Gemeindeversammlung
Viele Oberdörfer möchten das Hallenbad behalten

230 Stimmberechtigte diskutierten über die Sanierung oder Schliessung des Oberdörfer Hallenbades. Ende November kommt es zur Urnenabstimmung.

Rahel Meier
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Allein die Sanierung der Haustechnikanlagen kostet 440000 Franken.

Allein die Sanierung der Haustechnikanlagen kostet 440000 Franken.

hanspeter baertschi

«Es gibt kaum jemanden in Oberdorf, der das Schwimmbad nicht gerne hat und es erhalten möchte. Aber jeder von uns weiss auch, dass wir es uns nicht leisten können.» Diese Aussage eines Oberdörfers bringt die Diskussion um die Zukunft des Hallenbades auf den Punkt.

230 Stimmberechtigte waren am Montagabend zur ausserordentlichen Gemeindeversammlung gekommen. Sie liessen sich von Gemeindepräsident Patrick Schlatter informieren. Die letzte Sanierung des Hallenbades liege 20 Jahre zurück. In den letzten Jahren hätten sich die dringlichen Arbeiten gehäuft, deshalb habe der Gemeinderat beschlossen, das Bad als Ganzes zu betrachten. Die technischen Anlagen des Hallenbades seien nicht mehr auf dem heutigen Stand der Technik. «Teilweise gibt es nicht mal mehr Ersatzteile», so Gemeinderat Johannes Dollinger. Auch der Rest der Räumlichkeiten habe gelitten und bedürfe einer Sanierung. Das Schwimmbad selbst sei ebenfalls nicht mehr dicht. So komme man auf die Gesamtsumme von 1,6 Mio. Franken für eine Sanierung.

Patrick Schlatter zeigte anschliessend auf, wie sich die Finanzen der Gemeinde mit und ohne Sanierung des Hallenbades entwickeln könnten. Er machte denn auch deutlich, dass die Sanierung grundsätzlich finanzierbar sei. Werde das Hallenbad geschlossen, sei eine Steuersenkung eher möglich, als wenn die Sanierung beschlossen werde. «Die finanziellen Auswirkungen sind nur ein Teilaspekt in der Diskussion um das Hallenbad», so Schlatter. Es gebe viele Punkte, die dafür sprechen würden, das Hallenbad zu erhalten. «Der Gemeinderat ist darum der Auffassung, dass ein Geschäft dieser Tragweite an der Urne beschlossen werden sollte.»

Attraktive Wohnlage weiter erhalten

Das Räumliche Leitbild wurde mit einer Gegenstimme genehmigt. In der Mitwirkung habe sich, so Susanne Asperger (Asperger Raumplanung und Städtebau) gezeigt, dass die Bevölkerung die attraktive Wohnlage sehr schätze. Das Dorf zeichne sich durch einen einzigartigen Kirchenbezirk aus. Auch die Grünzonen zwischen Oberdorf und den Nachbardörfern seien für das Ortsbild ein wichtiger Faktor. «Oberdorf hat eine gute Grösse und soll in einem gesunden Mass weiterwachsen», so Asperger. Angestrebt wird ein Plus von 75 bis 150 Personen in den nächsten 15 Jahren. Im Zentrum gebe es Potenzial zur Innenentwicklung in leer stehenden Gebäuden und unternutzten Arealen. Gleichzeitig soll es genügend Raum geben für Restaurants und Läden mit Artikeln für den täglichen Bedarf. «Konkret sollte die Zielsetzung der Dorfkernplanung umgesetzt werden.» Das bedinge auch, dass die Weissensteinstrasse in Absprache mit dem kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau gemäss dem genehmigten Erschliessungsplan umgestaltet wird. Damit könnte die starke Trennwirkung der Strasse verringert werden. Explizit auch im Leitbild enthalten ist das Statement zum Erhalt der Weissensteinbahn. Zudem wünscht sich die Gemeinde Oberdorf, dass sie bei der Planung in die weitere Entwicklung des Tourismus auf dem Weissenstein mit einbezogen wird. (rm)

In der anschliessenden Diskussion äusserten sich praktisch nur Befürworter einer Sanierung. So beispielsweise Urs Baumann, der selbst Aqufit-Kurse im Hallenbad durchführt. «Wenn ich zusammenzähle, wie viele Leute das Bad nutzen, dann komme ich auf 800 Personen pro Woche. Meiner Meinung nach wäre es beschämend, einfach den Schlüssel zu drehen.» Andere wiesen darauf hin, dass es in der Region bald keine Schwimmbäder mehr gebe. So seien auch das Bad im Hermesbühl-Schulhaus (Solothurn) und das Therapiebad im Bürgerspital geschlossen worden. «Unsere Kinder können dank des Hallenbades schwimmen.» Mehr als ein Mal wurde dies als grosser Pluspunkt erwähnt.

Anderes kostet noch mehr

Erwin Angehrn fand, dass beispielsweise die Musikschule die Gemeinde jährlich mehr koste als das Hallenbad. Von der Musikschule würden aber nur Kinder und Jugendliche profitieren. «Das Bad hingegen steht allen Alterskategorien offen.» Er sprach sich zudem dafür aus, dass die Sanierung auch stückweise ausgeführt werden könnte. «Dann wäre auch die Urnenabstimmung nicht nötig.» Schlatter wehrte sich allerdings gegen eine Stückelung. «Das wäre Salamitaktik. Wir müssen als Gemeinderat aufzeigen, welches die finanziellen Folgen sind.»

Einige der Anwesenden fanden, dass auf der Einnahmenseite ruhig auch noch etwas gemacht werden könnte. Der Preis eines Einzeleintrittes wurde ebenso zur Diskussion gestellt, wie die Frage nach einer Beteiligung der umliegenden Gemeinden an den Gesamtkosten oder ein Beitrag aus dem Sportfonds des Kantons.

Eher zugunsten der Sanierung sprach für viele auch die Tatsache, dass das Hallenbad zwar geschlossen, die Räumlichkeiten aber vorderhand nicht umgenutzt werden sollen. «Das ist auch nicht ökologisch.»

Christoph Müller beantragte genau deswegen Rückweisung des Geschäftes an den Gemeinderat. «Ich möchte wissen, was mit dem Raum passiert, sollte das Bad geschlossen werden. Ich möchte wissen, was ein Rückbau kostet, oder der Einbau von Schulraum.» Sein Antrag fand aber nur wenig Unterstützung. Eine grosse Mehrheit beschloss hingegen Eintreten auf die Vorlage.

Somit kommt es am 27. November zur Urnenabstimmung.