Seit 15 Jahren
Vom Teilnehmer zum Helfer geworden: Die Jugendarbeit im Unterleberberg ist eine Erfolgsgeschichte

Die Jugendarbeit im Unterleberberg gibt es seit 15 Jahren. Sie ist eine Erfolgsgeschichte.

Rahel Meier
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 Impressionen von der Zirkuswoche der Jugendarbeit Unterleberberg
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 Das Helferteam
Zirkuswoche der Jugendarbeit Unterleberberg
 Die Popcorn-Produktion läuft auf vollen Touren.

Impressionen von der Zirkuswoche der Jugendarbeit Unterleberberg

Hanspeter Bärtschi

Vielerorts ist die Jugendarbeit in der Kritik. Nicht so im Unterleberberg. Seit 15 Jahren gibt es Jaul (Jugendarbeit Unterleberberg). Drei Jugendarbeiterinnen teilen sich heute ein 60-Prozent-Pensum. Dazu kommen viele Jugendliche, die ehrenamtlich mithelfen.

Um das «halbrunde» Jubiläum zu feiern, haben die Verantwortlichen zum zweiten Mal den Zirkus Wunderplunder engagiert. 72 Kinder aus den Trägergemeinden Riedholz/Niederwil, Flumenthal, Hubersdorf, Balm, Günsberg und Kammersrohr machen mit und schnuppern eine Woche lang Zirkusluft. «Es sind viele Kinder dabei, die wir schon von anderen Anlässen oder aus dem Kids-Treff kennen. Es sind aber auch viele eher kleine Kinder hier», stellt Rebekka Matter fest. Sie hat die Jugendarbeit im Unterleberberg aufgebaut und hat immer noch ein 30-Prozent-Pensum. Aus Erfahrung weiss sie, dass es für die Kleinsten einfacher ist, wenn sie zu Hause übernachten können. «Sie besuchen lieber die Zirkuswoche als das Sommerlager.»

Angebote schon für die Kleinen

Jaul hat sich in der Jugendarbeit schon immer auf zwei Standbeine verlassen. Das eine ist die Arbeit mit den Jugendlichen ab der 7. Klasse, denen der Jugendtreff in Niederwil zur Verfügung steht. Jaul bietet aber auch jedes Jahr ein Kasperlitheater für Kinder ab vier Jahren und den Kids-Treff in Flumenthal für Primarschulkinder. «Wir versuchen, die Kinder so früh wie möglich mit unserer Organisation vertrat zu machen. Wenn sie uns im Treff kennenlernen, dann engagieren sie sich sehr häufig auch später im Jugendlichen-Alter.»

Dieses Modell hat Erfolg. «Wir haben zurzeit enorm viele Jugendliche, die sich innerhalb von Jaul engagieren.» Die Zirkuswoche sei das beste Beispiel. Acht Oberstufenschüler seien die ganze Woche vor Ort. «Einige von ihnen waren vor drei Jahren noch Teilnehmer bei der Zirkuswoche. Jetzt betreuen sie die Kinder, sie kochen, sie helfen überall, wo sie gebraucht werden.» Die Jugendarbeit im Unterleberberg lebe von der Ehrenamtlichkeit, so Rebekka Matter. Wenn man alle Tätigkeiten zusammenzähle und die Präsenz der vielen Helfer, dann komme man wohl auf ein 400-Prozent-Pensum: Im Jahresbericht für das letzte Jahr ist die Zahl der Stunden explizit erwähnt und mit 2834 aufgelistet.

Spezielles für Jugendliche

Die Arbeit der Jugendlichen wird zwar nicht mit Geld honoriert. Die Wertschätzung wird aber gezeigt. «Alle die uns helfen, bekommen von uns ein Zertifikat, in dem wir auflisten, was sie geleistet haben und welche Kompetenzen sie sich dadurch erworben haben. Das sind Ausweise, die beispielsweise bei einer Bewerbung für eine Lehrstelle, durchaus positiv wahrgenommen werden.»

Zudem finden sich im Jahresprogramm von Jaul in der Zwischenzeit Anlässe, die sich explizit an ebendiese Helfer und die Jugendbeauftragten aus den Dörfern richtet. Vor einer Woche wurde eine zweitägige Trekkingtour mit Übernachtung in einer SAC-Hütte durchgeführt. «Die Idee dazu kam von den Jugendlichen selbst», so Matter. Bereits sei der Wunsch angemeldet worden, den Anlass zu wiederholen. In Planung ist auch ein «Beachcamp»: Gemeinsame Ferien am Meer für Jugendliche ab dem 7. Schuljahr. «Auch das war ein Wunsch, der von den Jugendlichen selbst kam.»

Nächstes Jahr finden zudem erstmals zwei Sommerlager statt. «Im ersten Lager, das wir durchgeführt haben, nahmen 35 Kinder teil. Heute nehmen wir 65 Kinder mit. 20 davon sind Jugendliche, die gerne helfen und leiten würden. Dazu kommen 25 Jugendliche, die schon bisher als Leiter mit dabei waren. Wir werden sozusagen von unserem Erfolg überrollt.» Deshalb werde nächstes Jahr das ordentliche Lager durchgeführt und dann gebe es zum dritten Mal ein sogenanntes «Team Work Camp» nur für die Jugendlichen ab der 7. Klasse, in dem diese nach den J+S-Regeln ausgebildet werden, damit sie als Leiter nachrutschen können.

«Jugendarbeit braucht es auch im ländlichen Raum», sagt Matter. Aber die Art der Arbeit habe sich verändert. «Es reicht nicht, einen Treffpunkt zur Verfügung zu stellen.» Bei Jaul wird deshalb sehr häufig projektbezogen gearbeitet. Wenn die Jugendliche an Projekten arbeiten können, die sie auch noch selbst angestossen haben, dann sei das Engagement enorm. Diese Art der Arbeit finde aber bereits bei den Primarschulkindern anklang. So macht Jaul beispielsweise seit einigen Jahren am Kinder-Fasnachtsumzug in Solothurn mit. «Dabei wird alles, vom Kostüm bis zur Maske, von den Kindern selbst entworfen und angefertigt.»

Erfolgsmodell Kontinuität

Dass Jaul so erfolgreich ist, dürfte auch an einer Person liegen. Rebekka Matter ist seit Anbeginn dabei. «Und die Arbeit macht mir immer noch grossen Spass.» Kontinuität sei wichtig. Nachhaltigkeit und Erfolg liessen sich in der Jugendarbeit nur schwer messen. Jaul biete viel und das Programm töne möglicherweise etwas nach «Schönwetter- und Ferienangebot». «Jugendarbeit, das sind auch die persönlichen Kontakte. Die vielen Gespräche.» Beratungen und Prävention sei ein wichtiger Teil der Jugendarbeit. Dies passiere aber oft nebenbei und unbemerkt. Während eines Anlasses, aber auch via soziale Medien, wie etwa Whatsapp oder Facebook. «Wir nützen diese Kanäle gezielt, um mit den Jugendlichen in Kontakt zu bleiben.»

Jaul ist aber auch vernetzt mit den Kirchgemeinden im Unterleberberg, den Schulen und den diversen kantonalen Fachstellen im Jugendbereich. Seit einigen Jahren hilft Jaul bei der Organisation der Jungebürgerfeiern, die die Unterleberberger Gemeinden gemeinsam durchführen. «Auch dort kommen wir ins Gespräch und markieren Präsenz.» Freude hat Rebekka Matter zudem am Jaul-Mobil. Der Anhänger ist vollbeladen mit Spielen. «Wir waren damit unter anderem an der 100-Jahr-Feier des Bipperlisi und machen auch am Street Food-Festival mit.»

Die Jugendarbeit vor Ort ist das eine. Für die strategische Arbeit ist die Jugendkommission verantwortlich. Sie setzt sich aus Gemeinderäten aller Trägergemeinden zusammen. Seit einem Jahr ist Marc Friedli (Flumenthal) Präsident der Kommission.