Lohn-Ammannsegg

Versteigerung in einer Woche: Jetzt heisst es Endspurt auf dem Paradieshof

In einer Woche kommt in Lohn-Ammannsegg das Hab und Gut von Jakob Nussbaumer unter den Hammer.

Jakob Nussbaumer weiss schon seit sechs Jahren, dass er den Paradieshof am 31. März verlassen muss. Damals wurde sein Pachtvertrag nach über 30 Jahren Arbeit auf dem Hof aufgekündigt. Wieso es so weit kommen musste, kann er zwar immer noch nicht nachvollziehen, aber er hat ein neues Zuhause in Kyburg gefunden und will positiv in die Zukunft sehen, wie er selbst sagt.

Zu schaffen macht ihm, dass er nicht weiss, ob und vom wem das Landwirtschaftsland rund um den Hof ab dem 1. April bewirtschaftet wird. «Die Besitzer habe sich bei mir nicht mehr gemeldet, und sie wollen keinerlei Auskunft über ihre Pläne geben», so Nussbaumer. Er hat sein ganzes Leben als Bauer verbracht. «Mir liegt das im Blut, und es tut mir weh, wenn alles, was ich hier gemacht habe, kaputt geht.» Er hofft zudem, dass nicht irgend ein Auswärtiger herkommt und einen überrissenen Pachtzins zahlen wird.

Seltene Obstsorten

Nussbaumer war bekannt für sein Obst. Er hat vor allem Zwetschgen und Kirschen in seinem Hofladen verkauft. Über 60 Hochstammbäume hat er in den letzten Jahren angepflanzt. Als Investition in die Zukunft. Darunter auch Pro Specie Rara-Sorten. Deshalb hat sich auch Pro Natura eingeschaltet und wollte die Besitzer des Hofes dazu bewegen, den Hochstammobstgarten zu erhalten und einen allfälligen neuen Pächter dazu zu verpflichten, die Bäume zu erhalten und zu pflegen.

Aber der Brief sei ungeöffnet zurückgekommen, wie Geschäftsführerin Ariane Hausammann bestätigt. Ein zweiter Brief, in einem neutralen Couvert geschickt, wurde nicht beantwortet. Wenn die Bäume nicht mehr geschnitten und gepflegt werden, dann tragen sie keine Früchte mehr. «Hochstammobstbäume sind für die ökologische Vielfalt sehr wichtig», so Hausammann. Aber mehr als eine Bitte aussprechen, könne Pro Natura nicht. Es gebe keine gesetzliche Verpflichtung, solche Bäume zu erhalten und zu pflegen.

Rund um den Hof stehen zurzeit diverse Gefährte und Anhänger. Bereit für Interessierte, die die Fahrzeuge kaufen möchten. In seine neue Wohnung nimmt Nussbaumer nur wenig mit. Werkzeug um im Garten zu arbeiten, denn einen solchen hat er dort immer noch. Auch Sohn Lukas, der den Paradieshof gerne übernommen hätte, kann nur einige wenige Gerätschaften seines Vaters übernehmen. Harassen, der Traktor, die Melkmaschine, der Ladewagen, der Milchtank, das Fahrsilo, Heuballen: Nussbaumer verkauft alles. Die Aufgabe des Hofes hat auch finanzielle Folgen: Er rechnet mit Unkosten von über 20 000 Franken. Zudem muss er das Fahrsilo und den Hofladen rückbauen. Die Besitzer des Hofes haben das schriftlich mitgeteilt und so verlangt.

Erdbeeren und Spargel

Noch stehen 20 Kühe und 20 Kälber und Rinder im Stall des Paradieshofes. Auch die Tiere werden in einer Woche versteigert. Zwei Kühe sollten bis dann noch kalbern, meint Nussbaumer. Die Geissen und einige der Katzen hat Nussbaumer bereits verkauft oder verschenkt.

Traurig sieht es im Garten vor dem stattlichen Hof aus. Zwar blühen die Schneeglöckchen, aber sonst wachsen nur noch einige Erdbeeren und etwas Grünspargel. Sonst wurde nichts mehr angepflanzt. Im Wohnhaus wurde ebenfalls bereits vieles geräumt, und einiges steht schon in Kyburg. «Ich konnte die Wohnung per 1. März mieten», so Nussbaumer. Gerne hätte er einen kleinen Hof übernommen. Aber das war aussichtslos. Entweder waren die Objekte, die er sich angesehen hat, zu teuer, oder schlecht unterhalten und darum nicht bewohnbar.

Ob er bis zum 31. März mit allem wirklich fertig ist, weiss Nussbaumer nicht. Das Haus werde dann sicher leer stehen. Gerne hätte er die Gant eine oder zwei Wochen früher durchgeführt. «Aber der Gantrufer konnte nicht eher.»

Aushilfsweise weiter arbeiten

Langweilig werde es ihm nicht, meint Nussbaumer, der nicht nur den Paradieshof verlässt, sondern ab 1. April auch offiziell pensioniert ist. «Ich bin offen für Neues.» Zurzeit belegt er einen Kurs für Bienenzüchter. Er habe zudem eine ganze Liste von Leuten, die gerne ihre Bäume und Sträucher von ihm schneiden lassen würden. «Ausserdem werde ich bei anderen Landwirten sicher immer mal wieder aushelfen, wenn diese jemanden brauchen können.» Zudem möchte er wieder auf eine längere Reise gehen. Das war seit dem Tod seiner Frau vor zehn Jahren nicht mehr möglich. Kanada und Andalusien sind zwei seiner Ziele.

Nussbaumers Haushalthilfe, die seit bald zehn Jahren für ihn arbeitet, zügelt ebenfalls nach Kyburg. Sie habe eine Arbeit im Hausdienst des Altersheimes in Ammannsegg erhalten, sagt sie und freut sich darüber.

Versteigerung auf dem Paradieshof in Lohn-Ammannsegg: Vorbesichtigung morgen Sonntag, 18. März, von 10 bis 16 Uhr. Gant am 24. März ab 9.30 Uhr.

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