Verkehr im Jahr 2050
Die «Macht des Autos brechen» und grünere Strassen – Visionen des Luterbacher Zukunftsrats

Schmalere, begrünte Strassen, Fahrzeuge ohne menschliche Lenker und Güterzüge unter der Erde. Wird so 2050 der Verkehr in Luterbach aussehen?

Anja Neuenschwander
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Das Transportunternehmen Planzer wird weiterhin auf Lkws setzen. Sie investieren unter anderem in Elektrofahrzeuge, wie jenes links im Bild.

Das Transportunternehmen Planzer wird weiterhin auf Lkws setzen. Sie investieren unter anderem in Elektrofahrzeuge, wie jenes links im Bild.

Severin Bigler

Der Zukunftsrat in Luterbach kennt keine Schranken – es wird «rumgesponnen», Ideen und Lösungsvorschläge werden diskutiert. Zum zweiten Mal bespricht der Rat am Montagabend das Thema Mobilität. Vor zwei Jahren war Heinz Flück vom Verkehrsclub der Schweiz (VCS) zu Besuch. Gemäss seinen Vorstellungen sollte sich die Gesellschaft vom Individualverkehr wegbewegen.

Am Montag hält Simon von Arx vom Transportunternehmen Planzer zunächst einen Vortrag und erläutert den Anwesenden die Situation des Strassentransports. Einen grossen Teil der Transporte versuche das Unternehmen Planzer mit dem Zug abzudecken, erklärt er. Der Bahnverkehr habe aber langsam seine Kapazitätsgrenze erreicht.

Die Feinverteilung der Lieferungen erfolge dann mit den Lastwagen. Das muss heutzutage schnell gehen: «Wenn ich heute ein Päckli bestelle, erwarte ich, dass es morgen ankommt», sagt von Arx. Das schnellste und preiswerteste Transportunternehmen ist da im Vorteil – ein ständiger Konkurrenzkampf. Daher würde Planzer in der Zukunft wohl nicht von den Lastwagen absehen können:

«Grosses Potenzial sehen wir in Elektrofahrzeugen oder Wasserstoffmotoren.»

In den anschliessenden Diskussionen zeigt sich aber: Die Luterbacherinnen und Luterbacher, die im Zukunftsrat mitdiskutieren, wollen ein Dorf ohne Verkehrslärm, Staus und Abgasgestank. Wie das genau aussehen soll, da gibt es vielfältige Ideen und Lösungsansätze. Im Referat von Simon von Arx ist das Stichwort Cargo Sous Terrain gefallen: Das Unternehmen will einen unterirdischen Güterzug durch die Schweiz bauen.

So ähnlich sollen die Fahrzeuge von Cargo Sous Terrain aussehen.

So ähnlich sollen die Fahrzeuge von Cargo Sous Terrain aussehen.

CST

Für mehrere Anwesende ist klar: Luterbach braucht einen Cargo Sous Terrain Anschluss. Es entsteht die Idee für ein Verteilzentrum zwischen Luterbach und Derendingen, wo die Lieferungen mit dem unterirdischen Güterzug eintreffen würden. Die Feinverteilung in die Dörfer könnten dann Velokuriere übernehmen. Vielleicht könnte man Cargo Sous Terrain sogar mit einer Swissmetro, also Personentransport, kombinieren und so auch den Individualverkehr entlasten.

Viel Individualverkehr – «Mobilität ist zu günstig»

Stichwort Individualverkehr – eine Knacknuss. Luterbach habe zwar weniger Verkehr als beispielsweise Derendingen, trotzdem sei es noch zu viel. «Mich weckt der Verkehr jeden Morgen», meint eine Teilnehmerin. Auf den Strassen verkehren zirka 5 Millionen Pkw und nur 50’000 Lkw, informiert von Arx. Für ihn das Hauptproblem:

«Mobilität ist zu günstig.»

Gemeindepräsident Michael Ochsenbein beleuchtet das Problem von einer anderen Seite: «Heute wird beim Strassenbau alles den Autos untergeordnet. Wir müssen die Macht des Autos brechen.» Aber wie? Einige Mitbürgerinnen und Mitbürger sind gesundheitlich darauf angewiesen. «Für andere bleibt das Auto wohl immer die ‹heilige Kuh›», gibt ein Teilnehmer zu bedenken.

Luterbachs Gemeindepräsident Michael Ochsenbein.

Luterbachs Gemeindepräsident Michael Ochsenbein.

Patrick Lüthy

Also müsse man den Langsamverkehr weiter fördern und attraktiver machen: Collectors könnten mit Cargovelos Einkäufe nach Hause liefern. Man könnte ein Mobility-Auto in Luterbach stationieren oder einen Bonus für Velofahrer und Fussgänger einführen. Ochsenbein meint:

«Wir sollten den Pkw nicht verteufeln, sondern Alternativen schaffen.»

Dann könnte man die Dorfstrassen umgestalten: Gesäumt von Grünflächen und «so schmal wie möglich und so breit wie nötig», ergänzt Stefan Liechti, Mitglied der Vorstandsgruppe. So könnte ein weiteres Ziel erreicht werden: Luterbach soll zum schönsten Dorf in der Schweiz werden – und dazu energieautark. Jene zwei Resolutionen sind vom Zukunftsrat in den Gemeinderat getragen worden. «Wir haben, um mehr Fokus auf die Umwelt zu legen, eine Energie- und Umweltkommission eingesetzt», sagt Ochsenbein. So entsteht langsam, aber sicher ein Bild, wie Luterbach im Jahr 2050 aussehen könnte.

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