Umleitungen
Verkehrschaos: In Luterbach liegen die Nerven wegen Baustellen blank

Rund um Luterbach wird auf den Strassen gebaut. Das Dorf kann fast nur über Umleitungen erreicht werden. Immerhin wurde für die Luterbacherinnen und Luterbachen eine kleine Erleichterung gefunden.

Hans Peter Schläfli
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m Dorfzentrum von Luterbach wird darauf hingewiesen, dass die Verbindung zur Zuchwilerstrasse gesperrt ist. Wer in die Nachbargemeinde fahren will, muss einen Umweg machen.

m Dorfzentrum von Luterbach wird darauf hingewiesen, dass die Verbindung zur Zuchwilerstrasse gesperrt ist. Wer in die Nachbargemeinde fahren will, muss einen Umweg machen.

Urs Byland

Baustellen des Kantons, so weit das Auge reicht: Der Verkehr im Wasseramt ist kompliziert geworden, und insbesondere die Luterbacher leiden gewaltig unter dem Chaos. Wegen den Umleitungen mit langen Umwegen liegen die Nerven sowohl bei den Velofahrern als auch bei den Automobilisten blank.

Mitte Juli hat Velofahrer Heinz Flück an Peter Portmann vom Amt für Verkehr und Tiefbau geschrieben und seinen Unmut mitgeteilt. «Der Kanton bremst die Velofahrenden aus und schafft dazu Konflikte mit den Fussgängern», schrieb Flück. Er schlug vor, den Autoverkehr einspurig von Zuchwil her nach Luterbach hinein und einspurig über den Derendinger Kreuzplatz nach Solothurn hinauszuführen, um so genügend Platz für den Langsamverkehr zu schaffen.

Luterbach nur auf Umwegen erreichbar

Peter Portmann, der beim kantonalen Amt für diese beiden Baustellen die Verantwortung trägt, antwortete prompt: «Ich weiss, es ist ein weiter Umweg für die Velofahrer und mit den zusätzlichen Abklärungen verlängert sich die Bauzeit noch. Wir und die Kantonspolizei erachten die Durchfahrt auf dem Zuchwiler Feld für Velofahrer mit beidseitig hohen Absperrlatten als zu gefährlich.»
Was Heinz Flück noch nicht wusste: Auch die Bahnhofstrasse in Derendingen wird wegen des Neubaus des Kreisels auf dem Kreuzplatz nun in beiden Richtungen total gesperrt. Wer von Luterbach nach Derendingen will, muss dann den langen Umweg über Deitingen nehmen. «Es hat schlicht keinen Platz für eine provisorische Verkehrsführung während des Baus des neuen Kreisels», erklärt Peter Portmann die Situation. Immerhin sei in Derendingen mit den Boggiaweg über den Kanalweg für den Langsamverkehr eine gute Lösung gefunden worden.

Verzögerung wegen schlechten Asphalts

Vielerorts auf den Baustellen des Kantons kommt es zudem zu Verzögerungen. Der erste Asphalt, der auf der neuen Emmenbrücke eingebaut wurde, hatte qualitative Mängel. Gleiches ist beim Bypass des Kreisels auf dem Derendinger Kreuzplatz passiert und brachte einen Zeitverlust von zwei Wochen. Und auch in die erste neue Spur über das Zuchwiler Feld wurde mangelhafter Asphalt eingebaut. «Wir klären derzeit die Verantwortlichkeiten ab», sagt Portmann. Man suche nach Lösungen, wie die Arbeiten trotzdem zügig weitergeführt werden können.

Keine Erholung für die Bevölkerung

Wer im Luterbacher Schachen lebt, kann seit Jahren nicht mehr vom Naherholungsgebiet profitieren, weil der Kanton die Emme mit riesigem Aufwand renaturiert. Man hört den monotonen Lärm von der Baustelle der Kebag Enova, wo Fundamente in den Boden gerammt werden. Wer ins nahe Flumenthal will, muss übers Attisholz Richtung Riedholz fahren. Weil der Bahnübergang in Richtung Hubersdorf neu gebaut wird, wurde kurzerhand die ganze Strasse nach Flumenthal gesperrt. «Um Flumenthal vor dem Fluchtverkehr zu schützen», sagt Portmann.

Nun muss man aus dem Luterbacher Schachen, also an der Grenze zu Zuchwil, seit Wochen durch das ganze Dorf Richtung Deitingen fahren. Man ahnt es: In Luterbach wurde nämlich auch die Unterführung unter der Eisenbahnlinie Richtung Westen gesperrt. Zudem wurden im Juli noch die Leitungen auf der Friedhofstrasse gewechselt, was auch dort zu einer totalen Schliessung geführt hatte. Hier hatte der Luterbacher Bauverwalter aber keine andere Wahl. Da diese Baustelle genau vor dem Kindergarten war, mussten die Arbeiten zum Schutz der Kinder zwingend in den Ferien erledigt werden. Und es kommt noch schlimmer: Luterbach und Derendingen sind eng vernetzt. Doch im Herbst wird mit der Bahnhofstrasse genau diese wichtige Verbindung gekappt, wie bereits geschrieben.

Totale Abriegelung für drei Wochen

Immerhin: Nach vielen Reklamationen hat das Amt für Verkehr und Tiefbau eine kleine Erleichterung für die Luterbacherinnen und Luterbacher gefunden. Mitte September soll wenigstens die Unterführung unter der Eisenbahnstrecke mit einer neuen Lichtsignalanlage wieder für den Verkehr Richtung Zuchwil freigegeben werden. Die totale Abriegelung des Dorfes wird also voraussichtlich «nur» drei Wochen dauern. Lange Staus und Wartezeiten sind aber bei der Emmenbrücke weiterhin vorprogrammiert.
Im Übrigen begründet der Kanton die gleichzeitige Kappung aller West-Ost-Verbindungen und der wichtigsten Nord-Süd-Verbindung in und rund um Luterbach mit der Unaufschiebbarkeit wichtiger Unterhaltsarbeiten.

Autofahrer schubst jungen Velofahrer in Bauzaun

Mittlerweile hat die Situation, wie sie durch Heinz Flück in seinem Schreiben an das Amt für Verkehr und Tiefbau vorausgeahnt wurde, ein Opfer gefordert: Gleich neben der Baustelle der Kebag Enova, also der engsten Stelle der Umleitung für die Velofahrer, pedalte eine Mutter an einem späten Nachmittag gemütlich mit ihrem achtjährigen Kind Richtung Solothurn. Plötzlich lag das Kind weinend neben dem Weg. Eine Zeugin beschrieb den Vorfall folgendermassen. «Ich fuhr mit meinem E-Bike hinter einem Mann, den ich auf etwa 60 Jahre schätze. Ich wartete auf eine Gelegenheit zum Überholen. Der Mann musste wegen des entgegenkommenden Kinds etwas bremsen. Dann griff er mit der Hand an den Helm des Kindes und stiess es absichtlich in den Zaun.» Nur dank dem Helm habe das Kind keine schwerwiegenden Kopfverletzungen erlitten. «Das Kind hatte nichts falsch gemacht. Ich musste mich entscheiden, ob ich dem Kind helfe oder den Rüpel verfolge. Da ich Angst hatte, der Mann könnte auch mir gegenüber aggressiv reagieren, blieb ich beim Kind.» Das Kind musste wegen tiefer Schürfwunden, Prellungen und Schmerzen in Ellbogen und Knien zum Arzt. «Ich bedaure diesen Vorfall sehr, das Kind tut mir wirklich leid», sagt dazu Peter Portmann. Die Problematik der engen Stelle sei ihm bekannt, es habe aber keine bessere Lösung gegeben. «Leider konnten wir dort vom Landbesitzer keinen breiteren Streifen für einen besseren Weg bekommen.» (hps)

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