Beinahe hätte Alfons Vitelli, Zuchwils Dorfhistoriker, das «Pisoni» an der Schulhausstrasse vergessen. Dabei war dieses doch der Auslöser für einen Bericht über die frühere und aktuelle Restaurantszene in Zuchwil. Dieses wurde vor kurzem umfunktioniert zu einem Thai-Restaurant. Gross geworben wird mit dem (reichlich günstigen) Thai-Mittagsbuffet, das auch schon andernorts, etwa in der Solothurner Vorstadt, viele Anhänger gefunden hat.

Zuchwil, stellt Vitelli fest, hat immer wieder mit einem grossen Wechsel der Bevölkerung zu kämpfen. Die Deindustrialisierung hat dazu geführt, dass Tausende Arbeiter andernorts eine Stellung suchen mussten. Inzwischen füllen sich die Fabrikhallen langsam wieder oder haben sich neue Betriebe angesiedelt. Die Fluktuation hat die Restaurantszene beeinflusst. Traditionelle Restaurantnamen findet man kaum mehr. Sie machten fremdsprachigen Namen Platz, die auf eine internationalere Küche hinweisen. Manch einer der Einheimischen reagiert wie Vitelli auf eine Änderung. Seit das nahe Restaurant «Birchi» mit «Orient-Grill» angeschrieben ist, verzichte er auf einen Beizenbesuch.

Dabei war früher und teilweise auch heute noch das Restaurant ein wichtiger gesellschaftlicher Treffpunkt der Dorfbevölkerung. In rauchgeschwängerten Hallen und Kellern wurde gekegelt. Auf Bühnen wurden Theater einstudiert und Gruppierungen sowie Vereine trafen sich in den Nebenräumlichkeiten von Restaurants. Letzteres ist auch heute noch der Fall.

Im mittleren Teil des Gebäudes mit dem früheren Restaurant Aarmatt lebten Vorfahren von Alfons Vitelli. Das Gebäude existiert nicht mehr.

Im mittleren Teil des Gebäudes mit dem früheren Restaurant Aarmatt lebten Vorfahren von Alfons Vitelli. Das Gebäude existiert nicht mehr.

In der Schnepfenmatt

In seiner Aufzählung der Zuchwiler Restaurants greift Alfons Vitelli auf einen Plan von Zuchwil aus dem Jahr 1962 zurück, der 1969 nachgeführt wurde, weshalb die Autobahn bis Zuchwil bereits eingezeichnet ist. Das erste Restaurant in seiner Aufzählung liegt in der Schnepfenmatt und hiess «Schnepfe». Aufmerksame Einwohner kennen die Schnepfenmatt. Dort befindet sich heute an der Luzernstrasse das Kino Canva. Dessen Besitzerfamilie Frey hat den Namen an der Rückwand des Gebäudes angebracht sowie zwei Schnepfen. Alfons Vitelli hat dort als Bub die Kegel gestellt, die dann sein Vater wegputzte.

Nur wenige hundert Meter weiter, in Richtung Luterbach, liegt das frühere Restaurant Aarmatt, heute italienisch angehaucht «La Rondinella» (das Schwälbchen). Das ursprüngliche «Aarmatt», dessen Name hier weiterlebte, wurde vor Jahrzehnten abgerissen. Das alte «Aarmatt» lag näher zu Solothurn und auf der anderen Seite der Luterbachstrasse, dort wo heute das Areal der Regio Energie ist. Niemand weiss das besser als Alfons Vitelli, denn im Mittelteil des grossen Gebäudes wohnten früher auch Vitellis Grosseltern. Die Familie Vitelli führte damals, zur Zeit des Ersten Weltkrieges, das Bauunternehmen Vitelli.

Die alten Restaurants

Im Dorfzentrum liegt gegenüber dem Verwaltungsgebäude der Gemeinde das frühere Restaurant Linde. Heute wird es vornehmer Villa Linde genannt und verfügt über Gästehaus, Lounge und Bar. Vis à vis befindet sich die ehemalige «Bierhalle», später bekannt geworden unter dem Namen «Noldy’s», das seit 2016 leer steht. Das Gebäude wurde 1885 erbaut und war ursprünglich das erste Schulhaus in Zuchwil. Weiter westlich an der Hauptstrasse, kurz bevor die Strasse zum Bleichenberg abzweigt, liegt das Restaurant Birchi, heute «Orient-Grill». Und kurz vor der Stadtgrenze beim Bahnübergang ist das Restaurant Tell zu finden. Heute ist das Restaurant eine Trattoria mit Gartenwirtschaft und heisst «Peperoncino». Auch hier deutet der Name auf das Angebot hin: «Italienisch und Pizza», so die Eigenwerbung.

Die Hauptstrasse hat aber noch weitere Restaurant-Adressen. Geht man vom Dorfzentrum in Richtung Osten, kommt vor dem Kreisel auf der linken Seite der «Martinshof». Das Gebäude entstand Ende der 60er-Jahre. Der seinerzeitige Neubau kam an die Stelle eines Landwirtschaftsbetriebes mit demselben Namen. Das einzige Restaurant, das in Zuchwil noch wie früher angeschrieben ist, befindet sich ebenfalls an der Hauptstrasse, aber an deren östlichem Ende. Es ist das Restaurant Kastanienbaum.

Ganz im Osten von Zuchwil, kurz vor der Brücke über die Emme nach Derendingen, muss noch das Hotel Waldeck auf die Liste der alten Restaurants genommen werden. Mit «Delphi» wird für ein griechisches Restaurant geworben, das aber aktuell mit Ausnahme des Hotels geschlossen ist. Und dann kommt Alfons Vitelli eben noch das «Pisoni» in den Sinn, das inzwischen ein Thai-Restaurant ist. Früher hiess das Restaurant «Alperösli», so Vitelli. «Sie führten in der Nähe eine Filiale, wo Pensionäre der Scintilla sich verpflegen konnten.»