In der viertgrössten Gemeinde des Kantons werden an der Gemeinderatswahl statt
23 nur noch 11 Sitze verteilt. Das hat die Gemeindeversammlung im letzten Dezember beschlossen. Weg fällt zudem die Gemeinderatskommission.

Von den Bisherigen werden acht nicht mehr antreten. Das heisst, dass auf den Wahlvorschlägen der Parteien noch 15 aktuelle Gemeinderäte notiert sind, die auch die kommende Legislatur bestreiten wollen.

Schon jetzt ist klar: Im besten Fall werden vier aktuelle Gemeinderäte abgewählt. Es dürfte aber schlimmer kommen und mehr aktuelle Gemeinderäte treffen.

Im ersten Moment fällt auf, dass Zuchwil künftig ein weniger farbenreiches Parteienspektrum haben wird. Die Grünliberale Partei hat sich aufgelöst. «Am Ende waren wir nur noch zwei Mitglieder», erklärt Parteipräsident Yves Müller. Mit dem Rücktritt ihres Vertreters im Gemeinderat, Jean-Baptiste Vuille, hätten sich die Aussichten weiter verschlechtert. «Wir hätten keine Chance gehabt, einen Sitz im verkleinerten Gemeinderat zu erreichen.» Vuille ist seit 2010 Gemeinderat.

Der Wegfall der GLP hat sicher auch Auswirkungen auf die Anzahl der Personen, die sich für das Amt interessieren. Vor vier Jahren haben die sechs Zuchler Parteien 43 Personen für 23 Gemeinderatsitze vorgeschlagen. Jetzt melden die übrig gebliebenen fünf Parteien 34 Personen für 11 Sitze.

Zugpferd und Ur-Zuchler

Doch wie stehen die Chancen der Parteien? Die SP hat mit ihrem Gemeindepräsidenten Stefan Hug ein Zugpferd, das weit über die Parteigrenzen hinaus Stimmen holen sollte. Gleichzeitig beklagt die Partei mit den Rücktritten von Heinz Obi, Heinz Schaller und Beatrice Schibler Joggi den grössten Aderlass. Dennoch hofft Co-Geschäftsleiter Gilbert Ambühl auf die Treue der bisherigen Wählerschaft.

«Ich bin zuversichtlich, dass wir den prozentualen Anteil halten können.» Macht man die Rechnung und nimmt den SP-Wähleranteil von 2013 als Massstab, so winken mit 32,5 Prozent Wähleranteilen bei 11 Sitzen hochgerechnet 4 Sitze. Damit ist die Gefahr gross, dass ein aktueller SP-Gemeinderat nicht gewählt wird. «Das ist die Konsequenz, wenn man den Gemeinderat halbiert», bleibt Ambühl ruhig.

Die CVP verliert mit Claudia Weber ein Mitglied des Gemeinderates. Vizegemeindepräsident Daniel Grolimund ist beinahe gesetzt. «Wer den zweiten Sitz für die CVP holt, das ist offen», sagt CVP-Ortsparteipräsidentin Tamara Mühlemann Vescovi.

Das Ziel ist damit formuliert. Der zweite Sitz wird, falls die CVP ihr Ziel erreicht, nicht automatisch der Bisherigen Belinda Karli zugesprochen. Warum? «Wir haben einige junge Kandidaten gewonnen, die als Ur-Zuchler gut vernetzt sind», begründet Tamara Mühlemann.

Lotterie und Kopfwahl

Mutig kommen auf der 6er-Liste der SVP die drei bisherigen Gemeinderäte gleich nochmals. Rechnet man das Wahlvolk der zurücktretenden Christine Hofer (heute parteilos) ebenfalls dazu, hat die SVP vier Sitze zu verteidigen. «Vor vier Jahren hätten wir beinahe einen fünften Sitz machen können», blickt SVP-Ortsparteipräsident Silvio Auderset zurück.

Hält die SVP ihren Wähleranteil, bleiben aber im halbierten neuen Gemeinderat maximal zwei Sitze für die SVP. Einer der Bisherigen wird über die Klinge springen müssen. «Das kann passieren», so Auderset. «Aber heute weiss man ja nie, wie Wahlen ausgehen. Das ist wie eine Lotterie. So wie wir gearbeitet haben, sollten wir zumindest den Wähleranteil halten können.»

Darauf hofft auch FDP-Ortsparteipräsidentin Karen Bennett Cadola. Ihre Partei setze auf starke, kompetente Personen. «Die haben wir. Die Gemeinderatswahlen sind Kopfwahlen. Dank unseren vier Bisherigen, die wieder kandidieren, können wir mit vielen Fremdstimmen rechnen», möchte Bennett den Aderlass der SP ausnutzen.

Die FDP dürfte zudem am stärksten vom Aus der GLP Zuchwil profitieren, seien doch deren Wähler eher den Linksbürgerlichen zuzuordnen, sagt nicht Bennett, aber die CVP-Präsidentin Tamara Mühlemann. Karen Bennett nennt als realistisches Ziel den Gewinn von 3 Sitzen. Das scheint angesichts des Wähleranteils das obere Maximum zu sein.

Frische Kräfte

Etwas einfacher haben es die Grünen. Auf ihrer Liste ist ein Bisheriger, und ihr Ziel ist ein Sitz. Angesichts eines Wähleranteils an den Kantonsratswahlen von 12 Prozent in Zuchwil sei das realistisch, erklärt Beat Affolter. Der Noch-Gemeinderat hört nach 16 Jahren Tätigkeit im Rat auf. Die Grünen verlieren damit ihr Zugpferd. «Ich mache frischen Kräften Platz. Eine neue Ära soll beginnen.»

Bleibt als Nachtrag zu erwähnen, dass die neuen Gemeinderäte nicht nur mehr Verantwortung zu tragen haben, sie werden auch mehr verdienen. Für Sitzungen, die über zwei Stunden dauern, werden neu zum Beispiel 120 Franken statt bisher 80 Franken bezahlt.