Letzte Woche hat Erika Genillard Post ihres Vermieters bekommen. Dieser weigert sich, die Haustür mit einem elektrischen Türöffner auszustatten. Ein solcher wäre nötig, damit die 60-Jährige schmerzfrei ins Mehrfamilienhaus gelangen kann. Heute muss sie ihren Rollstuhl rückwärts an die Tür zirkeln, um sich dann abzudrehen, den Schlüssel ins Schloss zu stecken und die schwere Tür aufzustossen. Dabei hat sie sich erst kürzlich sogar an der Schulter verletzt.

Der negative Entscheid hat Erika Genillard sehr getroffen. «Ich war sehr enttäuscht», sagt sie gegenüber dem Regionalsender TeleM1.

Die Biberisterin will sich jetzt eine neue Wohnung suchen, denn an eine solch «sture Verwaltung» will sie keinen Mietzins zahlen. Und rechtlich gesehen hat sie keine Chance. Der Vermieter hat das letzte Wort.

Doch nicht eingelenkt 

Ursprünglich hatte sich der Vermieter in dieser Sache wohlwollend geäussert. Erika Genillard solle doch eine Offerte schicken, hiess es noch im November dieses Jahres. Dies hat die 60-Jährige, die mit einer Kinderlähmung lebt, auch getan. Die Kosten für den Einbau des Türöffners hätte die Invalidenversicherung übernommen. Doch die Verwaltung lenkte nicht ein. 

Bei Pro Infirmis kann man den Streit nicht verstehen. «Es zeigt einfach einmal mehr», so Leiter John Steggerda, «dass für Menschen mit Behinderung ein Hindernis da ist, welches nicht aus dem Weg geschafft werden kann.» Es sei schade, dass die Fronten derart verhärtet seien.

Die Verwaltung, die Firma Marti und Marti AG, war für «TeleM1» nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Sie soll den Geschäftssitz erst kürzlich von Derendingen in den steuergünstigen Kanton Zug verlegt haben. (ldu)