Oberdorf
Vier Schweizer Tenöre verbreiten Adventszauber und begeistern ein volles Haus

I Quattro, die vier Schweizer Tenöre, verbreiteten Adventszauber. In Oberdorf hatte einer von ihnen sogar eine Art Heimspiel.

Hans Blaser
Merken
Drucken
Teilen
I Quattro: Die vier Tenöre Daniel Bentz, Matthias Aeberhard, Simon Jäger und Damian Meier in der Kirche Oberdorf.

I Quattro: Die vier Tenöre Daniel Bentz, Matthias Aeberhard, Simon Jäger und Damian Meier in der Kirche Oberdorf.

Hansjörg Sahli

Den Zauber des Advents verbreiteten die I Quattro auf einer Tour durch die Schweiz. I Quattro sind die vier Tenöre Matthias Aeberhard, Daniel Bentz, Simon Jäger und Damian Meier. Alle vier haben Gesang studiert und alle haben tolle Stimmen, die sie auch einzusetzen wissen. Zwei von ihnen sind im Kanton Solothurn aufgewachsen, Matthias Aeberhard in Olten und Damian Meier in Oberdorf. Damian Meier zelebrierte also am Samstag in der Kirche Oberdorf eine Art Heimspiel.

Als die vier Tenöre vom Eingang her sich singend langsam durch die prall gefüllte Kirche bewegten, war das noch ein Beginn wie bei vielen anderen Liederabenden auch. Zwar verrieten die Worte von Peter Reber den Sinn seiner Melodie. «Chumm mir wei es Liecht azünde» sangen die vier Sänger. Jeder trug eine brennende Kerze, die er dann im Chor an den dazu bestimmten Platz stellte. Sachte, passend zu ihren dunklen Anzügen, stiegen alle vier leise auf die Kanzel. Mit dem traditionellen Tessiner Weihnachtslied «Dormi, Dormi» im Satz von Carlo Boller setzten sie das Konzert fort. Wieder applaudierte das Publikum, aber seriös, gepflegt und sehr anständig – scheinbar etwas gehemmt. Feuer flackerte bloss auf den Kerzen. Zu spüren war es im Publikum noch nicht.

«Tun wie die Sau»

Damian Meier hatte ein Rezept dagegen. Wieder auf dem Chorboden angelangt kündigte er das nächste Lied an. Es sei aus einem anderen Teil der Erde. Dort feiere man Weihnachten auch, aber laut und überschwänglich. Das Publikum dürfe durchaus mitsingen, mitklatschen und tanzen, sogar «tun wie die Sau» sei erlaubt. Die Antwort im Publikum war ein hörbares Aufatmen und leises Kichern. Dann begannen sie zu singen: «Feliz navidad, feliz navidad». Dieses Weihnachtslied des 1945 in Puerto Rico blind geborenen José Feliciano ist inzwischen weltweit verbreitet. Oft wird es als Traditional bezeichnet. Es gibt unzählige Arrangements für die verschiedensten Instrumente und Besetzungen. Gesungen von den vier Tenören ist es beim Publikum sehr gut angekommen. Wie ein befreiter Sturzbach ergoss sich der Applaus danach über die vier Sänger.

Danach war der Bann gebrochen, das Publikum aufgetaut, das Feuer da. Egal in welcher Sprache danach gesungen wurde, ob Englisch, Französisch oder Spanisch, das Publikum war begeistert. Begeistert war es auch vom Pianisten. Am E-Piano sass ja noch ein starker Hannes Forster. Er war ein hervorragender Begleiter, wo er nötig war, und glänzte kurz als Solist, wo es möglich war. Seine Begleitung war aber nicht durchwegs gefragt. Meist sangen die vier oder je nachdem auch einer oder zwei unbegleitet. Überdies hatten alle vier Sänger ein Musikinstrument dabei. Die verstanden sie aber auch zu spielen. Das brachte Abwechslung. Dazu wurde mit Humor gearbeitet und mit viel Feingefühl harmlose Gags scheinbar zufällig eingebaut. Bald kündete ein wunderschön interpretiertes «Ave Maria» von Franz Schubert das Ende des ersten Teils an. Die «Schlittenfahrt» führte in die Pause. Nach einem Kleiderwechsel nahmen sich die vier Tenöre die elf wunderbar gemischten Lieder des zweiten Teils vor. Darunter waren Irwin Berlins «White Christmas» und das bekannte «Rudolph The Rednosed Rendeer». Die vier schienen noch aufgedrehter zu sein. Zumindest versprühten sie unverändert Begeisterung und Spass. Im Nu waren die zwei Stunden mit bekannten und fremden Advents- und Weihnachtliedern aus der ganzen Welt verflogen. Dankbar sang das Publikum zum Abschluss mit Freude «Stille Nacht» mit. Die vier Sänger hätten den in der Ankündigung versprochenen Zauber des Advents sicher auch ohne alle die optischen Effekte in die Kirche bringen können. Das farbige Licht wäre dazu nicht notwendig gewesen. Allerdings, geschadet hat das dem Anlass natürlich auch nicht.