Das Skelett des Raptors scheint bereit zum Absprung von einem Felsen. Es ist 1.60 Meter hoch und 3 Meter lang. Stefan Frieden, Betreiber des Sauriermuseums in Bellach, beschreibt den Raptor als einen sportlichen Saurier, einen guten Jäger, der im Rudel unterwegs war. Dieser verfügte über eine relativ grosse Gehirnmasse, was sich nicht von allen Dinosauriern behaupten lässt. Vermutlich konnte er auch wegen seiner Klugheit Beute erlegen, die deutlich grösser wie er selber war. Ein wichtiges Detail, das an diesem Skelett nicht zu sehen, inzwischen jedoch belegt ist: Der Raptor verfügte als zweibeiniger Dinosaurier über Federn und ist ein direkter Vorfahre der Vögel.

Das Sauriermuseum hat seit Freitag eine neue Spezialausstellung. Mit viel Herzblut und grossem Aufwand wurde sie aufgebaut. Besucherinnen und Besucher erhalten dabei die Möglichkeit, sich über die Entwicklung und Nähe von Raptoren zu den heutigen Vogelarten zu informieren. «Wir haben uns für dieses Ausstellungsthema entschieden, da Raptoren in der Bevölkerung grosses Interesse wecken und da wir die Verwandtschaft zum Vogel aufzeigen wollen», erklärt Frieden.

Besonders eindrücklich ist das ausgestellte Skelett des Raptors. Hergestellt wurde es von Michael Holmes aus London, der weltweit Dinosaurierskelette professionell aus originalen Funden nachbaut. Aufgebaut hat es Frieden in seinem Wohnzimmer selber. «Über Monate lagen 200 Knochen im Wohnzimmer verteilt, einmal hat der Briefträger das Schlachtfeld durchs Fenster gesehen und riesige Augen gemacht», erinnert sich Frieden schmunzelnd.

Alles begann mit Archaeopteryx

Im Jahr 1861 wurde im Fränkischen in Deutschland das Fossil eines Archaeopteryx und seinen Federn gefunden. Während heute angenommen wird, dass alle zweibeinigen Dinosaurier, darunter auch der T-Rex, Federn trugen, wurde diese Theorie zwar in den neunziger Jahren im Film Jurassic Park erwähnt, aber noch belächelt. Vollständige Sicherheit gibt es nicht. «Weil nicht bei jeder Art Federn gefunden wurden», erklärt Frieden. Federn seien kaum versteinert, etwas wahrscheinlicher, aber dennoch selten käme es vor, dass sie in der Erde konserviert würden. Die meisten Funde von Raptoren gibt es in China, oft aus der heutigen Wüste Gobi, auch das Original des ausgestellten Raptorskeletts stammt aus China. In der Schweiz wurde bisher noch keiner ausgegraben.

In der Ausstellung werden unter anderem die Waffen der Raptoren, namentlich die Klauen gezeigt, zudem verschiedene Schädel. Auch kann ein Mikroraptor angesehen werden, der etwa so gross wie die heutige Taube ist. Weiter können die Füsse eines Strausses und eines Raptors verglichen werden. Sie sind nahezu identisch. «Der Raptor hatte gebogene Klauen an seinen Füssen und ist, damit diese nicht abwetzten, auf den Zehen gelaufen. Der Strauss hat zwar keine Klauen mehr, läuft aber wie sein uralter Vorfahre weiterhin auf den Zehen», so Frieden. Wenn ein Strauss zur Welt kommt, hat er borstige Federn, die schliesslich flauschig werden. Von Fliegen konnte noch keine Rede sein. Einige der Saurier segelten von Baum zu Baum, andere nutzten die Flügel nur wie der Strauss beim Rennen für eine schnelle Richtungsänderung. Das Federkleid schützte vor Kälte und Hitze. Die grossen Schwungflügel kamen erst später dazu, nach dem Aussterben der Saurier, am Ende der Kreidezeit.

Was die vierbeinigen Saurier betrifft, so seien von diesen keine Nachfahren bekannt. Da Hautreste gefunden wurden, sei bewiesen, dass diese Saurier schuppig gewesen waren. Frieden: «Diese Saurier sind schlichtweg ausgestorben, es gibt zwar gewisse Ähnlichkeiten zum Elefanten und anderen Tierarten, doch von Verwandtschaft lässt sich da nicht sprechen.»