Es ist eines der grössten Wohnbauprojekte, das Gerlafingen in den letzten Jahren gesehen hat. Die Überbauung der Gebiete Sackzelgli und Sonnenfeld im südöstlichen Teil der Gemeinde soll dem Dorf 88 neue Wohnungen bescheren. Angesichts der 2000 Haushaltungen, die es in der 5000-Seelen-Gemeinde heute gibt, wird die Einwohnerzahl damit kräftig anwachsen.

Zusammen mit weiteren Neubauquartieren macht Gerlafingen in den nächsten Jahren einen gehörigen Einwohnersprung nach vorne. Allein im fertiggestellten Verenapark, der dem Abriss der ehemaligen Arbeitersiedlung Transvaal folgte, entstanden rund 90 Wohnungen. Auf dem Areal des abgerissenen Fluryhofs, wo die Gemeinde 4000 Quadratmeter Land verkauft hat, sind nächstes Jahr 20 Wohnungen bezugsbereit. Derzeit wird die Einstellhalle gebaut. Ein weiteres Grossprojekt ist der Mühlacker, wo 36 Wohnungen und 21 Reiheneinfamilienhäuser geplant sind.

Planung wird verzögert

Die zahlreichen Wohnbauvorhaben lösen nicht nur positive Reaktionen aus. So sind Bauverwalter Ewald Kaiser zufolge gegen den Erschliessungs- und Gestaltungsplan Sackzelgli-Sonnenfeld zwei Einsprachen eingegangen. Diese stammen von Anwohnern. Eigentümer des Bodens sind gemäss Kaiser die Pax-Versicherungen und das Architekturbüro Heiri aus Bettlach. Inhaltlich will sich der Bauverwalter zu den Einwänden nicht äussern. Denn morgen Donnerstag wählt der Gerlafinger Gemeinderat ein Gremium, um die Einsprachen zu behandeln. Danach finden Einigungsverhandlungen statt. Im Mai oder im Juni entscheidet sich, ob die Einsprachen gutgeheissen oder abgelehnt werden. Klar ist, dass sich die Planung verzögert.

Bereits vor Monaten erwuchs dem Bauprojekt Sackzelgli-Sonnenfeld Opposition aus dem Gemeinderat. Vor allem Roger Käsermann (SVP) kritisierte die aus seiner Sicht viel zu grosse Überbauung. Diese belaste die Infrastruktur des Dorfes. Er befürchtet Mehrverkehr auf den Strassen und einen Zerfall der Mietpreise. Das hätte sich in anderen Regionen in der Schweiz mit hoher Wohnbautätigkeit gezeigt. «Wenn im Dorf zu viel Wohneinheiten auf einmal auf den Markt kommen, können diese nicht abgesetzt werden.» Bei einem hohen Leerbestand wachse der Druck auf die Mietpreise. Käsermann befürchtet durch ein niedriges Zinsniveau eine Zunahme von Bewohnern, die von der Sozialhilfe abhängig sind. «Dann stimmt die Durchmischung nicht mehr.»

Kann der Markt dies schlucken?

Doch nicht nur in Gerlafingen wird kräftig gebaut. Diverse Projekte in Zuchwil und Derendingen bescheren dem Wasseramt derzeit einen Bauboom. Für Gerlafingens Gemeindepräsident Peter Jordi (SP) hält sich das Risiko eines Überangebots indes in Grenzen. «Die Wohnungen in Gerlafingen kommen nicht Knall auf Fall auf den Markt, sondern in Etappen.» Es werde also kaum auf Halde produziert. Ausserdem seien Gutachten zum Verkehr und zu möglichen Auswirkungen auf die Schulen erstellt worden. «Die Gutachten erlaubten es uns, überall grünes Licht zu geben.»

Erfreut zeigt sich Jordi darüber, dass im Verenapark zwei Drittel der Bewohner Neuzuzüger seien. «Das zeigt: Wenn das Projekt stimmt, dann kommen neue Einwohner nach Gerlafingen.» Er bezeichnet die Überbauung des Transvaal als Erfolgsgeschichte, die den Appetit von Investoren geweckt hätte. «Wir haben Freude an dieser Entwicklung. Denn zuvor wollte bei uns lange kaum jemand etwas realisieren.»

Bald ist Gerlafingen gebaut

Sollten die Einsprachen auf Sackzelgli und Sonnenfeld bereinigt werden, wird in einem ersten Schritt der nördliche Teil mit 4 Blöcken à 11 Wohnungen überbaut. Später folgt der südliche Teil. Wenn auch der Mühlacker überbaut ist, wird Gerlafingen als eine der flächenmässig kleinsten Gemeinden im Kanton Solothurn vorläufig gebaut sein. «Wir stossen überall an», sagt Jordi. «Möglich ist dann neben dem Bau von Einfamilienhäusern noch die Verdichtung nach innen.»