U19-Nationalmannschaft
Vier Spiele, ein «unechtes» Tor und 19 Gegentreffer: enttäuschende Turnierbilanz im Eishockey

Die Schweizer U19-Nationalmannschaft beendet das Turnier im Sportzentrum Zuchwil mit einem enttäuschenden Negativrekord.

Michael Schenk
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Trainer Christian Wohlwends Plan ging nicht auf. Michael Schenk

Trainer Christian Wohlwends Plan ging nicht auf. Michael Schenk

«Wie unsere Turnierbilanz aussieht?», wiederholt Christian Wohlwend, Coach der Schweizer U19- und U20-Eishockey-Nationalmannschaft, die an ihn gestellte Frage. «0:19 – das ist unsere Bilanz.» Peng! Das einzige Tor der Schweizer in den vier Spielen gegen Schweden (0:6), Deutschland (0:5), Tschechien (0:3) und zuletzt Turniersieger Finnland (1:5) sei nämlich gar kein Tor gewesen, sagt Wohlwend. «Der Puck ging an den Pfosten.»

Vier Spiele ohne ein einziges wahrhaft erzieltes Tor, und das trotz doppelten Überzahlsituationen, Powerplays, Breakaways und weiteren guten Chancen – so etwas muss man erst einmal schaffen. «Offensiv waren wir total impotent; da kam rein gar nichts», schimpft der Coach.

Der Plan ist nicht aufgegangen

Just für den schweiz-kanadischen Doppelbürger ist dieser Doppel-Nuller (0 Tore/0 Punkte) ein veritabler Schlag ins Gesicht. Es ist Wohlwends Idee, Intension und Ziel, die Defense-first-Mentalität im Schweizer Eishockey aufzuweichen. Statt primär darauf zu achten, kein Tor zu kassieren, fordert er mehr Mut. Man müsse auch gegen Topnationen vorwärts spielen. «Nur so machen wir den nächsten Schritt.» Der Plan ist zweifellos richtig, die Umsetzung ging in dem Fall voll in die Hose.

Viel zu wenig gefordert

«In der Schweizer Elitejunioren-Meisterschaft werden diese Spieler überhaupt nicht gefordert. Den Guten geht alles viel zu einfach, sie brauchen nie an ihr Limit zu gehen», wettert Wohlwend. Und wenn sie dann wie jüngst in Zuchwil auf Altersgenossen aus Hockey-Grossmächten treffen, solche, die sich daheim Spiel für Spiel harter Konkurrenz erwehren müssen, um ihren Platz im Team zu sichern, «sind sie hoffnungslos überfordert. Da geht gar nichts mehr.»

Physisch hätte man keine Nachteile vis-à-vis der Konkurrenz. «Aber in 1:1-Situationen oder wenn es darum geht, blitzschnell Entscheidungen zu treffen oder den Abpraller zu suchen und zu nehmen, und so weiter, dann schon.» Überall sonst, sozusagen, meint der Schweizer Nachwuchstrainer.

Was offenkundig fehlt, sind Torschützen. Ein guter Verteidiger zu sein, das kann man weitgehend lernen. Darum entspricht das der Schweizer Mentalität. Torjäger sein dagegen kann man nur sehr bedingt lernen, und wenn, dann allein über immer wiederkehrende, harte Fights. Goalgetter stehen oft da, wo es wehtut; denn nur dort können sie den Ruhm ernten, den sie unbedingt suchen.

Da freilich beginnt die Malaise. Welche Schweizer tun sich das an, wenn keine Not herrscht? Darum werden es immer wieder Ausnahmen mit passendem Ego und Instinkt sein, die dahin stehen, wo es Dresche gibt, um als gefeierte Torschützen im Rampenlicht zu stehen.

Die Jüngeren sind gefährlicher

Von diesen Kanonieren war in der U19, die da in Zuchwil am Werk war, keiner dabei. «Es gibt aber sicher den einen oder anderen, der uns helfen kann», sagt Wohlwend mit Blick auf die U20-WM im Dezember in Buffalo/USA. Allen voran der Walliser Nico Hischier mit Jahrgang 1999, der derzeit in einer kanadischen Top-Junioren-Liga bei den Halifax Mooseheads spielt und bald in der NHL für Furore sorgen dürfte. Hischier war einer der Stars schon an der letzten U20-WM, als die Schweiz den Viertelfinal gegen die USA erreichte.

Längst nicht alle begabten helvetischen Eishockeyjunioren wollen jedoch mit 16 oder 17 von zu Hause weg, um sich in Kanada, den USA oder Schweden im Stahlbad der Eitelkeiten weiterzuentwickeln. Viele andere Möglichkeiten gibt es aber nicht.

Es ist kaum anzunehmen, dass der nationale Verband beginnt, eine Art «Stützpunkt-Auswahl» auf U18/U20-Stufe zu betreiben, die je nachdem in der 1. Liga oder gar NLB anstatt bei den Elitejunioren mitspielt. Das würde allein am Ego der Nationalliga-Klubs scheitern, wäre indes eine veritable Möglichkeit, um die Lücke zwischen einheimischem und internationalem Junioreneishockey zu schliessen und nie mehr ein Turnier ohne Tor abzuschliessen.

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