Bereits seit 2014 ist bekannt, dass die Familie Antener den Hof auf dem Aare-Inseli bei Selzach komplett umstrukturieren und damit fit für die Zukunft machen möchte. Die Familie will die Milchwirtschaft auf Mutterkuhhaltung umstellen und den alten Stall in einen Eventraum umbauen. Zwei Baugesuche wurden für diese Umstrukturierung eingereicht. Ohne Baugesuch hatte die Familie danach einen Teil der geplanten Obstplantage realisiert.

Die Gemeinden Selzach, Lüsslingen-Nennigkofen sowie Pro Natura und Vogelschutzverband reichten beim Kanton Beschwerde gegen die Gesuche ein. Die Einsprachen wurden vom Kanton behandelt, weil es sich um Bauten ausserhalb der Bauzone handelt. 

Das Bau- und Justizdepartement (BJD) hat die Einsprachen im vergangenen Oktober beurteilt und kam zum Schluss, dass man den Anliegen Anteners positiv gegenübersteht. Obwohl das Gebiet in der Witi-Schutzzone liege, sei hier eine Einzelfallbetrachtung erforderlich.

Im Oktober 2016 entschied das Bau- und Justizdepartement (BJD) des Kantons: die beiden Baubewilligungsgesuche von Anteners werden bewilligt. Obwohl der Hof in der Landwirtschaftszone und Uferschutzzone liege, sei hier eine Einzelfallbetrachtung erforderlich. Die Gästebewirtschaftung sei grundsätzlich als nichtlandwirtschaftlicher Nebenbetrieb bewilligungsfähig, allerdings dürfe hier lediglich ein Einkommen als Nebenerwerb erwirtschaftet werden. Auch die Kleinkläranlage sei bewilligungsfähig.

Die Einsprachen von vier Parteien wies das BJD als unbegründet ab. Alle zogen das Urteil daraufhin weiter ans Verwaltungsgericht. Allerdings zog die Gemeinde Lüsslingen-Nennigkofen ihre Einsprache im Januar 2017 wieder zurück. Sie wolle das Verkehrskonzept mit der Familie bilateral regeln, hiess es. 

Keine Sonderbehandlung

Das Verwaltungsgericht zieht nun die Reissleine, wie das «Regionaljournal Aargau-Solothurn» am Dienstag berichtet. Anteners sollen keine Sonderbehandlung erfahren, wurde entschieden. Für die Obstplantage brauche es eine Baubewilligung. Da aber der vorgeschriebene Abstand zur Aare nicht eingehalten werde, könne diese gar nicht erteilt werden. Als «klar nicht bewilligungsfähig» wird der neue Eventraum im alten Kuhstall angesehen. 

Alle Bewilligungen des BJD, ausser dem Abbruch der Silos und dem Bau der Kleinkläranlage, werden vom Verwaltungsgericht aufgehoben. 

Das kantonale Bau- und Justizdepartement bekommt eine schlechte Rückmeldung: «Eine Auslegung des zentralen Elements der Schutzzone, welche dazu führt, dass der Kern des angestrebten Schutzes – das Freihalten der Uferstreifen, das Beibehalten einer offenen Ackerlandschaft, die extensiv und naturnah bewirtschaftet wird – in sein Gegenteil verkehrt wird, ist offensichtlich nicht zulässig und widerspricht nicht nur dem Wortlaut der geltenden Vorschriften, sondern auch von der Idee her sowohl Bundesrecht wie kantonalem Recht.»

Familie enttäuscht

Das Urteil des Verwaltungsgericht ist noch nicht rechtskräftig. Gegen den Entscheid kann ab 11. Juli 30 Tage lang Beschwerde eingereicht werden.

Matthias Miescher, Anwalt der Familie Antener sagt auf Anfrage, seine Klientschaft schliesse den Weg ans Bundesgericht nicht aus, es sei aber noch nichts entschieden. «Natürlich ist die Familie sehr enttäuscht über den Entscheid, denn davon hängt die Zukunft des Bauernbetriebes ab.» Auf Anfrage der az wollen sich Anteners selbst noch nicht zum weiteren Vorgehen äussern. (ldu/frb)