Langendorf

Vögel zum Greifen nah: Der Ferienpass macht es möglich

Während des Ferienpasses diese Woche haben Schulkinder Greifvögel näher kennen gelernt. Und Falkner Ulrich Lüthi zeigte, wie er mit seinen Tieren arbeitet.

Nicht nur Katzen mögen es, gekrault zu werden, auch der Kaninchenkauz. Mit zu Beginn zaghaften Bewegungen streichelt ein Mädchen das Köpfchen von Mugg. Dieser pfeift. «Wenn er beginnt zu pfeifen, möchte er mehr gekrault werden», sagt Ulrich Lüthi, Falkner aus Kriechenwil bei Bern. Die Kinderschar lacht.

Bei den Sakerfalken Gassur und Bertha, sowie dem Wanderfalken Gaia rät Lüthi von Streicheleinheiten ab, auch wenn die Tiere im Grunde genommen keine Menschen angreifen. «Wer möchte die Bertha auf der Faust tragen», fragt der Falkner. In Windeseile schnellen die Kinderhände nach oben. Natürlich will jedes Kind nach dem Ferienpass-Erlebnis seinen Freunden in Langendorf erzählen können, dass es einen echten Greifvogel auf dem Arm hatte. «Aber Achtung, das Weib ist schwer», so Lüthi, als er einem Jungen den grossen, ledernen Handschuh inklusive Vogel über den Arm stülpt.

Kurzes Leben für freie Falken

Der Ausdruck Weib, sei in der Falknersprache aber alles andere als abwertend, erklärt der Experte. Denn die Weibchen sind immer grösser und schwerer als die Männchen. Dass das Weibchen im Vergleich zu seinem männlichen Artgenossen Gassur in den Farben einiges blasser ist, liege aber nicht am Geschlecht, sondern an der Geschlechtsreife. So wird Bertha am Samstag zwei Jahre alt, Gassur ist rund zehn Jahre älter. «Ig ma nümme», ruft es hinter Lüthi.

Sofort wechselt er Bertas Halter mit einem der anderen 14 Kinder aus, sodass jedes einmal einen Falken halten durfte. Er fährt fort: «Falken werden in Gefangenschaft bis zu 20 Jahre alt.» Ein lautes, schockiertes «nur» erklingt im Chor. «Die Natur ist aber härter», sagt Lüthi. In freier Wildbahn würden die Tiere nur zwischen fünf und sieben Jahre alt. Weitaufgerissene Augen schauen dem Mann mit dem langen, grauen Haar entgegen.

Damit Lüthi die Tiere überhaupt halten darf, musste er zuvor eine Jagd- und Falknerprüfung bestehen sowie eine Wildtierhaltebewilligung vorweisen. Auch benötigen die Tiere eine genügend grosse Voliere. 60 Kubikmeter sollten es für ein Falkenpaar schon sein, was etwa dem Volumen eines mittelgrossen Lastwagens entspricht. Flugaktivität brauchen die Falken aber relativ wenig, so fliegen die Greifvögel in freier Natur auch nicht mehr als 15 Minuten am Tag.

Dunkelheit heisst Ruhezeit

Der Kaninchenkauz wird langsam ungeduldig und flattert wild mit seinen Flügeln. Chance zum Entfliehen: keine. Die Kinder haben die Leinen fest im Griff. In etwa so, wie der Kauz seine Beute. Denn der – wie der Name es bereits sagt – in Kaninchenbauten lebende Greifvogel, ist ein Grifftöter. Die Sakerfalken hingegen sind Bisstöter. Sie brauchen ihre Füsse – in der Falken-Fachsprache Hände – nur zum Halten der Beute. Und beissen ihren Opfern die Genicke durch.

Relativ entspannt nehmen die Kinder diese Information von Lüthi entgegen. Ebenso die Tatsache, dass die Vögel mit toten Eintagsküken gefüttert werden. Diese braucht Lüthi nun als Lockmittel für den Wanderfalken Gaia. Als er sie abhaubt – ihr die Lederkappe abnimmt –, macht sie sich plötzlich lautstark bemerkbar. Die Haube dient zur Simulation der Nacht. Denn Dunkelheit bedeutet Ruhezeit.

Mit dem Ferienpass Langendorf Greifvögel kennenlernen

Mit dem Kommando «Gaia flüg mer ufd Fust» soll nun das Tier auf den Handschuh fliegen, der jeweils von einem Kind getragen wird. Das klappt jedoch nicht immer auf Anhieb. Das liegt wohl an den vielen Gesichtern rund um Gaia oder aber die Wanderfalken-Dame nimmt das Schauspiel nicht ganz so seriös.

Denn Lüthis Vögel wissen: Ernsthafte Jagd gibt es für sie nur, wenn sie aus seinem Auto starten dürfen. Auf der Jagd können Falken in einem Steilflug bis zu 300 Kilometer pro Stunde erreichen, im Waagrechtflug zwischen 80 und 120 Stundenkilometer. Zurückholen kann Lüthi seine Vögel mit dem Federspiel, eine Beuteattrappe, welches er den Kindern zum Abschluss mit einem Freiflug demonstriert.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1