nicht überall mit. Das wäre mir zu anstrengend.» Doch dann erwähnt er, dass er für die 2. Cartoon-Schachtelausstellung, die zurzeit in Bern stattfindet, zum ersten Mal eine dreidimensionale Arbeit geschaffen habe. Und im Dezember sind Cartoons von ihm im Museum für Kommunikation in Bern zu sehen.