Wie kein anderes Instrument prägt es die Volksmusikszene: Das Schwyzerörgeli steht für Ländlermusik, Bodenständigkeit, Tradition. Heimat pur vermittelten seine Klänge auch an der Vernissage am goldenen Spätsommerabend, inmitten der mit Geranien geschmückten Speicher, den in der Ferne leuchtenden Berner Alpen und dem Jura.

«Jedes Örgeli ist ein Einzelstück», sagte Hansruedi Reist. Der Gründer der Reist-Örgeli AG in Wasen im Emmental erfüllt nämlich in seiner Werkstatt mit seinem 12-köpfigen Team jeden individuellen Kundenwunsch und stellt die Instrumente von Grund auf selber her. «Vom VW bis zum Rolls-Royce», verdeutlichte Hansruedi Reist, der seit 1986 Schwyzerörgeli herstellt.

Ein anspruchsvolles Handwerk

«Ich bin einfach in das Metier hineingewachsen», antwortete Hansruedi Reist bescheiden auf die Frage, wie man Schwyzerörgelibauer werde. Tatsache ist, dass bereits sein Vater, Rudolf Reist, im Jahr 1966 sein erstes Schwyzerörgeli herstellte, und zwar mangels Geld.

Von wegen hineingewachsen. Die Ausstellung veranschaulicht, dass der Örgelibau neben handwerklichem Geschick, verschiedensten Materialkenntnissen, uneingeschränkter Präzisionsarbeit und viel Geduld auch einen ausgeprägten Musiksinn verlangt. In Bezug auf Luftverbrauch und Gewicht werden zudem laufend neue Massstäbe gesetzt.

Rund 100 Arbeitsstunden

Im Ausstellungsspeicher präsentieren sich ältere und neuere Instrumente als Augenweide – ob aus Kirsch- oder Nussbaumholz, mit geschnitztem, gemaltem oder mit Intarsien belegtem Balgrahmendekor, ob mit vergoldeten, versilberten oder blechernen Beschlägen.

Wählbar sind ebenso die Farben der Knöpfe und des Balges. Zu sehen sind Reists Besonderheiten von Light-, über Turbo- und Junior- bis hin zu Mini- und Little-Örgeli. Letzteres gilt als kleinstes Schwyzerörgeli auf dem Markt – entwickelt von Reist –, welches den ganzen Tonumfang eines normalen Instruments umfasst und wunderbar in den Rucksack passt.

Bewundert werden können auch alte Instrumente, etwa aus den Jahren 1880 bis 1923, oder von Rudolf Reist senior angefertigte.

Rund 100 Arbeitsstunden sind für ein Instrument nötig. Die Kosten belaufen sich entsprechend von 3700 bis 10 000 Franken.

Die vielen präsentierten notwendigen Einzelteile verdeutlichen die Arbeit für die Herstellung. Fotos vermitteln diverse Arbeitsgänge in der grossen Werkstatt in Wasen.

Ausstellung im Museum Wasseramt, Turm in Halten: an den Sonntagen vom 28. August bis 18. September. Hansruedi Reist greift zwischendurch auch selber in die Knöpfe.