Biberist

Vielschichtige Bild-in-Bild-Geschichten

Die Bilder von Franz Anatol Wyss regen zum Nachdenken an.

Die Bilder von Franz Anatol Wyss regen zum Nachdenken an.

Im Biberister Schlösschen Vorder-Bleichenberg zeigt Franz Anatol Wyss aus Fulenbach noch bis zum 8.November seine unerschöpflichen Bilderwelten.

Es ist immer wieder eindrücklich, wie der Fulenbacher Franz Anatol Wyss mit den Blei- oder Farbstiften neue Geschichten, Geschehen und Betrachtungen in Szene setzt. Ja, er ist schon ein Erzähler mit seinen Bildinszenierungen, die unverkennbar sind in der Bildsprache.

Bildsprache kann man bei dem 1940 geborenen Franz Anatol Wyss wörtlich verstehen. Auch in der mit Fingerspitzengefühl eingerichteten, gleichwohl reich bestückten Ausstellung im Schlösschen Vorder-Bleichenberg bestätigt sich: Franz Anatol Wyss’ Zeichnungen sind immer auch zeichenhafte Bild-in-Bild-Geschichten, die sich mit ihren wohlvertrauten Zeichen, Motiven und den allgegenwärtigen Zitaten unerschöpflich wandeln und verwandeln. Das Leben, das Erlebte, das Erdachte und Durchdachte bieten Franz Anatol Wyss unendlichen Stoff, das Reale, das Fiktive und das Metaphorische in gegenseitig sich befruchtender Bewegung zu halten.

Rätselhaftes Geschehen

Die farbigen «Landschaften» aus den letzten drei, vier Jahren spielen mit einer illustrativen, beinahe malerischen Prägnanz, wenn die dicht schraffierten Farben sich zu imaginären, ja manchmal filmisch anmutenden Szenarien verdichten. In den Bleistiftzeichnungen, den neuen Arbeiten zum Thema «zerbrechlich», verflicht er Persönliches, Universelles und Philosophisches zu rätselhaften Geschehen. Mit dem fein wie dicht, äusserst routiniert gesetzten Bleistift wirken die in grauen Nuancen gehaltenen Bildinhalte grafisch altmeisterlich wie seine früheren Tiefdruckarbeiten.

Stets vertraut er dabei auf sein Symbolikrepertoire und die allgegenwärtigen Archetypen: Kreuze immer wieder, Architekturen, hermetisch oder fassadenartig skelettiert, Boote, Pflanzliches, Technisches und Menschliches, Friedliches und Wuchtiges, Blumen als Zeichen von Werden und Vergehen, die Weltenkugel fragil-zerbrochen wie Eierschalen, kreisende Krähen, Vögel überhaupt, Lebenslinien und -geflechte, die mehr sind als nur Lebensadern, Urzeichen wie die Feder, das Boot, der Kreis, das Gefäss, immer wieder der klassisch anmutende Berg als Urlandschaft, der Mensch an sich.

Unermüdlich kreiert der besessene Zeichner Franz Anatol Wyss auf teilweise eigenwilligen, ja originellen Bildformaten wandelbare Bildmysterien und allegorische Fabeln, die sich verschachteln wie willkürlich choreografierte Bühnenkulissen. Sie erzählen von der Vielgestaltigkeit wie der Zerbrechlichkeit des Seins und der Weltengefüge. Das reflektierte Leben verwächst wie Lebenspuzzlesteine zu zeitlosen Metaphern.

Ausstellung bis 8. November. 

Geöffnet: Mi + Do 16–19 Uhr, Sa + So 14–18 Uhr. Der Künstler ist immer am Sonntag anwesend. Matinee-Konzert: 25. Oktober, 11 Uhr mit Hiroko Sakagami, Piano und Thomas Müller, Horn.
Finissage-Konzert: 8. November, 11 Uhr. www.schloesschen-biberist.ch

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