Derendingen
Vom Umgang mit Instagram, Snapchat, Facebook und Co.

Der Umgang mit Medien wird immer wichtiger – Schülerinnen und Schüler lernen dies nun in der Schule an einem Workshop der Pro Juventute.

Morena Adimari
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Gemeinsam mit einem Pro Juventute-Medienprofi wird in der Klasse über Internet und über den Umgang mit Medien diskutiert.

Gemeinsam mit einem Pro Juventute-Medienprofi wird in der Klasse über Internet und über den Umgang mit Medien diskutiert.

Hansjoerg Sahli

«Wer von Euch hat ein Handy?», fragte Medienprofi und Sozialarbeiter der Pro Juventute, Lukas Loosli die Fünftklässler des Schulhauses Mitteldorf. Und siehe da: Kaum ein Schüler ist nicht im Besitz eines internetfähigen Geräts. Neue Kommunikationsmittel führen zu neuen Problemen: Die Fälle von Cybermobbing und Sexting nehmen zu.

«Es ist wichtig, auch in diesem potenziellen Problemfeld Präventionsarbeit zu leisten», erklärte Loosli. Gemeinsam mit Pro Juventute und der Schulsozialarbeit können Schulen Medienworkshops organisieren, um gemeinsam mit den Schülern das Thema zu besprechen.

Die sozialen Medien – etwa Facebook, Snapchat und Instagram – werden bereits in jungen Jahren eifrig benutzt, und Chatten gehört heute zu den Lieblingshobbys der Kinder und Jugendlichen. Fotografieren können anscheinend auch alle wie Profis. Die neuen Medien bringen nicht nur sehr viele Vorteile mit sich.

In der virtuellen Welt lauern viele Gefahren, und die Kinder sollten wissen, wie sie sich schützen können. Ein bewusster Medienumgang sei essenziell, denn mit etwas Know-how könnten Unannehmlichkeiten minimiert werden.

Regeln, Tipps und Tricks

Nach einer persönlichen Einführungs- und Diskussionsrunde erarbeitete Loosli gemeinsam mit der Klasse die Funktionsweise des Internets: Was ist eigentlich Internet? Woher kommt das Internet? Was sind Server und wie funktionieren die ach so oft benutzten Apps? Viele wussten beispielsweise nicht, dass Whatsapp zu Facebook gehört und dass viele Onlinefirmen mittels Werbung finanziert werden.

Schnell kommt in diesem Zusammenhang das Thema der Informations- und Datenverbreitung zur Sprache. So war den wenigsten Schülern bewusst, dass mit dem Akzeptieren der allgemeinen Geschäftsbedingungen oftmals den unterschiedlichen Medienkanälen die Erlaubnis erteilt wird, die hochgeladenen Inhalte zu benutzen. Anschaulich wurde den Schülern zudem gezeigt, wie schnell sich ein Bild im Netz verbreiten kann, und wie schwierig es ist, die Bilder gänzlich aus dem Internet zu entfernen. «Es ist wichtig, die eigene Persönlichkeit stets zu schützen», betonte Loosli.

Im dritten Teil des Workshops wurde mit den Schülern über Gesetze und Rechte im Internet diskutiert. Viele neue Informationen für die Fünftklässler: So zum Beispiel, dass nur eigene Medien – egal ob Musik, Bilder oder Videos – ins Internet gestellt werden dürfen. Das Hochladen fremder Inhalte ist verboten.

«Erfahrungsgemäss werdet ihr schon bald einen Klassenchat haben», teilte Loosli mit. Bezüglich Chats gebe es viele Richtlinien, die mögliche unangenehme oder gar gefährliche Situationen verhindern können. Man dürfe sich beispielsweise auf gar keinen Fall als eine andere, reale Person ausgeben; nur das eigene oder ein erfundenes Profil darf verwendet werden. Auch sei es gesetzlich verboten, rufschädigende und verletzende Aussagen öffentlich zu publizieren oder diese in Gruppenchats zu schreiben.

Öfters als man denke, seien gerade solche Chats ein Nest für Cybermobbing: «Demütigende Fotos oder gar aufbereitete Videos, um gezielt eine Person zu verletzen, sorgen immer wieder für traurige Ereignisse.» Wichtig sei es, in solchen Fällen mutig zu sein und die Eltern, die Lehrpersonen und/oder die Schulsozialarbeit zu informieren.

Sich selbst und andere schützen

Zum Schluss wurde noch ein wichtiges Thema aufgegriffen, das anscheinend bereits in dieser Schulstufe für Gesprächsstoff sorgen kann: Sexting – ein neues Wort, gebildet aus Sex und Texting. Minderjährigen sei es verboten, Nacktbilder oder Bilder in leichter Bekleidung von sich oder von Mitschülern aufzunehmen und vor allem zu verbreiten – dies falle unter Kinderpornografie und sei somit ein Offizialdelikt.

Es sei auf keinen Fall ein Liebesbeweis, jemandem ein Nacktfoto von sich zu senden, denn oftmals führe dies zu gnadenloser Erpressung. Wenn nicht nur der Empfänger oder die Empfängerin das Bild öffnet, sondern das Foto ins Internet gerät, sei es danach kaum entfernbar. «Solche Bilder begleiten die Betroffenen ein Leben lang», weiss Loosli. Man sollte sich also gut überlegen, welche privaten Bilder versendet und veröffentlicht werden, ein gewisser Selbstschutz wäre angebracht.

Den ganzen Morgen über sind die Kinder voll dabei, schliesslich dreht sich alles um ein wichtiges Thema aus ihrem Alltag. Aber nicht nur die Schüler zeigen sich begeistert. Auch Tanja Imhof, Schulleiterin, ist erfreut. «Alle 5. und 6. Klassen aus Derendingen werden diesen Workshop besuchen.

Vielleicht können wir im kommenden Schuljahr bereits in der vierten Klasse mit solchen Projekten starten», so Imhof. «Die Kinder benutzen das Internet sehr fleissig, aber manchmal sind sie noch blauäugig», so Nadine Fischlin, Klassenlehrperson. Sie werde weiterhin in der Medienstunde einmal pro Woche über den Umgang mit Medien sprechen.

Gespannt blicken Lehrerschaft und Schulleitung auf den kommenden obligatorischen Infoanlass für die Eltern, denn diese seien schliesslich die wichtigsten Erziehungspersonen, welche die Kinder im reflektierten Umgang mit Medien begleiten sollten.

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