Manfred Tschui, wie ihr Vorgänger Jürg Kilchenmann waren Sie Gemeinderat. Neu ist auch Ex-Gemeinderat Reto Affolter im Verwaltungsrat. Warum sind im Verwaltungsrat so viele ehemalige Zuchwiler Dorfpolitiker vertreten?

Manfred Tschui: Das hat seinen Grund. Die Hardware des Sportzentrums gehört der Gemeinde. Sie sorgt mit Investitionen für eine funktionierende Anlage. Die AG betreibt das Sportzentrum und möchte einen kostendeckenden oder höheren Ertrag aus dem Betrieb erwirtschaften. Das ergibt einen Konflikt. Die AG will Gewinn erzielen, die Gemeinde muss darauf achten, was sie sich leisten kann. Damit sich das nicht auseinanderdividiert, wurde dieses Konstrukt gefunden. 

Jetzt wurde zusätzlich ein Beirat geschaffen. Warum?

Die bisherige Doppelmandatsfunktionen, Gemeinderat und Verwaltungsrat, geht laut Amt für Gemeinden nicht. Das Doppelmandat würde zu Interessenskonflikten führen. Einerseits will man den Betrieb vorwärtsbringen, andererseits muss man im Gemeinderat bei Sportzentrum-Geschäften in den Ausstand treten. Mit der Reduktion von 23 auf 11 Sitze kann dies den Gemeinderat blockieren, wenn bald die Hälfte des Gemeinderates im Verwaltungsrat des Sportzentrums sitzt.

Aber wozu braucht es einen Beirat?

Mit den aktiven Gemeinderäten im dreiköpfigen Beirat kann sich die Gemeinde dennoch Gehör im Sportzentrum verschaffen.

Das ist neu. Man hat man noch keine Erfahrungen sammeln können.

Genau. Unsere Idee ist es, dass die Beiräte wie Verwaltungsräte behandelt werden. Das heisst, sie besuchen die Sitzungen und werden mit allen Dokumenten und Informationen bedient. Sie können und sollen in den Entscheidungsfindungen mitdiskutieren. Wir wollen keine Alibi-Beiräte. Aber sie haben kein Stimmrecht.

Letzten Endes ergibt sich diese Entflechtung aber auch aus der Praxis des Bundesgerichts.

Es gibt Bundesgerichtsurteile zu ähnlichen Konstrukten. Deshalb haben wir gehandelt.

Am Montag entscheidet die ausserordentliche Gemeindeversammlung über die Sanierung des Freibads für 8,6 Mio. Franken, bevor das Projekt an die Urne kommt. Was erhält der Zuchwiler dafür?

Er hat wieder ein Freibad auf dem neusten Stand der Technik, das attraktiver ist, und er hat Gewähr, dass das Bad wirklich in den Sommermonaten zur Verfügung steht. Das Bad ist 43 Jahre alt und muss saniert werden. Die Wasseraufbereitungstechnik ist veraltet, sämtliche Leitungen sind sanierungsbedürftig. Der Beton ist ausgewaschen und mittlerweile Waschbeton. Vor allem die Kinder haben immer aufgeschürfte Zehen und Füsse.

Was wird attraktiver?

Ein Edelstahlbad ist angenehmer als das jetzige Betonbad. Alles kommt freundlicher daher, die ganze Umgebung. Das Kinderplanschbecken wird erneuert. Beim Nichtschwimmerbecken wird eine zusätzliche Rutschbahn installiert. Wir haben in der Task Force in Dutzenden von Sitzungen überlegt, was, wie saniert werden muss.

Sie haben gesagt, der Zuchwiler wird ein Bad erhalten, das in den Sommermonaten wirklich zur Verfügung steht. Wie ist das gemeint?

Wenn heute etwas in der Technik aussteigt, und das steigt nicht im Winter aus, sondern in der Betriebszeit, dann müssen wir möglicherweise das Bad einige Tage schliessen, bis wir das entsprechende Ersatzteil, wenn überhaupt, erhalten.

Gleichzeitig mit der Sanierung wird ein Winterbetrieb mit einer Traglufthalle für das 50-Meter-Becken eingeführt. Ist das nicht eine Schnapsidee?

Vor zwei Jahren hätte ich diese Frage mit Ja beantwortet. Aber die Analyse zeigte, wie sinnvoll ein Winterbetrieb ist. Jedes Freibad ist defizitär. Man kann es nur rund vier Monate im Jahr nutzen. Dann kam die Idee mit dem Winterbetrieb, mit der Traglufthalle. Jetzt muss ich sagen: Wir brauchen hier über 8 Millionen Franken für die Sanierung und können das Freibad nur für vier Monaten nutzen. Wenn ich hingegen etwas mehr investiere, kann ich das Bad zwölf Monate nutzen. Das ist sinnvoll und anzustreben.

So könnte die Traglufthalle aussehen.

So könnte die Traglufthalle aussehen.

Der Winterbetrieb wird das Sportzentrum nichts kosten. Ein teurer Winterbetrieb würde von der Bevölkerung nicht goutiert. Ist es realistisch von quasi null Kosten für die Gemeinde auszugehen?

Die Gemeinde leistet auch jährlich 25 000 Franken an die Betriebskosten. Aber, und das hat mich sehr positiv überrascht, unsere Beitragsgesuche haben in der Region, in anderen Gemeinden Resonanz gefunden. Von den geschätzten jährlichen 260 000 Franken Betriebskosten für den Winterbetrieb der Traglufthalle sind zur Zeit nur noch zirka 20 000 Franken nicht gedeckt, und das über die nächsten zehn Jahre hinweg.

Weshalb wurden Sie zum Verwaltungsratspräsidenten des Sportzentrums gewählt?

Innerhalb des Verwaltungsrates hat Jürg Kilchenmann angekündigt, dass er zurücktreten will, sobald die neuen Reglemente und die Struktur greifen. Als Zuchler habe ich natürlich eine Beziehung zum Sportzentrum. Ich war Gemeinderat, bin bereits im Verwaltungsrat und nahm auch Einsitz in der Task Force, die die neuen Strukturen und das nun vorliegende Sanierungsprojekt erarbeitete. So bin ich in die Aufgabe hineingewachsen.

Und Sie sind vom Fach.

Ja, deswegen ist das anstehende Freibadprojekt sehr reizvoll aber auch anspruchsvoll. Übrigens gilt das auch für den neu berufenen Verwaltungsrat Reto Affolter, ebenfalls ehemaliger Gemeinderat, der als Geschäftsleiter eines Bauingenieurunternehmens viel Wissen und Verständnis für die Projektabwicklung mitbringt. Deshalb haben wir uns in diese Richtung verstärkt. Und das restliche Team ist eingearbeitet, kennt sich und arbeitet gut zusammen. Ebenso ist die Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung des SZZ sowie der Gemeinde sehr gut.

Was wird in den nächsten fünf Jahren zusätzlich investiert?

Wir planen neu ein Kunstrasenprojekt umzusetzen, auch für den FC Zuchwil. Das ist aber ein Gegengeschäft im Zusammenhang mit dem Verkauf der Widisportanlage. Abgeschlossen ist die Erneuerung der Energiezentrale. Was noch ansteht, sind Heizung, Lüftung und eine Erneuerung der Steuerung. Sanierungsbedarf besteht auch bei der Beleuchtung im Hallenbad. Und dort muss zudem die Rutschbahn ersetzt werden. Wir haben jährlich einen Sanierungsbedarf von durchschnittlich 1 Million Franken. Diese erwähnten Projekte eingeschlossen. Der Wiederbeschaffungswert der Anlage beträgt rund 45 Mio. Franken, also sind 1 Million Franken jährlich nicht zu hoch gegriffen.

Welches sind Ihre Ziele für das Sportzentrum?

Ich will mit dem Verwaltungsrat und dem Betrieb das Betriebsergebnis steigern, indem wir mehr Gästen ein attraktives Angebot bieten können. Auch müssen wir die Betriebskosten senken können. Es muss das Ziel sein, die die Gemeinde zu entlasten.